Mit der grossen Hungersnot (zwischen 1845 und 1852) in Irland steigt der Leser gleich wuchtig und hart ein in die Geschichte im Jahr 1846 und ins Leben der Hauptfigur, dem 15jährigen Fergus O'Brien. Diese Hungersnot führte zum Tod von ca. einer Million Iren und eine andere Million von ihnen emigrierte, vor allem ins "Land der ungeahnten Möglichkeiten" oder doch eher ins "Land der grossen Hoffnungen", nämlich nach Nordamerika, entweder nach Kanada oder in die USA.
Doch der Reihe nach: Peter Behrens beschreibt die Ursache und die Auswirkung der Hungersnot in Irland packend und drastisch. Das Elend und Grauen des langsamen Dahinsiechens bis zum Tod durch Verhungern ganzer Familien, und das damit einhergehende Veröden ganzer Landstriche, wird dem Leser ebensowenig erspart wie die Bilder derjenigen, die nicht gewillt sind, kampflos aufzugeben und was zu tun sie bereit sind, um zu überleben. Thomas Hobbes Ausspruch vom "Krieg aller gegen alle, wo der Mensch des Menschen Wolf ist" habe ich schon lange nicht mehr so plastisch vor Augen geführt bekommen wie in diesem Buch.
Fergus O'Brien steht stellvertretend für 10000e von Iren, die alles daran gesetzt haben, um dieser Misere zu entgehen. Wir begleiten ihn auf einer Odysee ohnegleichen und tauchen ein in eine Welt, in der die Hoffnung für viele nur noch darin besteht, auszuwandern und ihr Glück, bzw. ihr Überleben in einer unbekannten, fernen Welt zu suchen. Dass Behrens sich in seinem Roman der Iren angenommen hat, mag auch darin begründet sein, dass die Iren als erste Einwanderer in Amerika nicht mehr als Siedler, sondern, sehr ausgrenzend und abwertend, als "Immigranten" empfangen wurden.
Mit dem "Gesetz der Träume" schuf Peter Behrens einen fesselnden Unterhaltungsroman, der über sämtliche Ingredienzien verfügt, die einen historischen Roman geniessbar machen: Spannung, großartige Kulissen, Leidenschaft, Drama und Glaubwürdigkeit der handelnden Figuren. Schnell zeigt sich auch, dass der jugendliche Held wider Willen eigentlich nicht auf dem Weg in eine bessere, verheißungsvolle Welt ist, sondern ständig auf der Flucht vor einer schrecklichen Gegenwart. Mit Fergus zu erleben, wie er seine Familie verliert, wie er Teil einer irischen Kinderbande wird, wie er in einem Liverpooler Bordell und danach beim beim Eisenbahnbau landet, oder was er auf der Überfahrt nach Amerika erlebt, ist spannend und berührend geschrieben.
Behrens gelingt es glaubhaft, in seinem Roman die Problematik von Armut, Unterdrückung und Vertreibung zu thematisieren. Träume haben in diesem Elend einen besonders hohen Wert (und sind öfters das Einzige, was die Protagonisten noch besitzen), denn durch Träume können auch Seelen, die sich schon beinahe aufgegeben haben, an ein Ziel kommen.
Und trotzdem kriegt das Buch nicht die volle Punktzahl von mir. Die Geschichte ist wirklich spannend und hangelt sich von einem Cliffhanger zum nächsten. Ich finde jedoch, ein bisschen mehr psychologischer Tiefgang wäre durchaus angebracht gewesen. So kommt das Buch dann doch eher wie die Vorlage für einen abendfüllenden Spielfilm daher. Und das erklärt sich wohl auch dadurch, dass Herr Behrens seinen Lebensunterhalt bisher mit dem Schreiben von Drehbüchern für Hollywood verdiente.