Pressestimmen
"Sigmund schreibt flott, ohne Häme, ohne moralische Empörung über die Banalität des Bösen und vor allem ohne wissenschaftliche Gespenster." (Die Weltwoche )
Kurzbeschreibung
Ein Standardwerk zu Lust und Laster im Dritten Reich
Das Sexualleben der Deutschen war während der NS-Herrschaft keinesfalls Privatangelegenheit. »Das Geschlechtsleben bestimmen wir!«, verkündete Hitler. Verhütungsmittel waren verboten, Frühehen erwünscht und Abtreibungen standen unter Todesstrafe. Doch Hitlers Plan, einen Homo germanicus heranzuzüchten, scheiterte.
Das Sexualleben der Deutschen war während der NS-Herrschaft keinesfalls Privatangelegenheit. »Das Geschlechtsleben bestimmen wir!«, verkündete Hitler. Verhütungsmittel waren verboten, Frühehen erwünscht und Abtreibungen standen unter Todesstrafe. Doch Hitlers Plan, einen Homo germanicus heranzuzüchten, scheiterte.
Klappentext
"Sigmund schreibt flott, ohne Häme, ohne moralische Empörung über die Banalität des Bösen und vor allem ohne wissenschaftliche Gespenster." Die Weltwoche
Über den Autor
Dr. phil. Anna Maria Sigmund studierte Geschichte und Kunstgeschichte in Wien. Sie ist Mitglied des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Neben wissenschaftlichen Publikationen veröffentlichte sie auch geschichtliche Werke für ein breites Publikum. Ihre Bücher „Die Frauen der Nazis“, „Die Frauen der Nazis II“ und „Die Frauen der Nazis III“ wurden zu internationalen Bestsellern. Zuletzt erschien von ihr bei Heyne „Des Führers bester Freund“.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
"Wie sind wir zu diesem Zusammenbruch auf geschlechtlichem Gebiet gekommen, wie wir ihn heute haben?", klagte der Reichsführer SS, Heinrich Himmler. "Mir ist absolut klar, daß das deutsche Volk sexuell absolut in Unordnung ist. Wenn ein Volk in seinen allernatürlichsten Lebensgesetzen nicht in Ordnung ist, so ist das für das Ganze Dynamit."
Bei ihrem Machtantritt fanden die Nationalsozialisten nicht das gewünschte deutsche Volk vor. Die 1933 durchgeführte große Bestandsaufnahme in Form einer Volkszählung bestätigte ihre schlimmsten Befürchtungen, daher gingen sie - gestützt auf Ideen der Eugenik, die alle aus dem 19. Jahrhundert stammten - zielstrebig ans Werk.
Wie Phönix aus der Asche sollte nach dem Willen der NS-Machthaber eine neue deutsche Gemeinschaft entstehen: reinrassig arisch, schön, gesund, arbeitsam, "Führer"-treu und kinderreich - der ideale, sich rasch vermehrende "Homo Germanicus" des idealen 1000-jährigen Reichs. Zur Erreichung dieses utopischen Züchtungsziels hatte die Sexualität dem Volkswohl zu dienen, sie durfte nicht länger Privatangelegenheit bleiben. Aus diesem Grund widmete die NS-Führung dem Liebesleben der Deutschen größte Aufmerksamkeit. Stellte doch die Fortpflanzung nach den Kriterien der NS-Ideologie den Grundpfeiler dar, auf dem das Fundament des Staates ruhen würde. Der "Führer" formulierte es unverblümt: "Das Geschlechtsleben bestimmen wir!" Der in der Geschichte Europas einzigartige Angriff auf die Intimsphäre der Menschen ließ nicht mehr lange auf sich warten. Das ambitionierte Vorhaben besaß Priorität, denn es stand, wie Heinrich Himmler meinte, sehr schlecht um Moral und Sitten der Volksgenossen.
Der Plan sah die Kontrolle der Sexualität der Deutschen aus rassepolitischen Motiven, zur Schaffung eines homogenen, nordischen und fruchtbaren Volkskörpers vor. Dies erforderte strenge Regeln für die Partnerwahl, das Zusammenleben der Geschlechter und ihre Anpassung an die neue nationalsozialistische Staats- und Kulturordnung. Ein "Fortpflanzungs"-Gesetz sollte lauten: "Wer öffentlich den Willen des deutschen Volkes zur Fruchtbarkeit lähmt oder zersetzt, wird mit Gefängnis bestraft."
