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Das Geschäftsjahr 1968/69: Roman (edition suhrkamp)
 
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Das Geschäftsjahr 1968/69: Roman (edition suhrkamp) [Taschenbuch]

Bernd Cailloux
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 254 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 5 (23. Mai 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518124080
  • ISBN-13: 978-3518124086
  • Größe und/oder Gewicht: 17,6 x 10,4 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Bernd Cailloux
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

 »... ein Kunstwerk ...
Bernd Cailloux hat der Muße-Gesellschaft von 1968 ein Denkmal gesetzt, das sich im Zeichen von Massenarbeitslosigkeit, Existenzgründungen und Start-ups als überraschend aktuell erweist.« (Der Spiegel )

»Ja, es ist unabweisbar: Bernd Cailloux hat der Literatur einen neuen Ton für das bislang vernachlässigte Geschäftsjahr 1968/69 geschenkt.« (Frankfurter Rundschau )

»Bernd Cailloux nimmt den Leser in seinem Roman "Das Geschäftsjahr 1968/69" mit auf eine rasante Reise in die 60er Jahre ...
... in einer berückenden Mischung aus Lockerheit und Intensität.« (Bernd Wagner Deutschlandradio )

 »Bernd Cailloux hat dem eigentlich zu Tode erzählten Mythos "Die wilden Jahre der Republik" eine interessante Fabel abgewonnen und transportiert viel von der Stimmung einer Zeit, die scheinbar unermessliche Veränderungsoptionen bereithielt, in Wirklichkeit aber eine ganz normale Epoche mit übersteigerter Aufmerksamkeit für jugendlichen Unmut war. Den Nachgeborenen zur Mahnung, innere Aufbruchstimmungen nicht für äußere Fakten zu halten.«  (Florian Felix Weyh Deutschlandradio )

»... eine flackernde Bilanz des psychedelischen Wirtschaftswunders. […]
Trocken ist seine Sprache, lässig, abgebrüht, aber wann immer ihm danach ist, gelingt es ihm, mit einer präzise funkelnden Wendung den psychedelischen Irrsinn seines Geschäftsjahres ins Bild zu bannen …« (Süddeutsche Zeitung / SZ-Literatur )

»Besser hat man lange nicht gelesen, wie sich ein Jahr wie 1968 tatsächlich angefühlt hat, wie es möglicherweise wirklich war, weit ab von der offiziellen Geschichtsschreibung.« (Die Tageszeitung )

»Bernd Cailloux hat den besten Roman zu 1968 geschrieben, der durch Originalität des Herangehens und erzählerische Qualität alles in den Schatten stellt, was über diese bewegte Zeit publiziert worden ist.« (  Der Spiegel )

Kurzbeschreibung

Mit präziser Lakonie zeigt Bernd Cailloux die 68er in grellem, aber um so realistischerem Licht: nicht als Polit-, sondern als Start-up-Unternehmen, dessen Visionen, Illusionen, Drogen- und Finanzcrashs unvermutet an die Neunziger erinnern – wie das Technoflimmern an die Flickershows der Sixties.

