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46 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Endlich!, 24. September 2008
Endlich ein Buch zur Geschlechterthematik, welches auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht und die Biologie nicht außen vor lässt (was bei einem biologischen Thema wie Geschlecht eigentlich auch nicht sinnvoll ist). Und was von einer Frau geschrieben ist, denn sonst würden die "Meinungsführerinnen" bei dem Thema nicht zuhören.
Ein ganz entscheidender von ihr vorgetragener Punkt ist: Männer sind extremer als Frauen, und zwar in körperlicher wie geistiger Hinsicht. Ob es um Inselbegabte, Menschen mit extrem hohem IQ, Nobelpreisträger, Schachgenies, musikalische Wunderkinder etc. geht: in allen diesen Fällen dominiert ganz klar das männliche Geschlecht. Bei den geistig Behinderten, Schwererziehbaren, Schulversagern, Unruhigen, Straftätern etc. aber auch.
Biologisch macht dies ausgesprochen Sinn, wie auch andere Autoren aufzeigen konnten. Eine wahrscheinliche Ursache für einen Teil dieser Unterschiede liegt in den Chromosomen: Männer sind durch ihre XY-Chromosomen genetisch weniger geschützt als wir Frauen mit unserem Doppel-X.
Wie Mersch in Evolution, Zivilisation und Verschwendung: Über den Ursprung von Allem im Detail darstellt, werden in Ameisenstaaten alle sozialen Aufgaben von Weibchen erledigt. Weibchen besitzen einen doppelten Chromosomensatz, Männchen dagegen nur einen einfachen (eine ähnliche Differenz wie beim Menschen). Bei ihnen wirken sich also genetische Veränderungen praktisch sofort aus, auch bei der Vererbung. In solchen Staaten besitzen die Männchen nur eine Aufgabe: Sie treten in einen gnadenlosen Ausscheidungskampf um die Befruchtung einer Königin und nur die fittesten haben Erfolg. Die genetische Weiterentwicklung erfolgt also in erster Linie über die variableren Männchen und das ist bereits deren einzige Aufgabe. In menschlichen Gesellschaften geht es demgegenüber vergleichsweise "human" zu: Männer konkurrieren lediglich um sozialen Erfolg, der ihre Chancen beim weiblichen Geschlecht erhöht. Die größeren Extreme beim männlichen Geschlecht und deren besondere Chromosomenausstattung stellen also insgesamt einen evolutionären Vorteil dar. Man darf daran nicht rütteln, ohne in die Gefahr zu laufen, die gesamte biologische Art zu gefährden.
Es ist zu hoffen, dass - angestoßen durch Bücher wie das von Susan Pinker - wir auch in Deutschland wieder in eine offene Diskussion und diesmal mit Beteiligung der Männer über das zukünftige Geschlechterverhältnis eintreten werden. Der zurzeit eingeschlagene Weg - die Angleichung der Lebensentwürfe beider Geschlechter und Gender Mainstreaming - ist erkennbar ein Irrweg, der den Interessen beider Seiten nicht gerecht wird. In getrenntgeschlechtlichen Spezies wie dem Menschen kann es schon aus biologischen Gründen keine vollständige Angleichung der Lebensentwürfe beider Geschlechter geben.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Plausible Antworten, aber ein missglückter Schluss, 29. Dezember 2009