Die Revolution des Sexuallebens umfasste ein weites Spektrum: Keuschheit und Jungfräulichkeit spielten keine Rolle mehr. Heterogene Beziehungen wurden liberalisiert. Das Monopol der Ehe sollte aufgebrochen und durch andere Formen des Zusammenlebens ersetzt werden. Mehrehen, Nebenehen, Vielweiberei standen ebenso zur Diskussion wie die massive Förderung der Zeugung. Artfremde und Volksfeinde, vor allem Juden und Homosexuelle sowie "Lebensunwerte", galt es gnadenlos "auszumerzen". Uneheliche Kinder - ein jahrhundertealtes Tabu - verloren ihren Makel. "Das öffentliche Leben muß von dem erstickenden Parfum unserer modernen Erotik befreit werden, wie von jeder Prüderie", lautete der Befehl des "Führers". Abtreibung und Aufklärung waren - jedoch nur den Ariern - streng verboten. Der neue Sittenkodex für den neuen deutschen Menschen richtete sich gegen die "Seelen verachtende Überschätzung des Trieblebens" und forderte den "Adel der menschlichen Seele". Nebenresultate, wie soziale Harmonie und die Beseitigung aller Klassenkonflikte, sollten sich für die Auserwählten von selbst einstellen.
Die von einem funktionstüchtigen Verwaltungsapparat unterstützte NS-Maschinerie zur Schaffung eines "sauberen" Reichs mit hoher Geburtenrate lief an. Massive, raffinierte, teils offene, teils versteckte Propaganda animierte die Deutschen arischer Abstammung mittels mannigfacher Anreize im Sinne "positiver Eugenik" zur Intensivierung ihres Geschlechtslebens und vermittelte die Ziele der Sexualpolitik: Vier-Kinder-Ehen, Frauen zurück an den Herd, keine weibliche Berufstätigkeit.
Es waren griffige Slogans, an denen das Dritte Reich bis heute gemessen wird.
Doch welcher Erfolg war der ambitionierten Totalreform des Sexuallebens tatsächlich beschieden? Wieweit konnten die Nationalsozialisten ihre Vorstellungen verwirklichen? Wie verhielten sich Theorie, Postulate und Praxis? Und wieweit gehorchten die Deutschen ihrem "Führer" auf einem Gebiet, wo der nackte Terror versagte?
Bereits 1933 ordnete Hitler, wie er es schon in "Mein Kampf" angekündigt hatte, die Schließung aller Bordelle an. Dann rief er zum "Kleinkrieg" gegen Präservative auf. Er fügte sich damit selbst seine erste Niederlage zu, denn wenig später wich er dem Zwang der Realität. Schließlich genehmigte der "Führer" - gegen seine persönliche Überzeugung - die Schaffung eines flächendeckenden Netzes von Freudenhäusern. Der NS-Staat wurde zum größten Bordellbetreiber Europas. Während des Krieges fiel das Verbot von Verhütungsmitteln. Auch die Bevölkerungspolitik scheiterte. Die Deutschen vermehrten sich nicht in dem gewünschten Ausmaß, die Vier-Kinder-Ehe blieb Utopie - vor den Schlafzimmern endete die Macht der Nationalsozialisten. Die verbotenen Abtreibungen gingen nicht zurück. Trotz aller Förderung wurden nicht mehr uneheliche Kinder geboren als in der Weimarer Republik.
Der Trend zur weiblichen Berufstätigkeit setzte sich ungebrochen fort und ließ sich nicht stoppen - die Frauen kehrten nicht mehr an den Herd zurück. Die Zahl arbeitender Frauen nahm während des "Dritten Reichs" nicht ab, sondern zu.
Die große Revolution im Zusammenleben der Geschlechter fand nicht statt und der NS-Staat stieß sehr bald an die Grenzen seiner Macht. Obwohl man im Sinne der "negativen Eugenik" die "Ausmerze" von "Volksschädlingen" aller Art fanatisch betrieb, traten bei der "Reinhaltung der Rasse" immer neue Probleme auf, die immer drakonischere Maßnahmen forderten: gegen Fremdarbeiter und deutsche Frauen, die "Blutschande" betrieben, gegen "artvergessene" Mädchen, die mit Juden verkehrten, gegen die "Bastarde vom Rhein", gegen verwahrloste Jugendliche.
Den sogenannten "Rheinlandbastarden", den Nachkommen farbiger Besatzer aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, bereiteten die Nationalsozialisten ein grausames Schicksal. Ihre Sterilisierung ging - wie jüngst entdeckte Dokumente beweisen - auf Adolf Hitler persönlich zurück.