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24 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen 68er in realistischem (Blitz)licht, 28. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Das Geschäftsjahr 1968/69: Roman (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
Der Titel „Das Geschäftsjahr 1968/69" zeigt bereits, dass hier ein etwas anderer Blick auf die schon längst zum Mythos geratene 68er Zeit geworfen wird.
Die Lektüre dieses Buches zeigt viel vom Geist und der Lebensweise der 68er, für einmal nicht so sehr die politische Seite, sondern die kulturelle, aber gleichzeitig auch die kommerzielle.
Der namenlose Ich-Erzähler, der diese Geschichte aus einer zeitlichen Distanz von 20 Jahren erzählt, sein Freund Büdinger und Achim Bekurz, ein autodidaktischer Handwerker, gründen im sagenhaften 1968 die „Musse-Gesellschaft", die von Bekurz konstruierte künstliche Blitzlichter, Stroboskope, herstellt. Schritt für Schritt entwickelt sich die „Musse-Gesellschaft", vom alternativen „Hippie-Betrieb" mit einer „Organisationsweise jenseits bürgerlicher Normen" zu einem ganz normalen kapitalistischen Profitunternehmen, in welchem Büdinger die Führung an sich reisst, und das schon im ersten Geschäftsjahr Millionenumsätze macht. Während zunächst für ein Avantgarde-Publikum, für subkulturelle Lokale produziert wird, verkauft die Musse-Gesellschaft ihre Stroboskope schon bald an Striptease-Lokale und lässt sich auch für Werbezwecke von Grosskonzernen engagieren. Bekurz, der Erfinder und Handwerker, dessen Arbeit die „Musse-Gesellschaft" letztlich den Erfolg verdankt, wird durch Büdinger zum einfachen Angestellten degradiert und um seinen Gewinn gebracht, der Ich-Erzähler wird aus der Firma gedrängt. „Eigentlich", so sagt der Ich-Erzähler," hatten wir nichts Böses vor, nichts Kommerzielles wie Massenproduktion oder Werbeshows, wir wollten etwas völlig anderes, die radikale permanente Veränderung, ... Teil von etwas Neuem sein, dafür wollten wir das passende Licht machen...". Und während der Ich-Erzähler noch heute irgendwie an die alten Ideale glaubt, ist für Büdinger, der zwanzig Jahre später ein erfolgreicher Geschäftsmann ist, „dieses Achtundsechzig... eine grossartige, ja geniale PR-Aktion gewesen".
Die Kommerzialisierung der Jugend- und Subkultur hat, wie die Geschichte zeigt, eigentlich schon mit der vermeintlich antikommerziellen 68er Revolution selbst begonnen.
Und doch: Ist nichts geblieben von den Idealen von 68? Bekurz hatte damals ein kleines Stroboskop für den Hausgebrauch entwickelt. Noch steht es sowohl bei Büdinger als auch beim Ich-Erzähler auf dem Schreibtisch, als „proustsches Blitzchen der Subversion... Der Blitz funktionierte noch immer. Er hat alles überdauert." - Ein Blitzchen: nicht viel, aber doch etwas.
Ein Buch, das uns die 68er und ihre Zeit, aber vielleicht auch unsere Gegenwart anders und besser verstehen lässt.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Blutbilder kann man nicht retuschieren! (Cailloux), 18. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Das Geschäftsjahr 1968/69: Roman (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
Ich brauche den "Plot" nicht wiederzugeben, das steht in den anderen Rezensionen schon. Nur zwei Dinge zusätzlich. Mit Cailloux kommt ein völlig neuer Sound in die Literatur über die 68er (und über Drogenkonsum): Lakonisch bis zur Ellipse, knochentrocken und höllisch unsentimental. Clean von der Droge Selbstmitleid. Cailloux beobachtet hellwach, präsize, mit Sinn für filmischen Schnitt und Schlüsselszenen. Ätzend sarkastisch, aber ohne zu denunzieren, mit dem Drive eines guten Rocksongs und der innigen, tja, Wahrhaftigkeit von herzzerreissenden Liebesballaden. Wer Lebensgefühl, Träume, Sehnsüchte (ach der Sex!) und Verdrehtheiten der "68er" sozusagen von innen erfahren will, greife zu Cailloux's schmalem, aber dichten Roman. Apropos dicht: Die Schilderung der bekifften Wohnküchengespräche, des ersten verdrucksten Fixergehampels und der noch viel verdrucksteren WG-Notgeilheit - das ist schon beunruhigend perfekt. Als hätte er damals schon Videoaufnahmen gemacht.Typen wie Bekurz, Indien-Gerd und Sweti hat es gegeben, genauso, (Typinnen wie die aufregende Régine wohl weniger), da stimmt jedes Wort, jede Geste, alles authentisch. Ich kann das beurteilen. Ich war damals nämlich dabei, am Rande, in Hamburg. (Für Kenner: Einer derer, die in der Mittagspause immer die Peking Rundschau gelesen haben!)

