Die Ausgangslage klingt gefährlich kitschig:
Die Hauptfigur, eine junge Frau, passt, wie öfter, auf die kleine Tochter der Nachbarin (und Freundin) mit auf. Die Kinder spielen im Garten, als ein Geschrei anhebt und die Nachbarstochter im Teich verschwindet. Sie ertrinkt. Wellenartig - wie die Kreise im Wasser des Teichs - breitet sich das Unglück in zwei Familien aus und zerstört deren ganz normales, durchschnittliches Leben. Wie viel Schuld kann man ertragen? Und wieviel Schuld kann man vergeben?
Aber Jane Hamilton gelingt ein gänzlich kitschfreies Buch. Es ist eine ergreifende Geschichte um Verlust und Schuld(gefühle). Angenehm unprätentiös schildert sie sehr differenziert den Schmerz aller Beteiligten. Dabei kommt sie ohne allzu dramatische Wendungen oder wilde Storylines aus. Sie folgt den Protagonisten und deren Versuchen, im Alltag wieder Fuß zu fassen und ist ehrlich genug, auf Happy-End oder große Versöhnungsgesten zu verzichten. In dieser Geschichte gibt es schließlich und endlich nur Verlierer und Verletzte. Beschädigte Leben.
Daß dabei kein Unterhaltungsroman herauskommt, liegt auf der Hand. Man muß bereit sein, in ziemlich düstere Regionen menschlich-seelischen Schmerzens vorzudringen und wird dabei selten bis kaum entlastet. Und dennoch ist es ein Sucker, eines jener Bücher, die man nur sehr schwer aus der Hand legen kann, man will weiter und weiter im Text, auch in der Hoffnung, doch irgendwo Erlösung zu finden. Ein echter Pageturner obwohl kein Krimi oder Thriller. Hier erwächst die Spannung aus den ganz einfachen, ganz menschlichen Zwischentönen und Erfahrungen.
Absolut lesenswert!