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Das Gespenst des Kapitals [Broschiert]

Joseph Vogl
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (19 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

16. Dezember 2010
Angesichts der Ereignisstürme im gegenwärtigen Finanzgeschäft widmet sich Joseph Vogl in einem klarsichtigen Essay den Wahrnehmungsweisen, Theorien und Problemlagen dessen, was man mit gutem Grund immer noch Kapitalismus nennen muss. Gerade Finanzmärkte gelten als das Marktgeschehen schlechthin. Unbelastet von den Beschwernissen der Produktion sind sie - für die herrschende ökonomische Doktrin - Schauplätze eines perfekten Wettbewerbs und idealer wirtschaftlicher Ausgleichprozesse: ein segensreiches Zusammenspiel von gewinnorientierten und also ebenso rationalen wie zuverlässigen Akteuren. Darum wollte man in Spekulationsblasen und Crashs bloße Anpassungskrisen oder jene seltenen Ausnahmesituationen erkennen, die sich dem irrationalen Überschwang eines vielleicht gierigen, vielleicht inkompetenten oder schlicht rücksichtslosen Spekulationswesens verdanken. Hier setzen die Fragen des Essays an: Sind die irrationalen Exuberanzen wirklich Ausnahmefälle oder nicht eher reguläre Prozesse im Getriebe kapitalistischer Ökonomien? Reicht die Unterscheidung von rational und irrational überhaupt hin, die Effekte dieses Systems zu fassen? Begegnet ökonomische Rationalität hier nicht unmittelbar ihrer eigenen Unvernunft? Arbeitet das System tatsächlich effizient und rational?Angesichts dieser Fragen folgt der Essay einer ebenso historischen wie theoretischen Sondierung und hegt einen grundlegenden Zweifel darüber, ob die alte liberale Hoffnung auf die ausgleichende Ordnungsmacht des Marktes Adam Smiths berühmte »unsichtbare Hand« noch gerechtfertigt ist. So wenig der Kapitalismus als reiner Rationalisierungsprozess beschrieben werden kann, so wenig lassen sich Spekulation und Spekulanten als verworfene oder pathologische Ausnahmegestalten begreifen. Das liegt nicht zuletzt an den Dynamiken der modernen Finanz- und Kreditökonomie, die sich auf die Wirkungsweise einer stets offenen und ungewissen Zukunft verpflichtet. Für die Märkte der futures und Derivate ist Zukunft, d.h. Zeit zu einer unerschöpflichen Ressource geworden. Im Zentrum steht das Wissen um jene scheinbar irregulären Ereignisse, in denen die finanzökonomische Welt unlesbar und undurchschaubar geworden ist: Hier wirken Ungewissheit und Instabilität im Herzen des Systems; und hier vollzieht sich ein Angriff der Zukunft auf die übrige Zeit - das Gespenst des Kapitals.

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Das Gespenst des Kapitals + Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
Preis für beide: EUR 28,90

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Produktinformation

  • Broschiert: 224 Seiten
  • Verlag: Diaphanes; Auflage: 3. (16. Dezember 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3037341165
  • ISBN-13: 978-3037341162
  • Größe und/oder Gewicht: 17,4 x 12 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (19 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 147.143 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Ein Buch, so wirksam wie ein Crash.« (Mark Siemons, FAS)

»Es ist nicht weniger als ein frontaler Angriff auf kapitalistische Mythen und die dorischen Säulen der Wirtschaftswissenschaften. In einem faszinierend dichten Gedankengang beschreibt Vogl die Entstehung des spekulativen Kapitalismus und die Produktion von Furcht und Hoffnung. Vogl schreibt mit Eleganz und rhetorischer Leidenschaft.« (Thomas Assheuer, Die ZEIT)

»Eine Entzauberung der Finanzwirtschaft. Der erste Schritt heraus aus der Abhängigkeit ist die Einsicht in das Illusionäre der gesamten Veranstaltung. Joseph Vogl hat ihn getan.« (Thomas Steinfeld, Süddeutsche Zeitung)

