Wissenschaft-Online
Nicholas Wade ist ein Optimist, und nur Optimisten oder (Gen-) Technologie-Freunde werden auch ungetrübte Freude haben an seinem Bericht über den Verlauf der fast vollständigen Entschlüsselung des menschlichen Genoms und an seinen Phantasien zur Revolution der Medizin. Wade ist ebenfalls ein Gen-Determinist", das heißt, von der Omnipräsenz und der Omnipotenz, was in Aussagen wie ein vollständiger Genomscan könnte .... im Prinzip alle Krankheiten vorhersagen" oder Jeder Mensch verdankt seine Einzigartigkeit Unterschieden in der DNA-Sequenz" zum Ausdruck kommt. Was würden dazu eineiige Zwillinge sagen? Die ethische Kritik und die Gefahrendiskussion der neuen, vorgestellten Technologien kommt, obwohl angesprochen, viel zu kurz.
Während diese Unausgewogenheiten natürlich sehr von der persönlichen Einstellung abhängig sind, muss man Wade in jedem Fall bescheinigen, dass er ein unterhaltsames und anschauliches Buch über eine komplexe Thematik geschrieben hat, dessen Unterhaltungswert keineswegs durch seinen nüchternen Stil gemindert wird. Das Buch basiert auf seinen sorgfältig und wissenschaftlich solide recherchierten Beiträgen in der New York Times, die jedoch recht organisch miteinander verknüpft sind. Nur bei wenigen Passagen störten Wiederholungen im Text.
Ich habe mich über das Buch geärgert, es aber trotzdem gerne gelesen.
Rezensent: Olav Rüppell
Kurzbeschreibung
Kaum etwas beschäftigt die Gemüter derzeit mehr als die Entschlüsselung des menschlichen Genoms. Nicholas Wade fragt nach den medizinischen Konsequenzen und skizziert die Umrisse der Neuen Medizin.
Anschaulich und prägnant zeichnet Nicholas Wade, Wissenschaftsredakteur der »New York Times«, die Stationen nach, die zur Entschlüsselung des menschlichen Genoms führten. Er stellt die Protagonisten dieser Entdeckung vor, Craig Venter auf der einen und das Human-Genom-Projekt auf der anderen Seite, und er fragt nach den medizinischen und pharmakologischen Konsequenzen. Wade beschreibt die Entwicklung von Targets, Angriffspunkten an der Zelloberfläche, mit deren Hilfe man die Zellreifung und -teilung unterbinden kann. Er diskutiert aktuelle Forschungen mit embryonalen und adulten Stammzellen - über die im Augenblick in Deutschland diskutiert wird - und mit gentechnischen Medikamenten. Er zeigt Wege der Keimbahntherapie und der regenerativen Medizin auf, die Organe teilweise oder ganz zu ersetzen vermag. Wade schaut Biologen und Medizinern in den Forschungslaboratorien über die Schulter und trennt die therapeutischen Nahziele der Neuen Medizin von den Fernzielen wie etwa der Lebensverlängerung.
Die Originalausgabe erscheint zu gleicher Zeit unter dem Titel "Life-Script. The human Genome Project and the New Medicine" bei Simon & Schuster, New York