In "Das Glücksprojekt" beschreibt Alexandra Reinwarth, wie sie sich aktiv auf die Suche nach Glück machte. Was sie auf diesem Weg fand und findet, welche Tiefschläge sie verkraften musste und welche Erkenntnisse sich ihr erschlossen, ist ganz wunderbar erzählt.
Irgendwann, nach einem Altenheimbesuch bei ihrer Oma, kommt sie, die Erkenntnis, dass man genau JETZT anfangen muss, größtmöglich glücklich zu werden. Es macht keinen Sinn, Glück als Hoffnung auf bessere Zeiten zu verstehen. Glück kommt nie in Zukunft, wenn Frau sie nicht heute schon sucht. Die Botschaft also: Warte nicht auf das Glück, sieh wo Du es bekommen kannst, dann nimm es in die Hand. Packe es. Und lasse es nicht mehr los.
Wunderbar erfrischend ist die Machart dieses Buchs, das nicht belehrt oder altkluge Ratschläge gibt. Statt durch "So-muss-Du-es-machen-Anleitungen" zu langweilen, erzählt die Autorin von ihrer Suche nach dem Glück. Während ich gelesen habe, lief irgendwo im Hinterstübchen das eigene Leben und Empfinden immer mit. Mal konnte ich mich in ihr wiederfinden und habe gedacht "aha, das passt auch zu mir, das könnte ein Weg für mich sein". Ein anderes Mal erkannte ich, wo ich anders ticke als Frau Reinwarth. Womit sie probiert, ihrem Glück auf die Sprünge zu helfen? Mit Sport, einem Hund, dem Buddhismus, mit Psychotricks, eine Wallfahrt, Zufriedenheitstätigkeiten, mit der sanften Esoterik-Keule, mit einem neuen Verhältnis zum Geld, einem Yoga-Lachseminar, neuen und alten Freunden, Sinnsuche, Freizeit, Liebe, ein neues Verhältnis zur Arbeit! Eine ganz schön irre lange Liste. Lesend diese Liste mit ihr abzuarbeiten hat mir jedenfalls viel Freude bereitet und mich mir selbst ein gutes Stückchen näher gebracht.
Die einzelnen Kapitel sind unglaublich lustig geschrieben. In fröhlichem, witzigem Ton plaudert Frau Reinwarth über ihre Erfahrungen und Gedanken um das und mit dem Glück. Vorurteile und eigene Hürden auf der Suche nach Glück werden gandenlos ausgebreitet. Ans Tageslicht kommt eine Reise durch das Leben, das man wohl am besten mit Humor nicht nur erträgt, sondern herrlich ausgestalten kann. Der satirische Blick, mit dem das Leben und Leiden hier beschrieben wird, ist das eigentliche Glück, das es zu finden gilt. Neue Einsichten wuchsen bei mir während des Lesens, indem ich mich sehr oft nur entspannt zurückgelehnt und genossen habe, wie die Autorin ihre Welt sieht. Während sie sich mit Fitnesstrainereien und diversen Sportarten abmüht, sich in kalte Hundeschnauzen und treudoofe Dackeblicke verliebt, an provozierend Kaugummi kauenden Menschen ihre buddhistische Ruhe entdeckt oder einfach eine blöde Angewohnheit ablegt und nach Sinn sucht, konnte ich mich immer selbst lächelnd betrachten und mir vornehmen, was genau ich in Zukunft anders machen will, und warum manches, was ich tue, schon ganz nah dran ist, am Supersonnenscheinwunschglück!
Mit diesem tollen Werk im Bücherregal und seinem Inhalt im Hinterkopf habe ich mir einige schöne Lesestunden lang ein zuckersüßes Stück vom Glückskuchen abschneiden können. Es hat gut getan und wirkt nach.