"Das Geschlechterparadox" ist eins der Bücher, die sich auf angenehme Weise in weiten Teilen vom feministischen Mainstream abheben. Es spricht offen die Unterschiede von Männern und Frauen an und geht an den seit langem bekannten biologischen Ursachen und Erklärungen nicht vorbei, ohne dass es diese als unabwendbares Schicksal deklariert. Die Gene nehmen eben starken Einfluss auf unser Verhalten, determinieren es jedoch keineswegs. Der feministische Mainstream will dies nicht wahrhaben und ignoriert geflissentlich die Biologie - ein Unheil, das zu Lasten aller Menschen geht. Susan Pinker - übrigens die Schwester des bekannten Kognitionspsychologen Steven Pinker, der bereits in seinem Buch "Das unbeschriebene Blatt" die moderne Leugnung der menschlichen Natur thematisiert hatte - ist selbst Psychologin und behandelt seit 3 Jahrzehnten verhaltensauffällige Kinder, zu denen vorwiegend Jungen gehören. Aufgrund ihrer Praxiserfahrung hat sie sich in diesem Buch gestützt auf zahlreiche Interviews und wissenschaftliche Studien mit einer Frage beschäftigt, die der feministische Mainstream immer wieder mit schöner Regelmäßigkeit falsch beantwortet: Warum sind Frauen trotz hervorragender Leistungen an Schulen und Universitäten so wenig in Karrierejobs und in Führungsetagen zu finden und warum landen sie trotz intensiver Frauenförderung auf allen Ebenen doch meist wieder in frauenspezifischen Bereichen. Der Mainstream hat darauf nur eine Antwort parat: Diskriminierung von Frauen, allerdings ohne dafür jemals einen konkreten Nachweis erbracht zu haben. Susan Pinker gibt jedoch eine viel plausiblere und mittlerweile auch empirisch besser abgesicherte Antwort: Frauen und Männer haben im Mittel unterschiedliche Lebenskonzepte bedingt durch unterschiedliche biologische Präferenzen (und nicht durch vermeintlich allgegenwärtige gesellschaftliche Einflüsse) und streben daher unterschiedliche Berufe an.
In 9 Kapiteln mit Fallbeispielen, persönlichen Interviews und wissenschaftlichen Studien zeigt die Autorin jeweils männliche und weibliche Perspektiven, Lebensentwürfe, Probleme, Verhaltens- und Denkweisen auf und weist auch nach, dass hier keineswegs die von feministischer Seite immer wieder behauptete Frauendiskriminierung eine Rolle spielt.
Das 10. Kapitel ist eine Zusammenfassung und ein Ausblick. Leider tritt hier auch an einigen Stellen die noch feministisch gefärbte Denkweise der Autorin zutage. Das merkt man schon allein daran, dass Susan Pinker zu vieles nur aus Sicht von Frauen betrachtet. Das führt zu verzerrten Perspektiven. So schreibt sie an einer Stelle über die geringen Wahlmöglichkeiten, die Frauen in der Vergangenheit hatten und ignoriert dabei, dass auch Männer in der Vergangenheit nur wenige Wahlmöglichkeiten hatten. Das gilt selbst heute noch für viele (wenn nicht die meisten) Frauen und Männer, nämlich für diejenigen, deren Fähigkeiten beschränkt sind. Je weniger Fähigkeiten ein Mensch hat, desto weniger Wahlmöglichkeiten hat er. Die überwiegenden Jobs, die die meisten Menschen ausüben, sind nämlich nicht unbedingt das, was man Karrierejobs nennen würde. Selbst unter diesen Voraussetzungen haben Frauen immer noch mehr Wahlmöglichkeiten als Männer, denn sie können wenigstens zwischen reiner Berufstätigkeit, Hausfrau/Mutter oder gar beides zusammen wählen. Männer können dies kaum, weil Frauen nämlich in der Regel keine Vollzeit- bzw. Teilzeit-Väter als Partner wollen, sondern doch eher den gut verdienenden Erfolgstyp. Das zeigen jedenfalls alle Studien.