Der notorische Kompetenzendschungel der NS-Diktatur verhinderte im Kampf um die Rassen- und Sexualpolitik die Erstellung klarer Konzepte. Es blieb bei martialischen Gesetzen, vielen Widersprüchen und der Hoffnung auf günstigere Gelegenheit. So kam das "Fortpflanzungs"-Gesetz nicht über erste Entwürfe hinaus - man vertagte es auf die Zeit nach dem Endsieg.
Auch zehn Millionen penibel angelegte "Erbkarteien" mit "negativen, belastenden Daten der Deutschen" warteten vergeblich auf ihre Auswertung. Sitte und Moral wurde zwar oft zitiert, aber nie definiert.
In dem Chaos der Sexualreform ergriffen viele NS-Bonzen die Initiative, um ihre eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Julius Streicher kämpfte mit seinem pornografischen Hetzblatt Der Stürmer gegen Rassenschande mit Juden sowie jüdische Sexualtäter. Heinrich Himmler schuf den "Lebensborn" für "Mütter guten Blutes". Das SS-Blatt Das Schwarze Korps definierte die "reine, germanische" Aktmalerei und schrieb gegen undeutsche Prüderie.
Hinter den Kulissen herrschte ein NS-Sündenbabel mit Doppel- und Dreifachmoral. Mit Wissen und Billigung Hitlers lebten die Bonzen ihre oft exzessiven Sexualvorstellungen aus - die von moralischen Floskeln starrenden "Führer"-Reden galten nur dem Volk.
Bei ihrem Machtantritt fanden die Nationalsozialisten nicht das gewünschte deutsche Volk vor. Die 1933 durchgeführte große Bestandsaufnahme in Form einer Volkszählung bestätigte ihre schlimmsten Befürchtungen, daher gingen sie - gestützt auf Ideen der Eugenik, die alle aus dem 19. Jahrhundert stammten - zielstrebig ans Werk.
Wie Phönix aus der Asche sollte nach dem Willen der NS-Machthaber eine neue deutsche Gemeinschaft entstehen: reinrassig arisch, schön, gesund, arbeitsam, "Führer"-treu und kinderreich - der ideale, sich rasch vermehrende "Homo Germanicus" des idealen 1000-jährigen Reichs. Zur Erreichung dieses utopischen Züchtungsziels hatte die Sexualität dem Volkswohl zu dienen, sie durfte nicht länger Privatangelegenheit bleiben. Aus diesem Grund widmete die NS-Führung dem Liebesleben der Deutschen größte Aufmerksamkeit. Stellte doch die Fortpflanzung nach den Kriterien der NS-Ideologie den Grundpfeiler dar, auf dem das Fundament des Staates ruhen würde. Der "Führer" formulierte es unverblümt: "Das Geschlechtsleben bestimmen wir!" Der in der Geschichte Europas einzigartige Angriff auf die Intimsphäre der Menschen ließ nicht mehr lange auf sich warten. Das ambitionierte Vorhaben besaß Priorität, denn es stand, wie Heinrich Himmler meinte, sehr schlecht um Moral und Sitten der Volksgenossen.
Der Plan sah die Kontrolle der Sexualität der Deutschen aus rassepolitischen Motiven, zur Schaffung eines homogenen, nordischen und fruchtbaren Volkskörpers vor. Dies erforderte strenge Regeln für die Partnerwahl, das Zusammenleben der Geschlechter und ihre Anpassung an die neue nationalsozialistische Staats- und Kulturordnung. Ein "Fortpflanzungs"-Gesetz sollte lauten: "Wer öffentlich den Willen des deutschen Volkes zur Fruchtbarkeit lähmt oder zersetzt, wird mit Gefängnis bestraft."
Die Revolution des Sexuallebens umfasste ein weites Spektrum: Keuschheit und Jungfräulichkeit spielten keine Rolle mehr. Heterogene Beziehungen wurden liberalisiert. Das Monopol der Ehe sollte aufgebrochen und durch andere Formen des Zusammenlebens ersetzt werden. Mehrehen, Nebenehen, Vielweiberei standen ebenso zur Diskussion wie die massive Förderung der Zeugung. Artfremde und Volksfeinde, vor allem Juden und Homosexuelle sowie "Lebensunwerte", galt es gnadenlos "auszumerzen". Uneheliche Kinder - ein jahrhundertealtes Tabu - verloren ihren Makel. "Das öffentliche Leben muß von dem erstickenden Parfum unserer modernen Erotik befreit werden, wie von jeder Prüderie", lautete der Befehl des "Führers". Abtreibung und Aufklärung waren - jedoch nur den Ariern - streng verboten. Der neue Sittenkodex für den neuen deutschen Menschen richtete sich gegen die "Seelen verachtende Überschätzung des Trieblebens" und forderte den "Adel der menschlichen Seele". Nebenresultate, wie soziale Harmonie und die Beseitigung aller Klassenkonflikte, sollten sich für die Auserwählten von selbst einstellen.
