Ich gebe zu, früher fand ich Wondratscheks männliches Getue aufgesetzt und anachronistisch. Nachdem ich seine Äußerung über Domenica, dass wenn sie an einem Fluss flussaufwärts gehe, dann wechsele dieser Fluss seine Richtung, selber erleben durfte (nicht die Äußerung, sondern den Wechsel der Flussrichtung), sehe ich ihn anders.
Wolf Wondratschek hatte sicherlich auch mal gehört, dass verheiratete Männer länger leben, aber er wusste wohl instinktiv, dass diese Männer häufiger an den Tod denken. Er weiß, dass der Mann nur dann ein Mann ist, wenn er ein Mann ist, dass Kontakte zu Frauen außerhalb der Bordelle nur Unglück und Verdruss bringen, dass man von Frauen nicht mehr wissen muss, als man sehen kann und dass derjenige, der für das eigene Leben eine Frau braucht, sang und klanglos untergeht.
Wolf Wondratschek legt hier ein Vaterbuch vor. Die Übernahme der Vaterrolle wird von ihm wunderbar abgeklärt, lakonisch und auch mit einer gewissen Weisheit erzählt. Er schildert seinem vierzehnjährigen Sohn, dass der gerade Hacken mit der Linken für einen Jungen das Wichtigste sei und sein Sohn hört ihm gelangweilt desinteressiert interessiert nicht zu. Vater-Sohn-Gespräche halt.
Schade finde ich, dass Wondratschek es nicht schafft, das Vater-Sohn-Thema buchfüllend durch das ganze Buch durchzuziehen. Er berichtet vielmehr über die Frauen im Leben des Vaters (er hatte auch mal einen Leckerbissen abbekommen), über seine Drogenzeit und wie die Geburt zielgerichteter Anlass für seine Drogenabstinenz wurde. Er füllt Seiten mit Reflexionen über die Lebensphilosophie Donald Ducks, thematisiert sein Verhältnis zu seinem Lektor und erzählt männlich amüsante Gedankengänge anlässlich eines Besuchs bei seiner Urologin.
Die Kindsmutter wird nicht benahmt. Sie bleibt im Hintergrund. Man bekommt aber schon mit, dass Wondratschek es mit Frauen nicht so hat. Insofern ist Charlie Harper in Two and a Half Men beziehungsweise Charlie Sheen im echten Leben schon besser, denn der versucht es wenigstens mit ihnen.
Wondratscheks Ansatz ist anders. Er bringt eher wenig bis kein Interesse an ihnen auf; was sie denken, was sie machen, wovon sie träumen, interessiert ihn nicht. Er ist schlicht konsequent egoistisch. Und so ist Mann wieder bei der Eingangsfrage, ist das wirklich männlich? Wahrscheinlich schon, denn sein Handeln ist zielgerichtet.
Nichtsdestotrotz, dass Buch ist ein ideales Geschenk für 50-jährige Väter (und andere Männer).