VOLLTREFFER
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Die sich mehrenden Auflagen von Miriam Meckels Buch "Das Glück der Unerreichbarkeit" und die vielen zustimmenden bis begeisternden Stellungnahmen zu diesem Buch zeigen an, daß dieses Buch offensichtlich das Alltagserleben von vielen Menschen trifft. Die zunehmende umfassende Erreichbarkeit von immer mehr Menschen weltweit erzeugt Verhaltensweisen, die jeden Winkel des alltäglichen Kommunizierens zu durchdringen scheinen. Ob Beruf oder Freizeit, ob öffentlich oder privat, Miriam Meckel schildert anschaulich an vielen Beispielen, zu welchen extensiven Formen von Kommunikationsaktivitäten dies --bei abnehmender Qualität-- führen kann. Sie schildert Auswirkungen dieses Verhaltens im Leben des einzelnen, und welche krankhaften Fehlformen möglich sind, durch die Menschen in ihren sozialen Beziehungen bedroht oder gar zerstört werden. Wer dieses Buch liest wird sich mühelos in all diesen Schilderungen mehr oder weniger wiedererkennen können.
SYMPATHISCH
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In ihre Schilderungen fließen immer wieder eigene Verhaltensweisen, eigene Erlebnisse und Experimente ein. Dies ist mutig, verleiht dem Text eine persönliche Note, gibt ihm etwas Authentisches, macht die Autorin für viele Leser offensichtlich sympathisch.
VIELE WIEDERHOLUNGEN
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Fakt ist aber auch, daß die inhaltlichen Aussagen von Miriam Meckel sich durch viele Wiederholungen auszeichnen. Hätte sie nicht einen so guten Schreibstil, man würde das Buch nach den ersten 50 Seiten aus der Hand legen und würde nicht viel verpassen.
ENDSTATION INDIVIDUUM
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So gelungen die Beschreibung des alltäglichen Kommunikationsverhaltens --gerade auch in seinen Zerrformen-- erscheint, so fragwürdig ist jedoch das Rezept, das Miriam Meckel als Lösung der Probleme präsentiert. Mit dem Verweis auf die Freiheit des Individuums, der Möglichkeit der Selbstbestimmung, ermuntert sie die Leser, sich dem überbordenden Informationsfluß durch individuelle Verweigerung zu entziehen; auf diese Weise soll man Räume der Stille, der Konzentration, der Besinnung auf das Wesentliche ermöglichen. Darin soll dann mehr gedacht werden, um die Komplexität hinreichend zu vereinfachen. Das Wesentliche, das Wichtige soll erkannt werden. Ist diese Antwort tragfähig?
THEMA VERFEHLT?
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Dass der einzelne Mensch angesichts einer Überfülle an Informationen und Kommunikationsaufforderungen faktisch keine andere Möglichkeit hat, sich dieser zu erwehren, als die Menge der zu verarbeitenden Informationen auf ein 'menschenmögliches Maß' zu reduzieren, ist in gewisser Weise trivial und jede Zeit muß da ihr eigenes Maß angesichts neuer Technologien finden. Den Blick auf die subjektive Erlebnisperspektive des einzelnen Individuums zu beschränken kann allerdings grob irreführend sein, dann nämlich, wenn diese Informationsüberflutung unabhängig vom Wollen des einzelnen ein unausweichliches Produkt der neuzeitlichen Informationsgesellschaft ist, und zwar so, daß die Selbstdefinition dieser Informationsgesellschaft genau über diese täglich produzierten Informationsinhalte realisiert wird.
Die Herstellung komplexer Produkte wie z.B. Autos, Flugzeugen oder Kraftwerke setzt voraus, daß die komplexen Informationsströme funktionieren, ebenso verlangt das Funktionieren komplexer globaler Märkte nach den Experten, die die dazu notwendigen komplexen Informationsstrukturen beherrschen. In einer solchen Situation dem einzelnen Ingenieur zu empfehlen, sich einfach aus den Informationsströmen zu verabschieden, mag individuell subjektiv kurzfristig sicher eine Entlastung bringen, hochgerechnet bricht damit aber eine komplexe Ingenieurleistung und damit ein ganzer Wirtschaftsbereich in sich zusammen (und dies ist nur ein winziger Ausschnitt). Natürlich wird auch eine Miriam Meckel dies nicht wollen. Aber hier genau beginnt das Problem: wenn die Informationsüberlastung NICHT eine rein subjektiv-individuelle Angelegenheit ist, sondern aus einer globalen Informationsverdichtung moderner Gesellschaften resultiert, dann ist ein Aufruf zu mehr individueller Besinnlichkeit (ich vereinfache) nicht nur nicht hilfreich, sondern geradezu fatal. Man würde dann vorgaukeln, daß das Problem durch subjektive Verhaltensänderung alleine lösbar wäre; in Wirklichkeit handelt es sich aber möglicherweise um ein sehr ernstes strukturelles Problem moderner Informationsgesellschaften, das das Potential hat, komplette Gesellschaften vollständig zu ruinieren, nämlich dann, wenn die täglich produzierten Informationen von immer mehr Menschen nur noch als 'Rauschen' wahrgenommen werden können, weil weder einzelne noch Institutionen länger in der Lage sind, die darin enthaltenen Informationen angemessen zu verstehen.
GANZ AM ANFANG?
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Sollte die stark vereinfachende Sicht von Miriam Meckel tatsächlich keine ausreichende Analyse des kulturellen Problems von informationsflußbasierten Gesellschaften darstellen, dann allerdings hätten wir ein sehr gravierendes Problem, das uns deutlich macht, daß wir ziemlich am Anfang stehen, was eine mögliche Lösung betrifft. Die von Miriam Meckel beschriebenen Probleme wären dann bestenfalls das Vorwort zu einem Buch, das noch geschrieben werden müßte, und zwar nicht nur als Text, sondern als gelebter globaler Prozeß. Ich habe nicht den Eindruck, daß momentan irgendjemand auch nur ansatzweise weiß, wie eine solche strukturelle Lösung aussehen könnte.