Die von einem funktionstüchtigen Verwaltungsapparat unterstützte NS-Maschinerie zur Schaffung eines "sauberen" Reichs mit hoher Geburtenrate lief an. Massive, raffinierte, teils offene, teils versteckte Propaganda animierte die Deutschen arischer Abstammung mittels mannigfacher Anreize im Sinne "positiver Eugenik" zur Intensivierung ihres Geschlechtslebens und vermittelte die Ziele der Sexualpolitik: Vier-Kinder-Ehen, Frauen zurück an den Herd, keine weibliche Berufstätigkeit.
Es waren griffige Slogans, an denen das Dritte Reich bis heute gemessen wird.
Doch welcher Erfolg war der ambitionierten Totalreform des Sexuallebens tatsächlich beschieden? Wieweit konnten die Nationalsozialisten ihre Vorstellungen verwirklichen? Wie verhielten sich Theorie, Postulate und Praxis? Und wieweit gehorchten die Deutschen ihrem "Führer" auf einem Gebiet, wo der nackte Terror versagte?
Bereits 1933 ordnete Hitler, wie er es schon in "Mein Kampf" angekündigt hatte, die Schließung aller Bordelle an. Dann rief er zum "Kleinkrieg" gegen Präservative auf. Er fügte sich damit selbst seine erste Niederlage zu, denn wenig später wich er dem Zwang der Realität. Schließlich genehmigte der "Führer" - gegen seine persönliche Überzeugung - die Schaffung eines flächendeckenden Netzes von Freudenhäusern. Der NS-Staat wurde zum größten Bordellbetreiber Europas. Während des Krieges fiel das Verbot von Verhütungsmitteln. Auch die Bevölkerungspolitik scheiterte. Die Deutschen vermehrten sich nicht in dem gewünschten Ausmaß, die Vier-Kinder-Ehe blieb Utopie - vor den Schlafzimmern endete die Macht der Nationalsozialisten. Die verbotenen Abtreibungen gingen nicht zurück. Trotz aller Förderung wurden nicht mehr uneheliche Kinder geboren als in der Weimarer Republik.
Der Trend zur weiblichen Berufstätigkeit setzte sich ungebrochen fort und ließ sich nicht stoppen - die Frauen kehrten nicht mehr an den Herd zurück. Die Zahl arbeitender Frauen nahm während des "Dritten Reichs" nicht ab, sondern zu.
Die große Revolution im Zusammenleben der Geschlechter fand nicht statt und der NS-Staat stieß sehr bald an die Grenzen seiner Macht. Obwohl man im Sinne der "negativen Eugenik" die "Ausmerze" von "Volksschädlingen" aller Art fanatisch betrieb, traten bei der "Reinhaltung der Rasse" immer neue Probleme auf, die immer drakonischere Maßnahmen forderten: gegen Fremdarbeiter und deutsche Frauen, die "Blutschande" betrieben, gegen "artvergessene" Mädchen, die mit Juden verkehrten, gegen die "Bastarde vom Rhein", gegen verwahrloste Jugendliche.
Den sogenannten "Rheinlandbastarden", den Nachkommen farbiger Besatzer aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, bereiteten die Nationalsozialisten ein grausames Schicksal. Ihre Sterilisierung ging - wie jüngst entdeckte Dokumente beweisen - auf Adolf Hitler persönlich zurück.
Der notorische Kompetenzendschungel der NS-Diktatur verhinderte im Kampf um die Rassen- und Sexualpolitik die Erstellung klarer Konzepte. Es blieb bei martialischen Gesetzen, vielen Widersprüchen und der Hoffnung auf günstigere Gelegenheit. So kam das "Fortpflanzungs"-Gesetz nicht über erste Entwürfe hinaus - man vertagte es auf die Zeit nach dem Endsieg.
Auch zehn Millionen penibel angelegte "Erbkarteien" mit "negativen, belastenden Daten der Deutschen" warteten vergeblich auf ihre Auswertung. Sitte und Moral wurde zwar oft zitiert, aber nie definiert.
