Das Wichtigste vorweg: Nicht vom Umfang des Werkes abschrecken lassen! Das Buch von Thomas Lackmann liest sich hervorragend und bietet auf jeder Seite spannende Details. Es schildert die hochinteressante Geschichte der Nachkommen von Moses und Fromet Mendelssohn, einer weitverzweigten Familie von Bankiers, Künstlern, Wissenschaftlern und Mäzenen, von der Ankunft des 14-jährigen Moses Mendelssohn in Berlin bis zur noch wenig erforschten Geschichte der Mendelssohn-Nachkommen im "Dritten Reich". Es sind durchweg hochinteressante Existenzen, die Lackmann mit Hingabe beschreibt und zum Leben erweckt, bei denen er das "besondere Mendelssohn-Soziotop der Begabten und Einflussreichen" herausarbeitet, wobei er auch den weniger bekannten Familienmitgliedern gerecht wird. So sind beispielsweise die Lebensläufe von Moses Mendelssohns Tochter Henriette oder Felix Mendelssohn Bartholdys Söhnen Carl und Paul nicht weniger spannend als die der bekannteren Mendelssohns Dorothea Schlegel, Fanny und Felix M.B., Arnold M. etc. Ein immer wiederkehrendes Thema ist selbstredend das Verhältnis der einzelnen, schon ab der zweiten Generation überwiegend getauften Figuren zum Judentum bzw. zur Familientradition.
Die Familiengeschichte ist sehr schön in die gesellschaftlichen Veränderungen zweier Jahrhunderte eingebettet und bietet bei aller Verschiedenheit der Charaktere der Protagonisten, der Lebensentwürfe und Lebensläufe ein überzeugendes und spannendes Bild einer bzw. der deutsch-jüdischen Familie par excellence. Absolut empfehlenswert!