Dieser neuen Übersetzung von Wolfgang Röllig liegt die Ninivitische Version des Epos zu Grunde, die auf zwölf Tontafeln überliefert ist. Anders als in früheren Übersetzungen wurde nicht versucht längere Lücken im Text durch ältere Versionen des Textes zu füllen, da mittlerweile mehr Verse der Ninivitische Version rekonstruiert werden konnten. Allerdings entstehen so einige große Lücken, die aber meist durch Kommentare des Autors zu deren (vermeindlichen) Inhalt gut geschlossen werden. Kürzere Lücken, die durch ............ angezeigt sind verbleiben aber meist unkommentiert im Text und sind an einigen Stellen nur durch wenige Wörter voneinander getrennt, so dass sich aus diesen Passagen schwer ein Sinn erschließen lässt. Daher hätte man diese auch ganz streichen können.
Besonders gelungen sind die Erläuterungen und das Glossar, durch die, trotz des beschränkten Platzes, auch schwierige Stellen verstehbar werden.
Was mir aber nicht gefallen hat ist die Tatsache, dass die Tafel XII nicht übersetzt wurde, sondern nur in der Einleitung kurz auf sie eingegangen wurde. Es wird lediglich auf eine Englische Übersetzung verwiesen. Sicher endete das ursprüngliche Epos früher mit der elften Tafel, was eine längere Wiederholung der Einleitung von Tafel eins beweist, aber wenn eine bestimmte Version eines Textes (in diesem Fall die Ninivitische) übersetzt wird, so finde ich sollte sie auch vollständig sein, allein schon weil sich die Inhaltsangabe sehr vielversprechend liest.
Trotzdem kann ich das Buch empfehlen.