In dem Chaos der Sexualreform ergriffen viele NS-Bonzen die Initiative, um ihre eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Julius Streicher kämpfte mit seinem pornografischen Hetzblatt Der Stürmer gegen Rassenschande mit Juden sowie jüdische Sexualtäter. Heinrich Himmler schuf den "Lebensborn" für "Mütter guten Blutes". Das SS-Blatt Das Schwarze Korps definierte die "reine, germanische" Aktmalerei und schrieb gegen undeutsche Prüderie.
Hinter den Kulissen herrschte ein NS-Sündenbabel mit Doppel- und Dreifachmoral. Mit Wissen und Billigung Hitlers lebten die Bonzen ihre oft exzessiven Sexualvorstellungen aus - die von moralischen Floskeln starrenden "Führer"-Reden galten nur dem Volk.
Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
"Wie sind wir zu diesem Zusammenbruch auf geschlechtlichem Gebiet gekommen, wie wir ihn heute haben?", klagte der Reichsführer SS, Heinrich Himmler. "Mir ist absolut klar, daß das deutsche Volk sexuell absolut in Unordnung ist. Wenn ein Volk in seinen allernatürlichsten Lebensgesetzen nicht in Ordnung ist, so ist das für das Ganze Dynamit."
Bei ihrem Machtantritt fanden die Nationalsozialisten nicht das gewünschte deutsche Volk vor. Die 1933 durchgeführte große Bestandsaufnahme in Form einer Volkszählung bestätigte ihre schlimmsten Befürchtungen, daher gingen sie - gestützt auf Ideen der Eugenik, die alle aus dem 19. Jahrhundert stammten - zielstrebig ans Werk.
Wie Phönix aus der Asche sollte nach dem Willen der NS-Machthaber eine neue deutsche Gemeinschaft entstehen: reinrassig arisch, schön, gesund, arbeitsam, "Führer"-treu und kinderreich - der ideale, sich rasch vermehrende "Homo Germanicus" des idealen 1000-jährigen Reichs. Zur Erreichung dieses utopischen Züchtungsziels hatte die Sexualität dem Volkswohl zu dienen, sie durfte nicht länger Privatangelegenheit bleiben. Aus diesem Grund widmete die NS-Führung dem Liebesleben der Deutschen größte Aufmerksamkeit. Stellte doch die Fortpflanzung nach den Kriterien der NS-Ideologie den Grundpfeiler dar, auf dem das Fundament des Staates ruhen würde. Der "Führer" formulierte es unverblümt: "Das Geschlechtsleben bestimmen wir!" Der in der Geschichte Europas einzigartige Angriff auf die Intimsphäre der Menschen ließ nicht mehr lange auf sich warten. Das ambitionierte Vorhaben besaß Priorität, denn es stand, wie Heinrich Himmler meinte, sehr schlecht um Moral und Sitten der Volksgenossen.
Der Plan sah die Kontrolle der Sexualität der Deutschen aus rassepolitischen Motiven, zur Schaffung eines homogenen, nordischen und fruchtbaren Volkskörpers vor. Dies erforderte strenge Regeln für die Partnerwahl, das Zusammenleben der Geschlechter und ihre Anpassung an die neue nationalsozialistische Staats- und Kulturordnung. Ein "Fortpflanzungs"-Gesetz sollte lauten: "Wer öffentlich den Willen des deutschen Volkes zur Fruchtbarkeit lähmt oder zersetzt, wird mit Gefängnis bestraft."
Die Revolution des Sexuallebens umfasste ein weites Spektrum: Keuschheit und Jungfräulichkeit spielten keine Rolle mehr. Heterogene Beziehungen wurden liberalisiert. Das Monopol der Ehe sollte aufgebrochen und durch andere Formen des Zusammenlebens ersetzt werden. Mehrehen, Nebenehen, Vielweiberei standen ebenso zur Diskussion wie die massive Förderung der Zeugung. Artfremde und Volksfeinde, vor allem Juden und Homosexuelle sowie "Lebensunwerte", galt es gnadenlos "auszumerzen". Uneheliche Kinder - ein jahrhundertealtes Tabu - verloren ihren Makel. "Das öffentliche Leben muß von dem erstickenden Parfum unserer modernen Erotik befreit werden, wie von jeder Prüderie", lautete der Befehl des "Führers". Abtreibung und Aufklärung waren - jedoch nur den Ariern - streng verboten. Der neue Sittenkodex für den neuen deutschen Menschen richtete sich gegen die "Seelen verachtende Überschätzung des Trieblebens" und forderte den "Adel der menschlichen Seele". Nebenresultate, wie soziale Harmonie und die Beseitigung aller Klassenkonflikte, sollten sich für die Auserwählten von selbst einstellen.