Die Wahlmöglichkeiten, die wir heute haben, sind hauptsächlich auf Naturwissenschaft, Technik und die daraus resultierende, extrem fortschreitende Arbeitsteilung zurückzuführen. Womit wir beim nächsten Thema wären, das Susan Pinker leider feministisch verzerrt darstellt: die ungleiche Bezahlung bei frauen- und männerspezifischen Jobs. Auch hier wieder das Getön, die Arbeit von Frauen würde abgewertet trotz vergleichbarer Ausbildung. Mal abgesehen davon, dass in frauenspezifischen Jobs auch Männer arbeiten, die genauso "schlecht" bezahlt werden - es sich hier also gar nicht um Frauenbenachteiligung handeln würde, - und dass man Ausbildungen und Jobs in verschiedenen Bereichen nicht einfach so miteinander vergleichen kann, gibt es durchaus plausible Erklärungen für die unterschiedliche Bezahlung. Frauenspezifische Jobs findet man oft in Non-Profit-Bereichen, im öffentlichen Dienst, bei Wohlfahrts- und kirchlichen Verbänden. Es ist wohl klar, dass man dort keine Spitzengehälter erwarten kann. Viele Frauenjobs erfordern keine langen Ausbildungszeiten und auch kein ständig neues extremes Spezialwissen im Laufe der Jahre. Männerjobs dagegen - z.B. der genannte Computerprogrammierer - sind ohne stete Anhäufung von immer neuem Spezialwissen überhaupt nicht denkbar. Kein Wunder also, dass sich dies entsprechend in einem höheren Gehalt niederschlägt. Auch die Arbeitszeiten tragen zur unterschiedlichen Bezahlung bei. Bei männerspezifischen Jobs sind sie oft extrem, bei frauenspezifischen eher geregelt.
Über das alles spricht Susan Pinker kaum. Stattdessen empfiehlt sie, männerlastige Branchen und Firmen sollten sich mehr auf Frauen einstellen. Dem zugrunde liegt die Vorstellung einer vorherrschenden "männlichen" Arbeitswelt. Es geht hier jedoch weniger um "männliche" Prinzipien, als vielmehr um handfeste Sachzwänge in solchen Firmen und Branchen, die sich kaum mit Familienverpflichtungen vereinbaren lassen. Die Anforderungen in diesen Bereichen waren und sind teilweise extrem und genau deswegen findet man dort mehr Männer als Frauen. Aber gerade diese extremen Anforderungen haben uns auch den immensen Fortschritt der Moderne gebracht. Wenn Frauen hier mitmischen wollen, so sind sie herzlich willkommen, werden aber nicht darum herum kommen, sich an die Regeln zu halten, die hier gelten. Dies gilt ja im gleichen Maße auch für Männer, denn auch unter ihnen gibt es viele, die nicht willens sind, sich extremen Anforderungen zu stellen. Das soll natürlich nicht heißen, dass man nicht versuchen sollte, Arbeit soweit als möglich zu flexibilisieren.
Fazit: Wenn man vom letzten Kapitel absieht, ist das Buch wirklich empfehlenswert, weil es sehr fundiert die Verschiedenheit der Geschlechter belegt und mit gängigen feministischen Klischees aufräumt.
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Erhellend, erleichternd, 19. November 2008
Durch den ausführlichen Spiegel-Artikel wurde ich auf dieses Buch aufmerksam - und habe es mit Genuß und Freude gelesen. Worum geht es? Um den großen kleinen Unterschied oder die Frage aller Fragen: warum nur sind Frauen und Männer verschieden? Susan Pinker nähert sich der Frage auf verschiedenen Wegen, angefangen von der Biologie (Genetik, Chromosomensätze) bis hin zum Verhalten (ererbt, erlernt) und zu realen Beobachtungen in der Welt (viele männliche Chefs in den obersten Etagen, viele Frauen die gern Teilzeit arbeiten), Berufswahl (typische Männer- und Frauenberufe) etc.
Ergebnis: Männer sind extremer (zugespitzt gesagt, es gibt mehr männliche Genies, aber eben auch Verbrecher, Autisten etc.). Frauen wollen ganz offenbar anderes als Männer, das wird insbesondere in den westlichen Industrieländern deutlich, in denen sie die freie Wahl haben. Frauen haben offenbar andere Werte, die ihnen wichtig sind.
Ich fand die Lektüre erhellend und auch erleichternd, weil sie einem vieles deutlich(er) macht, was man vielleicht vermutet, aber eben nie gewußt hat. Ich lese das Buch als Ermutigung, daß Frauen wollen sollen, was sie wollen und dazu stehen sollten, wenn es sich von männlichen Vorstellungen unterscheidet.
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