Von den Büchern, die ich bisher von Anita Shreve gelesen habe, gefiel mir dieses mit Abstand am besten. Shreve verwebt einen lang verjährten Mordfall, an dem die Hauptperson, eine Journalistin, recherchiert und die augenblickliche Geschichte dieser Journalistin geschickt miteinander.
In dem Mordfall wurden auf einer unwirtlichen Insel zwei Frauen umgebracht, die beide aus Norwegen im letzten Jahrhundert eingewandert waren. Maren, Schwägerin und Schwester dieser Frauen hat diesen Mord zum Ende ihres Lebens hin aufgeschrieben. Diese Rückblende wird in den Roman immer wieder eingewebt. Und es ist eine packende Geschichte um diese einsamen Einwanderer, eine Geschichte auch darüber, wie zu viel Liebe, zu großer Neid, unbegründete Eifersucht, das enge zusammenleben auf kleinem Raum und das mangelnde Vermögen, Dinge anzusprechen schließlich zur Katastrophe führen können.
Die gleichen Voraussetzungen erlebt auch Jean, die Fotografin, die diesen Mordfall nach einem Jahrhundert rekonstruiert. Während der Recherchearbeit befindet sie sich an ebendieser Insel auf einem Boot, zusammen mit ihrem Schwager, ihrem Mann, ihrer Tochter und der Freundin des Schwagers. Jean ist fasziniert von dem Fall, an dem sie arbeitet, bemerkt aber auch, dass ihr eigenes Leben sich zu verändern beginnt. Auch sie steuert auf eine Katastrophe zu, in der sie aber eine ganz andere Rolle einnimmt, als sie sich selbst eigentlich zuschreibt.
Mir gefällt das Buch, weil es erst mal spannend und interessant zu lesen ist, aber auch weil sich zeigt, wie einem zwar der Blick auf Andere (in diesem Fall Jeans Blick auf Marens Aufzeichnungen) objektiv gelingt, man aber in den eigenen Verwicklungen dennoch die gleichen Fehler begeht.