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Joseph Vogl (*1957) ist Inhaber des Lehrstuhls für Neuere deutsche Literatur: Literatur- und Kulturwissenschaft/Medien an der Humboldt-Universität zu Berlin und Permanent Visiting Professor an der Princeton University, USA. Er lehrte u.a. an der Bauhaus Universität in Weimar und der Ludwig-Maximilians-Universität in München und hat zahlreiche Monographien und Artikel veröffentlicht. Für seine Übersetzungen von Schlüsselwerken der neueren französischen Philosophie (darunter Gilles Deleuze: Differenz und Wiederholung, J.-F. Lyotard: Der Widerstreit) erhielt er 1988 den Übersetzerpreis zur Förderung der deutsch-französischen Beziehungen.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Jürgens "Bücher" TOP 50 REZENSENT
Format:Broschiert
Der Autor geht zunächst auf die kuriose Geschichte in dem Buch SZ-Bibliothek Metropolen Band 1: Cosmopolis ein. Der Leser erfährt danach, dass der Name des Spekulanten von dem römischen Wachposten kommt, der nach Gefahren und Missgeschicken Ausschau hielt (speculari).
Der Autor verfolgt dann die Geschichte des Geldes und der Finanzen in den letzten vierhundert Jahren und läßt dabei auch Gedanken von Marx, Kant, Dantes Hölle, Platon und Aristoteles einfließen.
Kritisch betrachtet er die heutigen Finanzgeschäfte:"Die Akteure des Kapitals operieren nicht mit bekannten Qualitäten, sondern versuchen, eine kontingente Zukunft danach zu bewerten, wie der Markt sie selbst gegenwärtig bewertet. Dies macht scheinbar verlässliche Größen wie Angebot und Nachfrage- und deren stabilisierende Kraft- nicht nur unkenntlich, sondern unerkennbar."(S.153)
So entstehen Preise, die sich allein über die Erwartung künftiger Preise konstituieren. "Sie repräsentieren keine zugrunde liegenden "Fundamentalien", sondern zirkulieren als höchst wirksame Wertgespenster."(S.157)
Da das ausgeglichene Spiel von Angebot und Nachfrage verkehrt wurde, entstehen Blasen, runs, bust und booms, aber auch Finanzpanik oder euphorischen Eskalationen, gefördert u.a. vom Massenwahn, Herdenverhalten und blinden Nachahmungstrieben.
Ferner zeigt er, dass Emotionen, dilettantisches Tun, Spielerverhalten, Gier und schlicht mangelnde Vernunft oft die Auslöser von großen Einbrüchen an den Finanzmärkten waren. Für ihn ist dann der Markt weder effizient noch rational, sondern schlicht ahnungslos.
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83 von 95 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles harmonisch, oder was? 26. Januar 2011
Format:Broschiert|Verifizierter Kauf
Vogl beleuchtet die Wirtschaftstheorie auf eine Weise, wie es lange nicht mehr geschehen ist. Er kann es, weil er sich eine Literaturkenntnis erworben hat, die in dieser Breite bei den meisten Vertretern des Faches leider längst fehlt. Aus verständig ausgewählten Werken der Wirtschaftstheoriegeschichte destilliert er ein knapp 200 Seiten messendes Konzentrat, das es in sich hat. Die Theorieentwicklung wird darin als Versuch der Auflösung eines immer wieder aufkommenden widersprüchlichen Eindrucks dargestellt. Die Theorie der Wirtschaft handelt einerseits von der Wohlfahrt sichernden Warenproduktion und wunderschönen und leicht verstehbaren Harmonien; die erlebbare Wirtschaft durchläuft dagegen auch immer wieder wenig harmonisch wirkende, offenbar schwer zu erklärende Perioden der Stagnation oder gar des wirtschaftlichen Niedergangs. Aristoteles sah dies als Folge davon, dass die Wirtschaft nicht mehr nur auf die im Gleichgewicht zu erzeugende Gütermenge zur Befriedigung des natürlichen Bedarfs der Polis gerichtet war. Darüber hinaus wurde für den auf Gelderwerb gerichteten Handel produziert. So wie die Befriedigung des Bedarfs endlich war, hatte das Streben nach Geld kein Harmonie sicherndes Maß und keine Grenze. Im Zeitalter der ökonomischen Klassiker glaubte man, den Widerspruch durch Harmonie störende externe Ereignisse gedanklich überbrücken zu können. Heute sind zur Schließung der Lücke zwischen dem Denken und dem Wahrnehmen von Wirtschaft sublimere Ideen üblich, aber eben keineswegs überflüssig. Lesen Sie weiter... ›
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Gespenst des Kapitals geht um ... 20. November 2012
Von Xaquaira
Format:Broschiert|Verifizierter Kauf
