Kürzlich habe ich "The Small Hand" gelesen, Susan Hills neusten Beitrag zum - urenglischen - Genre der Geistergeschichte. Und wurde, gemessen an ihren eigenen Höchstleistungen auf diesem Gebiet, enttäuscht: "The Woman in Black" entfaltet eine wahrhaft grauenerregende Wirkung und wird zu Recht als moderner Klassiker betrachtet; "The Mist in the Mirror" beeindruckt ebenfalls als eine zwar etwas vage gehaltene, aber außerordentlich beklemmende Erzählung. "Das Gemälde" (The Man in the Picture) hingegen hat mich aus denselben Gründen nicht voll überzeugt wie The Small Hand: Die Wendungen erscheinen insgesamt zu vorhersehbar, es hat sich eine gewisse, nach Routine schmeckende Uninspiriertheit eingeschlichen - jenes schwer faßbare Etwas, das eine wirklich gute Geistergeschichte haben muß, ich vermisse es hier. Ein Gemälde, das sich von übernatürlicher Macht gesteuert selbst verändert, gab es schon bei M.R. James ("The Mezzotint"), was an sich noch nicht so schlimm wäre; der Schauplatz Venedig aber, mag sein Reiz auch unbestritten sein, wirkt auf mich mittlerweile einfach ausgequetscht. (Nimm Venedig, das geht im Zweifel immer? - Die Musik von Vivaldi, mit denen die entsprechenden Filmszenen unweigerlich garniert würden, hatte ich bereits im Ohr). Und obwohl ich eigentlich ein leidenschaftlicher Verfechter des straffen Erzählens bin und mich kaum je über einen zu kurz geratenen Text beklage, muß ich das genau hier tun. Liegt es vielleicht an dieser eher skizzenhaften Ausführung, daß das Entsetzen der Figuren nicht recht glaubwürdig und nachvollziehbar erscheint, mit der Folge, daß die tödliche Falle der unfreiwilligen Komik nur haarscharf umgangen wird? -- Gediegene Unterhaltung, durchaus gut zu lesen, aber weder sehr originell noch übermäßig unheimlich.