Das Gesamtwerk von Wolfgang Borchert ist ein Aufschrei. Ein Aufschrei eines jungen Kriegsheimkehrers der für seine komplette Generation spricht. In den Gedichten, Kurzgeschichten, Erzählungen und natürlich in dem bekannten Drama „Draussen vor der Tür“ geht es hauptsächlich um die verlorene Jugend und die unzähligen grausigen Gesichter des Krieges.
Ein großer Künstler war Wolfgang Borchert, das erkennt man hier sofort. Meisterhaft beschreibt der Autor u.a. durch Wiederholungen und Worthäufungen wie die jungen Heimkehrer, die Mütter und Väter, die Kinder gefühlt und gedacht haben. Wenn man als Leser beispielsweise einem Soldaten durch das zerbombte Hamburg folgt, wenn ein junger Mensch nur noch seine Küchenuhr aus den Trümmern retten konnte und diese nun für ihn das Paradies versinnbildlicht oder natürlich sein wohl bekanntestes Stück „Draußen vor der Tür“ indem ein junger Soldat mit steifem Bein zurückkehrt, einen Fremden in seinem Ehebett vorfindet und seine Verantwortung gern an seinen Vorgesetzten zurückgeben möchte…dann ist man schon erschüttert. Faszinierend wie der Autor es schafft auch nur in 10 Zeilen oder weniger, in allen möglichen Variationen und aus verschiedenen Sichtweisen, uns klarzumachen was die Menschen während und nach dem Krieg durchmachten. Man ist als Leser mittendrin. Meisterhaft! Egal, ob es nun die Gedichte sind oder die Erzählungen, es ist einfach alles ganz großartig in diesem Werk. Vor allem ist nicht alles so nihilistisch zu sehen, wie man vielleicht denken könnte, denn auch Liebeserklärungen findet man hier, an Hamburg und an die Elbe und manchmal auch an die Frauen.
Das alles macht einen Klassiker aus. Nämlich das der Leser berührt wird. Von Wolfgang Borchert wird man im tiefsten Innern berührt, niemand mit ein wenig Gefühl im Leib wird sich entziehen können. Spätestens beim letzten Stück in diesem Buch ("Dann gibt es nur eins!"), welches Borchert nur wenige Tage vor seinem viel zu frühen Tod geschrieben hat, wird jedem Leser klar was ich meine. Der Mahnruf: „Sag NEIN!“ sollte immer und überall von allen vergegenwärtigt werden.
Auch das Nachwort von Bernhard Meyer-Marwitz ist es wert gelesen zu werden, erfährt man hier doch noch ein Wenig mehr über den Dichter, allerdings hauptsächlich aus der Zeit kurz vor und nach seinem Tod. Für Borchert-Neulinge wird es aber interessant sein.
Ich werde das Buch jedenfalls noch sehr oft lesen, das weiß ich!