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Tatsächlich stellt Knecht, der im utopischen Kastalien des 23. Jahrhunderts zum Meister des esoterischen Glasperlenspiels avanciert, eine Art umgedrehten Doppelgänger Wilhelm Meisters dar: Versucht er doch, im meditativen Ordensspiel zu vollkommener, an östlicher Weisheit orientierter Demut zu gelangen. Für Hesse war dies eine Art Sieg des Geistes über die materielle Verrohung der Epoche des "feuilletonistischen Zeitalters", das er vor allem in der Barbarei des nationalsozialistischen Deutschlands figuriert sah. Was Goethe im Wilhelm Meister als "pädagogische Provinz" zur höheren Erziehung des Menschengeschlechts bereits angelegt hatte, hat Hesse in seinem Kastalien literarisch Wirklichkeit werden lassen: eine Seelengemeinschaft von in die Regeln des Glasperlenspiels Eingeweihten, an dessen Ansprüchen Knecht allerdings am Ende, von der Außenwelt verführt, in gewissem Sinne scheitert. Das Hesse dem Leser diese Regeln nicht näher erklärt, sondern hinsichtlich seiner Erläuterungen im Nebulösen bleibt, ist ebenso traurig wie verständlich.
Leider wirkt Hesses Glasperlenspiel -- ein Kultbuch der 68er-Generation -- aus heutiger Sicht deshalb über weite Strecken allzu verkrampft esoterisch und konstruiert: Als literarische Kette aus Glasperlen statt aus echten Perlen geflochten eben. Trotz dieses Mangels ist das historisch etwas angestaubte Glasperlenspiel immer noch besser also so mancher glanzlose Roman der Gegenwart. Und mit der Sonderausgabe des Romans bei Suhrkamp, die anlässlich von Hesses 125. Geburtstag erschienen ist, liegt zudem eine preiswerte Neuauflage vor. --Thomas Köster -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Der Roman, der den Autor davor bewahrt hat, am Zustand der realen Welt zu verzweifeln, entwirft als fiktive Gegenwelt Kastalien: Es handelt sich um eine streng hierarchisch, dennoch zwangfrei organisierte Ordensgemeinschaft, die die Selbstaufgabe des Einzelnen für den Dienst an der Gemeinschaft idealisiert. Politik, Wissenschaften und Kunst werden hier wieder als Einheit gelehrt und gelebt. Das Glasperlenspiel ist das heiligste Prinzip dieses pädagogischen Ideals: Dieses abstrakte Spiel mit sämtlichen Inhalten und Werten unserer Kultur verbindet die unterschiedlichsten Wissensbereiche miteinander jenseits von Nationalismen, Konfessionen und Ideologien. In dieser utopischen, alternativen Gesellschaft lebt etwa um das Jahr 2400 Josef Knecht, der spätere Glasperlenspiel-Meister. Dieser überzeitliche, jedoch exemplarische Lebenslauf wird von einem Chronisten in 12 Kapiteln erzählt. Josef Knecht wird mit 40 Jahren zum jüngsten Magister Ludi gewählt, 8 Jahre später verlässt er ungehindert den Orden.
Bestimmendes Element in der Hörspielbearbeitung von Michael Farin ist die Chronologie von Knechts Leben. Mit puristischen Mitteln wird das Überzeitliche und gleichzeitig Utopische dieses Erziehungsromans umgesetzt. Dabei unterstreicht die meist befremdlich wirkende Musik die Meditation und Kontemplation, die Stimmen scheinen aus einer anderen Welt zu sein. Durch die essayistische Einleitung Der Versuch einer allgemeingültigen Einführung ins Glasperlenspiel, gesprochen von Barbara Nüsse, gelingt eine gewisse Strukturierung des Hörspiels. Theorie und Anschauung bleiben so gegenwärtig. Beeindruckend sind die exemplarische Lehrer/Schülerbeziehung (Rudolf Wessely, Ulrich Matthes) oder der Brief Knechts an den Lehrer über das Glasperlenspiel. Hörspiel mit Musik, Spieldauer: ca. 300 Minuten, 5 CD Auch als MC erhältlich.
