Ein Wissenschaftler der bei einem Unfall sehr schwer entstellt wird, bastelt sich eine Maske von realistischem Aussehen und versucht damit sich wieder in die Gesellschaft, der er sich entfremdet fühlt, zu integrieren und seine Frau, die sich von ihm abzuwenden scheint, neu zu verführen. Das ist eigentlich schon der Kern dieses Romans und ich möchte fast sagen, dass diese Information schon ausreicht, man muss das Buch nicht wirklich lesen. Für mich war die Hauptfigur fast durchweg unverständlich. Der Mann hat das Glück sich selbst eine Maske hestellen zu können (die Beschreibung dieser Entstehung ging aber auch etwas zu lang), aber anstatt, dass er sich freut (den meisten Leuten dürfte dieses Fähigkeit nicht gegeben sein) verläuft er sich in Selbstanalysen und pseudo-philosophischen Gedanken über die Gesellschaft und die Wichtigkeit von Gesichtern. Oft wird dies sehr schnell langweilig. Bei den ersten Erprobungen der Maske meidet er hell erleuchtete Gassen und flüchtet in Kinos als täte er etwas Verbotenes. Dabei darf man ja, wie bereits erwähnt, nicht vergessen das die Maske durchaus realistisch wirkt und er somit keine Angst vor den Menschen zu haben braucht. Alles andere als nachvollziehbar. Auch die Tatsache das er in einem Spielwarenladen (!) eine echte Pistole so ganz nebenbei und eigentlich ungewollt ersteht, hat mir doch den einen oder anderen verwunderten Gesichtsausdruck beschert. Und überhaupt, dass der Mann wirklich denkt seine Frau würde ihn nicht erkennen grenzt ja fast schon an völliger geistiger Umnachtung. Sicher hat ein Mensch mit Behinderung es nie leicht, aber seine nächsten Bekannten dürfte er schon etwas mehr zu trauen.
Auch die Sprache gefällt mir hier nicht so gut wie in Abes "Frau in den Dünen", denn hier wird fast nur mit metaphorischen Vergleichen gearbeitet. Andere Leser mögen hier vielleicht von einer "bildreichen Sprache" sprechen und dies toll finde. Ich denke aber, wenn fast jede seelische Regung und jeder körperliche Zu- und Gegenstand metaphorisch bearbeitet wird ist es irgendwann dann doch zuviel des Guten.
Faireweise muss man wohl, dass das Buch mittlerweile bereits über 40 Jahre auf dem Buckel hat. Damals mag dieses Werk wohl noch etwas ganz Großes gewesen sein, aber heutzutage, wo Schönheits-OPs (auch ohne medizinische Notwendigkeit) fast schon Mode sind und man sich auch nicht mehr über Tätowierungen wundert (wie in diesem Buch geschehen), da hat "Das Gesicht des Anderen" wohl kaum eine Überlebenschance.