Die mir bisher bekannte Literatur aus Island bestand ausnahmslos aus Krimis, da war mir Das Gleißen der Nacht von Sjón eine willkommene Ausnahme. Leider kam ich mit diesem Roman dann aber nicht so gut zurecht, wie ich gehofft hatte.
Sjón erzählt in Das Gleißen der Nacht die Geschichte des Jónas Pálmason, der im Island des frühen 17. Jahrhunderts den Beinamen "Der Gelehrte" trägt. Schon von Kindesbeinen an war Jónas' einziges Ziel das Mehren und Zusammentragen von Wissen. Sein Großvater lehrte ihn Lesen und Schreiben, so dass aus dem neugierigen Kind ein Dichter und Gelehrter seiner Zeit wurde. Doch die Menschen in seiner Heimat wissen dieses Wissen nicht immer zu würdigen und schließlich wird Jónas Hexerei und Ketzerei nachgesagt und er wird auf eine einsame Insel verbannt. Niemand darf ihm helfen, niemand darf ihm Obdach bieten oder Nahrung geben. Seine Versuche, das Land zu verlassen und im Ausland Zuflucht zu finden, schlagen samt und sonders fehl, da kein Kapitän ihn an Bord nimmt. Bis zu dem Tag, an dem ein Gelehrter aus Dänemark ihn von seiner einsamen Insel holen lässt...
Sjóns Sprache wirkt auf mich antiquiert und schwerfällig. Man mag einwenden, dass er mit dieser Sprache der Zeit, aus der er berichtet, näher ist und das stimmt sicherlich auch, aber für den heutigen Leser ist es doch recht befremdlich zu lesen. Wobei man Sjón lassen muss, dass er diesen Stil wirklich sehr gekonnt und konsequent anwendet.
Aus der Geschichte selbst wurde ich nicht so recht schlau, Sjón hat sich wohl an Geschichten der Edda und Kommentaren dazu orientiert, was auch das Gemisch an christlichem Glauben und Volksglauben erklärt, in dem sein Held sich befindet. Auf der einen Seite Gelehrter, der mit alten Mythen aufräumt, wie z.B. der Herkunft des langen Horns, das man Einhörnern zuschreibt, auf der anderen Seite jedoch auch Exorzist, der den Teufel aus Wiedergängern vertreibt, damit diese endlich ihren Frieden finden. Jónas Pálmason ist kein Held, der es einem leicht macht, ihm näher zu kommen. Insgesamt war die Handlung für mich schwer zu greifen. Was Sjón allerdings beherrscht ist die Beschreibung von Stimmung und Atmosphäre. Bei den Schilderungen der isländischen Landschaft und des Meeres begann ich zu frösteln, die Eisplatten und rauen Felsen hatte ich klar vor Augen.
Im Großen und Ganzen ist Das Gleißen der Nacht jedoch kein Buch, was ich ein weiteres Mal lesen werde, zu wirr und konfus kommt die Geschichte daher.