Cailloux' Roman ist aber mehr als bloß ein Schlüssel- oder Zeitroman (auch wenn sich einige Figuren mühelos entschlüsseln lassen wie z. B. der Werbetyp im gelben Overall namens Jüss Jüssen, hinter dem sich überdeutlich der ehedem berühmte Düsseldorfer Werbeheini Charles Wilp mehr zeigt als verbirgt), - sein Ton und sein Blick können, pardon, süchtig machen: Der Blick auf die Beteiligten - auch auf die total "bepengten" (O-Ton Cailloux) Junkies - ist von trockener Zärtlichkeit (aber echt: brut!), melancholisch, einfühlsam und bis ins Innerste dringend. Selten habe ich etwas gelesen, was die legitimen Hoffnungen der Revolte von damals so wenig denunziert, und sie doch in ihrer ganzen verzweifelten Unzeitgemäßheit und unfreiwilligen Komik entlarvt, voller Situationskomik und Wortwitz, und trotz voller herber, verschwiegener Trauer über die verpaßten Chancen des Lebens, die verlorenen Träume, die vermasselten Liebesbeziehungen, die verkorksten Biographien und all die bescheuerten Dinge, die man, solange man jung ist, seinem Körper antut, um zwanzig Jahre später gnadenlos die Rechnung präsentiert zu bekommen. - Ein Autor, von dem man lernen kann. Und ich mein jetzt nicht schreiben.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Geschichte einer Hippie-Garagenfirma, 18. Dezember 2005
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Geschäftsjahr 1968/69: Roman (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
Es geht um einen Roman, der eine sehr bekannte Zeit, nämlich 68/ 69, aus einer ziemlich fremden, ungewöhnlichen Perspektive beschreibt, und zwar aus der Perspektive von Leuten die sowohl Hippies wie Geschäftsleute sind. Sie befinden sich damit in einem erheblichen Widerspruch wie Leistungsdruck und Profitmaximierung auf der einen Seite, und Verweigerung auf der anderen Seite.

Zum Plot: Auf einem Fortbildungsseminar lernen sich zwei junge Männer kennen, die schon im Beruf standen und nicht zu der Generation der Studentenrebellion gehörten. Sie werden Freunde, entwickeln eine Idee, gründen ein Kollektiv. Es ist ein antikapitalistischer Betrieb im blühenden Kapitalismus. Am Anfang können sie gut teilen, weil sie keine Einnahmen haben. Sie haben ein Stroboskop-Blitzlicht gebaut, der Renner in allen Discotheken. Weil die Geschäftsidee gut war, kommt viel Geld herein. Und mit dem Geld beginnen die Schwierigkeiten.

Die Gruppe scheitert schließlich an der Gier. Gier und Machtinstinkt, die jemand entwickelt und sich damit die ganze Firma unter den Nagel reißt. Der Witz von Prosa ist ja auch die Mehrdeutigkeit. Und so kann es aber möglicherweise auch an dem vollkommen unrealistischen Idealismus des anderen gelegen haben und vielleicht ist das noch verwerflicher als die Gier, weil das die viel naivere Form gegenüber dem Leben ist.

Eine weitere Variante wäre die, dass das Unternehmen an seinem Erfolg gescheitert ist. Die Firma hat Erfolg, expandiert, und durch diesen Erfolg, eigentlich gar nicht durch die Gier des Einzelnen, ist eigentlich der kritische Ich-Erzähler gegen sich selber angetreten.

Vielleicht ist auch eine historisierende, historische Deutung aus der Rückschau denkbar, nämlich die Naivität aller Beteiligten zu glauben, man könne aus einem bestehenden gesellschaftlichen System aussteigen, ohne dabei bestraft zu werden. Man kann auch die Naivität mit dem Unschuldigsein gleichsetzen, moralisch nachgedacht zu haben, aber am Wirklichkeitsprinzip gescheitert zu sein.

Cailloux ist ein wunderbarer Erzähler, der es schafft, Stimmungen und Atmosphäre so aufzunehmen, dass der Zeitgeist etwas sinnlich Gegenwärtiges bekommt.

Ich bin von der erzählerischen Leistung des Buches sehr beeindruckt. Man kann dieses Buch lesen, erfährt dabei sehr viel aus der damaligen Zeit, aus dem Milieu, wird in aller Kürze mit Präzision an die Unterseite der politischen Bewegung herangeführt, ohne dabei mit kritischen Pauschalinterpretationen über den Kapitalismus und seine Folgen konfrontiert zu werden. Das Licht ist dabei eine zentrale Metapher des Romans, weil es ja eigentlich um Erleuchtung, um Erkenntnis durch Enthemmung geht.

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