-- culture.text -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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47 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
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Rezension bezieht sich auf: Das Glasperlenspiel: Versuch einer Lebensbeschreibung des Magister Ludi Josef Knecht samt Knechts hinterlassenen Schriften (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Was ist das Glasperlenspiel? Wenn man das nur in Worte fassen könnte. Vielleicht ist es die Kunst alle Künste und Wissenschaften kunstvoll zu vereinen, zu kombinieren und beherrschen zu können. Warum ist das Glasperlenspiel? Um zu zeigen, dass nicht alle Menschen gleich sind, sondern die Glasperlenspieler bessere Menschen sind. Und selbst bei ihnen gibt es eine Hackordnung. Warum bricht ein Glasperlenspielmeister aus? Weil er in seinem Dasein erfahren hat, dass das Spiel gar nicht das wirkliche Leben ist. Er hat sich auf die Suche gemacht. Auf die Suche nach dem wahren Leben. Dem wahren Sinn. Er bekommt nicht immer Antworten, aber er entwickelt sich durch Erfahrungen stetig. Das Glasperlenspiel" ist das wahrste Meisterwerk von Hesse. Es beinhaltet eine wunderschöne und absolut stimmige Lebensphilosophie. Auch wenn die Geschichte in Form eines dicken Wälzers in Erscheinung tritt - man mag ihn kaum aus der Hand legen. So sehr fesselt einen die Geschichte. Und vor allem: Beim Lesen wird es still um einen herum. Das ist immer ein Zeichen dafür, dass einem das bedruckte Papier etwas Wichtiges zu sagen hat.
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46 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Hesses reifstes Werk,
Rezension bezieht sich auf: Das Glasperlenspiel: Versuch einer Lebensbeschreibung des Magister Ludi Josef Knecht samt Knechts hinterlassenen Schriften (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Wenn sie noch nichts von Hermann Hesse kennen, machen sie sich mit diesem Werk das Leben schwerer. Anfangs quälen sie sich durch die ersten 20 Seiten - dann aber wird sich alles ändern.Beschrieben wird das Leben des Josef Knecht, eines Eliteschülers, der als brillanter Jungmusiker zu einem begnadeten Glasperlenspieler aufsteigt. Das Glasperlenspiel - für unwissende - ist eine formelhafte, wissenschaftliche Edeldisziplin, die sich aus allen Teilen der Wissenschaft sowie der Kunst zusammensetzt. Abgeschottet führt er ein Leben in Askese. Trotz seiner sachlich gehaltenen, Hesse-Typischen Sprache kann das Buch den Leser für sich einnehmen. Es ist eine Sammlung großer Weisheiten aus allen Bereichen des Lebens, aus verschiedenen Kulturen und Religionen, verpackt in eine zum Nachdenken anregende Geschichte. Das Werk umfasst ca. 610 Seiten. Symbolisch und reflexiv ist das Ende des Buches: Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
32 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Sehr nachdenklicher Roman von Hesse,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Das Glasperlenspiel: Versuch einer Lebensbeschreibung des Magister Ludi Josef Knecht samt Knechts hinterlassenen Schriften (Gebundene Ausgabe)
Diesen Roman, der zwischen 1932 und 1943 entstanden ist, halte ich für einen der nachdenklichsten Romane von Hermann Hesse. Obwohl das Buch den gesamten Lebenslauf des Hauptcharakters Joseph Knecht schildert, steht echte Handlung im nur Hintergrund. Hesse beschreibt vielmehr die Gedanken, Entscheidungen und inneren Wandlungen einer Person, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam hat mit den Charaktern aus "Siddharta" oder "Narziß und Goldmund". Das offensichtliche Streben nach neuen Umgebungen, Lebenswandel und die dramatisch erscheinende Liebe, wie man sie in vielen seiner Werke findet, scheint im Glasperlenspiel zunächst zu fehlen. So fand ich das Leben von Knecht, und natürlich dessen Umschreibung, verglichen mit dem des Narziß geradezu fade. Das ist der Grund, weswegen mir das Buch über weite Passagen recht zäh vorkam. Andererseits geht viel Spannung aus von den im Laufe der Geschichte immer umfassenderen Beschreibungen des Glasperlenspiels selbst und seiner Ausübung. Was ist dieses Spiel, und was soll es aus der damaligen oder auch der heutigen Zeit versinnbildlichen? Vielleicht hatte ich mich irgendwann an die für Hesse etwas untypische Art gewöhnt, jedenfalls war ich zum Schluß des Romans begeistert vom sich schließenden Inhalt sowie von der Weisheit, die in ihm steckt. Daher kann ich das Buch jedem empfehlen, dem Siddharta gefiel und der mit ein paar mehr Seiten auch zurechtkommt.
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