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Eines Tages wird sie jedoch von ihrer Vergangenheit eingeholt: In einem Stapel zu korrigierender Tests stößt sie auf Tagebuchseiten, die sie vor Jahrzehnten selbst geschrieben hat. Schlagartig kehrt die Erinnerung an alte Tragödien zurück. Während ihrer Schulzeit waren ihre drei besten Freunde im See ertrunken, und alle Hinweise deuteten auf Selbstmord. Jetzt scheinen die Ereignisse sich zu wiederholen, und Jane setzt alles daran, die Hintergründe der damaligen und gegenwärtigen Todesfälle aufzuklären.
The Lake of Dead Languages -- "Der See der toten Sprachen" -- heißt der Roman im Original, und es wird wohl immer ein Rätsel bleiben, warum sich der deutsche Verlag für einen deutlich platteren Titel entschieden hat. Denn die beiden zentralen Kristallisationspunkte in Jane Hudsons Leben sind der geheimnisvolle See, an dem sich das Heart-Lake-Internat befindet, und ihr Unterrichtsfach Latein. In wunderschönen Passagen beschwört Carol Goodman die Landschaft um den See und die Atmosphäre in der Schule vor unserem inneren Auge herauf. Auch der Perspektivenwechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit gelingt ihr vorzüglich. Der eine Handlungsstrang trägt zur Erhellung des anderen bei, und das gekonnte Zusammenspiel beider erhöht die Spannung sogar noch.
An manchen Stellen ist die Motivation der Figuren allerdings nicht ganz überzeugend, beispielsweise wenn der Vater von Janes Tochter etwas unvermittelt auftaucht, um das Kind zu sich zu nehmen, ohne dass Jane sich dem besonders widersetzt. Insgesamt sind die Vergleiche mit Donna Tartts Die geheime Geschichte, die sich allenthalben in der Presse finden, jedoch durchaus gerechtfertigt -- von Carol Goodman ist noch einiges zu erwarten. --Felix Darwin -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Im Original heißt der bemerkenswerte Erstling von Carol Goodman "Der See der toten Sprachen", warum dieser passende Titel nicht im Deutschen übernommen wurde, bleibt Geheimnis. Die Autorin hat einen Abschluß in Latein, somit ist es nicht verwunderlich, daß ihre Hauptfigur ebenfalls Lateinlehrerin ist. Als ein sogenanntes Old Girl, eine Ehemalige, kehrt Jane Hudson zurück an ihre alte Internatsschule Heart Lake, benannt nach dem naheliegenden Heart Lake, um den sich allerlei düstere Legenden ranken. Im Gepäck hat "Domina" Hudson nicht nur ihre kleine Tochter Olivia, sondern auch jede Menge dunkle Erinnerungen an ihr letztes Schuljahr vor 20 Jahren. Damals stürzte ihre Zimmernachbarin Deidre von den Klippen in den Tod und wenig später ertranken ihre beiden besten Freunde Lucy und deren Bruder Matt im einer kalten Winternacht im eisigen Wasser des Sees. Damals verschwand auch Janes Tagebuch, dem sie Geheimnisse anvertraute, die bis heute unentdeckt blieben - zumindest denkt June das, bis sie zwischen ihren Papieren eine ausgerissene Seite ihres alten Tagebuchs entdeckt. Und plötzlich scheinen die furchtbaren Ereignisse von damals sich zu wiederholen ...
In wunderbaren Bildern beschreibt die Autorin die Ereignisse, wobei parallel die Vergangenheit und die Gegenwart geschildert wird. Stilistisch bewegt Carol Goodman sich dabei auf sehr hohem Niveau, ohne trocken oder abgehoben zu sein. Besonders hat mir die geschickte Einbindung der lateinischen Sprache in die Geschichte und die Auflösung gefallen.
Fazit: Ein intelligentes, super spannendes und wunderschön geschriebenes Buch.
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