Stempel und Ripkens leben seit 1957 in einer offenen schwulen Lebensgemeinschaft zusammen. Außerdem haben sie auch über 30 Jahre als Gutachter für den Filmhändler Leo Kirch gearbeitet und in dieser Aufgabe die halbe Welt bereist. Wohl etwas wider Willen sind sie zu einem schwulen Vorzeigepaar (gemacht) worden. Immer wieder berichten die Medien über sie.
In diesem Buch lassen die beiden in abwechselnd von Stempel und Ripkens geschriebenen Kapiteln ihr Leben Revue passieren. Das Buch ist in einem angenehmen Plauderton gehalten. Breiten Raum
nehmen die Reiseerlebnisse der beiden ein.
Doch die Porträts von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind oft nicht sehr scharf gezeichnet. Über den öffentlichkeitsscheuen Leo Kirch haben die beiden leider wenig interesantes mitzuteilen, obwohl sie ihn seit Jahrzehnten immer wieder getroffen haben. Auch das Porträt von Ingmar Bergman ist enttäuschend. Über den gleichfalls sehr öffentlichkeitsscheuen Robert Bresson haben die beiden einen Kurzfilm gemacht. Zu berichten haben sie über die Begegnung mit Bresson leider gar nichts. Regelrecht konsterniert war ich, wenn bei fast jeder Reisestation (Paris, Mallorca, Tokio oder Moskau) vor allem die flüchtigen sexuellen Begegnungen in Parks oder einschlägigen Saunen das mitteilenswerteste zu sein scheinen. Was daran für den unbeteiligten Leser interessant sein soll, bleibt mir schleierhaft. Ein Heterosexueller, der in einem solchen Buch seinen banalen one-night-stands auf Geschäftsreisen so viel Raum geben würde, würde von der Kritik sicherlich gnadenlos niedergemacht.
Zum Glück ist das Buch dennoch kein schwules Pamphlet geworden.
Offensichtlich scheint es auch in den fünfziger Jahren mehr Toleranz gegenüber Schwulen gegeben zu haben, als heute gemeinhin angenommen wird. Es ist zwar von der einen oder anderen unfreundlichen Reaktion die Rede, nicht aber von Repressalien, Mobbing oder ähnlichem.
Trotz der genannten Einschränkungen habe ich das Buch gerne gelesen und innerhalb von einem Tag beendet.