Mach irgendwas, was überhaupt nicht zu uns passt. Vielleicht könnten wir so ja wieder anfangen. Diese Sätze werden Karl von seiner Frau auf einen Zettel geschrieben und beenden so die Geschichte "Prinzessinnenschlaf" in diesem Buch, in der es um eine verlorene Leidenschaft geht.
Verluste und Leiden spielen auf ganz verschiedene und manchmal sehr subtile Weise in jeder Geschichte die tragende Rolle. Und obwohl man diese eigenartig traurige Melodie immer wieder hört, wird man selbst davon merkwürdigerweise nicht schwermütig. Vielleicht liegt das am unaufgeregten Stil, in dem die Heldinnen ihre Geschichte erzählen oder auch daran, dass man sich nicht fremd fühlt. Denn irgendwie kommt einem Manches bekannt vor.
Keine der Geschichten besitzt eine besondere Dramatik. Vielmehr schildern sie Ausschnitte aus dem banalen Leben, das allerdings genau beobachtet und aus einer eigenwilligen, seltsam unter die Haut gehenden Perspektive erzählt wird. Hat man eine Geschichte beendet, möchte man gleich die nächste lesen.
Verlorene Leidenschaft, Ängste, Einsamkeit, aufgespartes Leben, Erwartungsdruck und Verirrungen bei der Suche nach dem eigenen Glück beschäftigen die Protagonistinnen. Immer wird gehofft und gleichzeitig das eigene Scheitern aus Erfahrung erwartet. Vielleicht erzeugt gerade dieser leicht fatalistische Grundtenor eine eigenartige Verbundenheit des Lesers mit den jeweiligen Erzählerinnen.
Man kann sich der überraschenden Ehrlichkeit nicht entziehen, mit der sich Sonja Heiss diese Geschichten von der Seele geschrieben hat. Im Grunde traurige Geschichten mit dieser keineswegs schmerzfreien Leichtigkeit zu erzählen, besitzt etwas Einzigartiges.