Die von einem funktionstüchtigen Verwaltungsapparat unterstützte NS-Maschinerie zur Schaffung eines "sauberen" Reichs mit hoher Geburtenrate lief an. Massive, raffinierte, teils offene, teils versteckte Propaganda animierte die Deutschen arischer Abstammung mittels mannigfacher Anreize im Sinne "positiver Eugenik" zur Intensivierung ihres Geschlechtslebens und vermittelte die Ziele der Sexualpolitik: Vier-Kinder-Ehen, Frauen zurück an den Herd, keine weibliche Berufstätigkeit.
Es waren griffige Slogans, an denen das Dritte Reich bis heute gemessen wird.
Doch welcher Erfolg war der ambitionierten Totalreform des Sexuallebens tatsächlich beschieden? Wieweit konnten die Nationalsozialisten ihre Vorstellungen verwirklichen? Wie verhielten sich Theorie, Postulate und Praxis? Und wieweit gehorchten die Deutschen ihrem "Führer" auf einem Gebiet, wo der nackte Terror versagte?
Bereits 1933 ordnete Hitler, wie er es schon in "Mein Kampf" angekündigt hatte, die Schließung aller Bordelle an. Dann rief er zum "Kleinkrieg" gegen Präservative auf. Er fügte sich damit selbst seine erste Niederlage zu, denn wenig später wich er dem Zwang der Realität. Schließlich genehmigte der "Führer" - gegen seine persönliche Überzeugung - die Schaffung eines flächendeckenden Netzes von Freudenhäusern. Der NS-Staat wurde zum größten Bordellbetreiber Europas. Während des Krieges fiel das Verbot von Verhütungsmitteln. Auch die Bevölkerungspolitik scheiterte. Die Deutschen vermehrten sich nicht in dem gewünschten Ausmaß, die Vier-Kinder-Ehe blieb Utopie - vor den Schlafzimmern endete die Macht der Nationalsozialisten. Die verbotenen Abtreibungen gingen nicht zurück. Trotz aller Förderung wurden nicht mehr uneheliche Kinder geboren als in der Weimarer Republik.
Der Trend zur weiblichen Berufstätigkeit setzte sich ungebrochen fort und ließ sich nicht stoppen - die Frauen kehrten nicht mehr an den Herd zurück. Die Zahl arbeitender Frauen nahm während des "Dritten Reichs" nicht ab, sondern zu.
Die große Revolution im Zusammenleben der Geschlechter fand nicht statt und der NS-Staat stieß sehr bald an die Grenzen seiner Macht. Obwohl man im Sinne der "negativen Eugenik" die "Ausmerze" von "Volksschädlingen" aller Art fanatisch betrieb, traten bei der "Reinhaltung der Rasse" immer neue Probleme auf, die immer drakonischere Maßnahmen forderten: gegen Fremdarbeiter und deutsche Frauen, die "Blutschande" betrieben, gegen "artvergessene" Mädchen, die mit Juden verkehrten, gegen die "Bastarde vom Rhein", gegen verwahrloste Jugendliche.
Den sogenannten "Rheinlandbastarden", den Nachkommen farbiger Besatzer aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, bereiteten die Nationalsozialisten ein grausames Schicksal. Ihre Sterilisierung ging - wie jüngst entdeckte Dokumente beweisen - auf Adolf Hitler persönlich zurück.
Der notorische Kompetenzendschungel der NS-Diktatur verhinderte im Kampf um die Rassen- und Sexualpolitik die Erstellung klarer Konzepte. Es blieb bei martialischen Gesetzen, vielen Widersprüchen und der Hoffnung auf günstigere Gelegenheit. So kam das "Fortpflanzungs"-Gesetz nicht über erste Entwürfe hinaus - man vertagte es auf die Zeit nach dem Endsieg.
Auch zehn Millionen penibel angelegte "Erbkarteien" mit "negativen, belastenden Daten der Deutschen" warteten vergeblich auf ihre Auswertung. Sitte und Moral wurde zwar oft zitiert, aber nie definiert.
