Diesen Roman, der zwischen 1932 und 1943 entstanden ist, halte ich für einen der nachdenklichsten Romane von Hermann Hesse. Obwohl das Buch den gesamten Lebenslauf des Hauptcharakters Joseph Knecht schildert, steht echte Handlung im nur Hintergrund. Hesse beschreibt vielmehr die Gedanken, Entscheidungen und inneren Wandlungen einer Person, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam hat mit den Charaktern aus "Siddharta" oder "Narziß und Goldmund". Das offensichtliche Streben nach neuen Umgebungen, Lebenswandel und die dramatisch erscheinende Liebe, wie man sie in vielen seiner Werke findet, scheint im Glasperlenspiel zunächst zu fehlen. So fand ich das Leben von Knecht, und natürlich dessen Umschreibung, verglichen mit dem des Narziß geradezu fade. Das ist der Grund, weswegen mir das Buch über weite Passagen recht zäh vorkam. Andererseits geht viel Spannung aus von den im Laufe der Geschichte immer umfassenderen Beschreibungen des Glasperlenspiels selbst und seiner Ausübung. Was ist dieses Spiel, und was soll es aus der damaligen oder auch der heutigen Zeit versinnbildlichen? Vielleicht hatte ich mich irgendwann an die für Hesse etwas untypische Art gewöhnt, jedenfalls war ich zum Schluß des Romans begeistert vom sich schließenden Inhalt sowie von der Weisheit, die in ihm steckt. Daher kann ich das Buch jedem empfehlen, dem Siddharta gefiel und der mit ein paar mehr Seiten auch zurechtkommt.