Fast schon episch beginnt das erste Kapitel, in dem Vogl beschreibt, wie unmöglich es den Wirtschaftsweisen erscheint, dass der Kapitalismus kein Selbstläuferprinzip ist. Eben so, wie sich Jahrhunderte lang die Menschen nicht vorstellen konnten, dass es schwarze Schwäne gibt – bis diese dann entdeckt wurden. Heute, da es evident ist, dass sich die freie Marktwirtschaft selbst reguliert, wehren sich so genannte Experten aber immer noch dagegen, diese Tatsache einzusehen. Deshalb erklärt Vogl in seinem Buch sehr ausführlich, welche Gründe dafür sprechen, dass das kapitalistische System an sich selbst zugrunde gehen muss. Er erläutert den Mythos von der unsichtbaren Hand des Marktes, der heute noch propagiert wird. Schritt für Schritt erfährt der Leser, welche Schwierigkeiten der Glaube an diesen Mythos aufgeworfen hat. Dabei lässt Vogl keinen Zweifel daran, wie dubios ihm diese Mär erscheint. Des Weiteren befasst sich der Autor eingehend mit dem Problem des Geldes. Ein Hauptkritikpunkt dabei ist, dass Banknoten zugleich als Zahlungsmittel und Schuldscheine gebraucht werden. So wird das Finanzsystem zu einem System des Versprechens. Diese Versprechen können allerdings nie eingehalten werden, das verhindert das Prinzip der Geldschöpfung. Nicht existentes Geld, das durch die Erhebung von Zinsen entsteht, soll in der Zukunft zurückgezahlt werden, so versprichst es die Banknote als Schuldschein. Allein unser Glaube daran erhält das System aufrecht, würde jeder sofort das ihm zustehende Geld einfordern, würde das gesamte kapitalistische Prinzip sofort in sich selbst zusammenstürzen.
Gegenwärtiges Handeln zerstört Zukunft – so lautet die Prognose von Joseph Vogl.
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1.0 von 5 Sternen Unerhörte Ereignishaftigkeit - ein Ökonomieessay als...
"Und das ist der opake und wilde Überraschungsraum, in den sich unsere Gesellschaften hineinfinanziert haben". "Das" meint dabei eine vorhergehend als dernier cri bzw. Lesen Sie weiter...
Vor 6 Monaten von Rubesco veröffentlicht
3.0 von 5 Sternen Lesenswert und ärgerlich
Zunächst einmal: Joseph Vogl ist kein Ökonom.
Er hat sich weder mit betriebswirtschaftlichen noch mit volkswirtschaftlichen Fragen wissenschaftlich befasst, hat... Lesen Sie weiter...
Vor 21 Monaten von MengKi veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Die Rückkehr der Gorgonen
"Verfügbares Kapital ist nicht mehr von reinem Spuk unterscheidbar", Fazit: "Das Gespenst des Kapitals kommt stets aus der Zukunft zurück" Chapeau, Herr Vogl! Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 16. August 2012 von Holger Voss
1.0 von 5 Sternen Ob Sonnenschein, ob Sterngefunkel:im Tunnel bleibt es immer dunkel
Ich musste dieses Buch im Zuge meiner Bachelorarbeit lesen und wiedergeben und verstehe nicht, wie sich jemand dieses "Werk" freiwillig zu Gemüte führen kann... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 19. Mai 2012 von markus.L.
5.0 von 5 Sternen Erhellend und empfehlenswert
Trotz des Hypes um Joseph Vogls Buch handelt es sich keineswegs um 'leichte Kost'. Sehr detailliert wird die Geschichte des ökonomischen Diskurses des 18. und 20. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 27. April 2012 von Blowup82
5.0 von 5 Sternen Ein Erlebnis
Das Buch (gebraucht) ist in einem Zustand wie neu. Das Lesen ist ein Erlebnis. Die Folge ist eine Weiterempfehlung an viele Freunde und Bekannte.
Veröffentlicht am 14. Januar 2012 von Prof. Dr. Wilkening
1.0 von 5 Sternen Habe nach ca. 50 Seiten aufgehört weiterzulesen ...
da das Buch hauptsächlich aus solchen Satzkonstruktionen besteht:

Hier geht es um den Bestand von »plausible [n] Wirklichkeiten«, die »verfolgt und analysiert... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 8. Januar 2012 von dany_c
1.0 von 5 Sternen Germanisch-frankophone Schwurbelschreibe
Das Ganz erinnert stark an die Versuche von Adorno zur Musik. Und über die heißt es bekanntlich: Da, wo Adorno richtig liegt, ist er oberflächlich. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 30. Dezember 2011 von Ceebulon
3.0 von 5 Sternen Übersetzung erwünscht
Sehr geehrter Herr Vogel,
ich sah neulich eine verwunderte Reaktion Ihrerseits im Fernsehen über den Erfolg Ihres Buchs. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 25. November 2011 von Noffhoff
5.0 von 5 Sternen Sollte man mindestens zweimal lesen!
Joseph Vogl schafft es, obwohl kein ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet der Finanzwissenschaften, einen präzisen Überblick darüber zu geben, was die Finanzwelt... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 14. November 2011 von Klaus Karolus
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