In dem Chaos der Sexualreform ergriffen viele NS-Bonzen die Initiative, um ihre eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Julius Streicher kämpfte mit seinem pornografischen Hetzblatt Der Stürmer gegen Rassenschande mit Juden sowie jüdische Sexualtäter. Heinrich Himmler schuf den "Lebensborn" für "Mütter guten Blutes". Das SS-Blatt Das Schwarze Korps definierte die "reine, germanische" Aktmalerei und schrieb gegen undeutsche Prüderie.
Hinter den Kulissen herrschte ein NS-Sündenbabel mit Doppel- und Dreifachmoral. Mit Wissen und Billigung Hitlers lebten die Bonzen ihre oft exzessiven Sexualvorstellungen aus - die von moralischen Floskeln starrenden "Führer"-Reden galten nur dem Volk.
Bei ihrem Machtantritt fanden die Nationalsozialisten nicht das gewünschte deutsche Volk vor. Die 1933 durchgeführte große Bestandsaufnahme in Form einer Volkszählung bestätigte ihre schlimmsten Befürchtungen, daher gingen sie - gestützt auf Ideen der Eugenik, die alle aus dem 19. Jahrhundert stammten - zielstrebig ans Werk.
Wie Phönix aus der Asche sollte nach dem Willen der NS-Machthaber eine neue deutsche Gemeinschaft entstehen: reinrassig arisch, schön, gesund, arbeitsam, "Führer"-treu und kinderreich - der ideale, sich rasch vermehrende "Homo Germanicus" des idealen 1000-jährigen Reichs. Zur Erreichung dieses utopischen Züchtungsziels hatte die Sexualität dem Volkswohl zu dienen, sie durfte nicht länger Privatangelegenheit bleiben. Aus diesem Grund widmete die NS-Führung dem Liebesleben der Deutschen größte Aufmerksamkeit. Stellte doch die Fortpflanzung nach den Kriterien der NS-Ideologie den Grundpfeiler dar, auf dem das Fundament des Staates ruhen würde. Der "Führer" formulierte es unverblümt: "Das Geschlechtsleben bestimmen wir!" Der in der Geschichte Europas einzigartige Angriff auf die Intimsphäre der Menschen ließ nicht mehr lange auf sich warten. Das ambitionierte Vorhaben besaß Priorität, denn es stand, wie Heinrich Himmler meinte, sehr schlecht um Moral und Sitten der Volksgenossen.
Der Plan sah die Kontrolle der Sexualität der Deutschen aus rassepolitischen Motiven, zur Schaffung eines homogenen, nordischen und fruchtbaren Volkskörpers vor. Dies erforderte strenge Regeln für die Partnerwahl, das Zusammenleben der Geschlechter und ihre Anpassung an die neue nationalsozialistische Staats- und Kulturordnung. Ein "Fortpflanzungs"-Gesetz sollte lauten: "Wer öffentlich den Willen des deutschen Volkes zur Fruchtbarkeit lähmt oder zersetzt, wird mit Gefängnis bestraft."
Die Revolution des Sexuallebens umfasste ein weites Spektrum: Keuschheit und Jungfräulichkeit spielten keine Rolle mehr. Heterogene Beziehungen wurden liberalisiert. Das Monopol der Ehe sollte aufgebrochen und durch andere Formen des Zusammenlebens ersetzt werden. Mehrehen, Nebenehen, Vielweiberei standen ebenso zur Diskussion wie die massive Förderung der Zeugung. Artfremde und Volksfeinde, vor allem Juden und Homosexuelle sowie "Lebensunwerte", galt es gnadenlos "auszumerzen". Uneheliche Kinder - ein jahrhundertealtes Tabu - verloren ihren Makel. "Das öffentliche Leben muß von dem erstickenden Parfum unserer modernen Erotik befreit werden, wie von jeder Prüderie", lautete der Befehl des "Führers". Abtreibung und Aufklärung waren - jedoch nur den Ariern - streng verboten. Der neue Sittenkodex für den neuen deutschen Menschen richtete sich gegen die "Seelen verachtende Überschätzung des Trieblebens" und forderte den "Adel der menschlichen Seele". Nebenresultate, wie soziale Harmonie und die Beseitigung aller Klassenkonflikte, sollten sich für die Auserwählten von selbst einstellen.
Die von einem funktionstüchtigen Verwaltungsapparat unterstützte NS-Maschinerie zur Schaffung eines "sauberen" Reichs mit hoher Geburtenrate lief an. Massive, raffinierte, teils offene, teils versteckte Propaganda animierte die Deutschen arischer Abstammung mittels mannigfacher Anreize im Sinne "positiver Eugenik" zur Intensivierung ihres Geschlechtslebens und vermittelte die Ziele der Sexualpolitik: Vier-Kinder-Ehen, Frauen zurück an den Herd, keine weibliche Berufstätigkeit.
Es waren griffige Slogans, an denen das Dritte Reich bis heute gemessen wird.
Doch welcher Erfolg war der ambitionierten Totalreform des Sexuallebens tatsächlich beschieden? Wieweit konnten die Nationalsozialisten ihre Vorstellungen verwirklichen? Wie verhielten sich Theorie, Postulate und Praxis? Und wieweit gehorchten die Deutschen ihrem "Führer" auf einem Gebiet, wo der nackte Terror versagte?
Bereits 1933 ordnete Hitler, wie er es schon in "Mein Kampf" angekündigt hatte, die Schließung aller Bordelle an. Dann rief er zum "Kleinkrieg" gegen Präservative auf. Er fügte sich damit selbst seine erste Niederlage zu, denn wenig später wich er dem Zwang der Realität. Schließlich genehmigte der "Führer" - gegen seine persönliche Überzeugung - die Schaffung eines flächendeckenden Netzes von Freudenhäusern. Der NS-Staat wurde zum größten Bordellbetreiber Europas. Während des Krieges fiel das Verbot von Verhütungsmitteln. Auch die Bevölkerungspolitik scheiterte. Die Deutschen vermehrten sich nicht in dem gewünschten Ausmaß, die Vier-Kinder-Ehe blieb Utopie - vor den Schlafzimmern endete die Macht der Nationalsozialisten. Die verbotenen Abtreibungen gingen nicht zurück. Trotz aller Förderung wurden nicht mehr uneheliche Kinder geboren als in der Weimarer Republik.
Der Trend zur weiblichen Berufstätigkeit setzte sich ungebrochen fort und ließ sich nicht stoppen - die Frauen kehrten nicht mehr an den Herd zurück. Die Zahl arbeitender Frauen nahm während des "Dritten Reichs" nicht ab, sondern zu.
Die große Revolution im Zusammenleben der Geschlechter fand nicht statt und der NS-Staat stieß sehr bald an die Grenzen seiner Macht. Obwohl man im Sinne der "negativen Eugenik" die "Ausmerze" von "Volksschädlingen" aller Art fanatisch betrieb, traten bei der "Reinhaltung der Rasse" immer neue Probleme auf, die immer drakonischere Maßnahmen forderten: gegen Fremdarbeiter und deutsche Frauen, die "Blutschande" betrieben, gegen "artvergessene" Mädchen, die mit Juden verkehrten, gegen die "Bastarde vom Rhein", gegen verwahrloste Jugendliche.
Den sogenannten "Rheinlandbastarden", den Nachkommen farbiger Besatzer aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, bereiteten die Nationalsozialisten ein grausames Schicksal. Ihre Sterilisierung ging - wie jüngst entdeckte Dokumente beweisen - auf Adolf Hitler persönlich zurück.
Der notorische Kompetenzendschungel der NS-Diktatur verhinderte im Kampf um die Rassen- und Sexualpolitik die Erstellung klarer Konzepte. Es blieb bei martialischen Gesetzen, vielen Widersprüchen und der Hoffnung auf günstigere Gelegenheit. So kam das "Fortpflanzungs"-Gesetz nicht über erste Entwürfe hinaus - man vertagte es auf die Zeit nach dem Endsieg.
Auch zehn Millionen penibel angelegte "Erbkarteien" mit "negativen, belastenden Daten der Deutschen" warteten vergeblich auf ihre Auswertung. Sitte und Moral wurde zwar oft zitiert, aber nie definiert.
In dem Chaos der Sexualreform ergriffen viele NS-Bonzen die Initiative, um ihre eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Julius Streicher kämpfte mit seinem pornografischen Hetzblatt Der Stürmer gegen Rassenschande mit Juden sowie jüdische Sexualtäter. Heinrich Himmler schuf den "Lebensborn" für "Mütter guten Blutes". Das SS-Blatt Das Schwarze Korps definierte die "reine, germanische" Aktmalerei und schrieb gegen undeutsche Prüderie.
Hinter den Kulissen herrschte ein NS-Sündenbabel mit Doppel- und Dreifachmoral. Mit Wissen und Billigung Hitlers lebten die Bonzen ihre oft exzessiven Sexualvorstellungen aus - die von moralischen Floskeln starrenden "Führer"-Reden galten nur dem Volk.