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Das Geld war schmutzig: Roman
 
 
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Das Geld war schmutzig: Roman [Taschenbuch]

Richard Stark , Rudolf Hermstein
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (42 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Die Romane Starks sind ein Phänomen. ... Sein Stil ist unnachahmlich, kalt, gesättigt von schwärzestem Humor." Tobias Gohlis, Die Zeit, 17.09.09

Kurzbeschreibung

Als Touristen getarnt, die den herbstlichen Laubwald Neuenglands bewundern, logieren Parker und seine Freundin in einer Pension in der Nähe der verlassenen Kirche, wo die bei einem Banküberfall erbeuteten Millionen versteckt sind. Aber in der Zwischenzeit ist Dalesia, einer von Parkers Kumpeln, ausgebrochen, es wimmelt in der Gegend von Polizisten, Parkers Konterfei hängt überall aus, und eine Kopfgeldjägerin möchte sich ihre Prämie verdienen. Mit einem riskanten Plan kommen sie an die Beute und ziehen vor den Augen der Polizei mit dem Geld ab, jetzt getarnt als Mitglieder einer obskuren "Erlöserkirche". Aber dann tritt eine andere Bande auf den Plan und will ihnen die Beute abnehmen. Nach "Fragen Sie den Papagei" und "Keiner rennt für immer" ist dies der nächste Thriller, der den faszinierend coolen Helden Parker in Hochform zeigt.

Über den Autor

Richard Stark (Jahrgang 1933) ist eines von mehreren Pseudonymen des mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Schriftstellers Donald E. Westlake, dem Grandseigneur des amerikanischen Noir-Krimis.
Donald E. Westlake ist am 31.12.2008 im Alter von 75 Jahren verstorben.Rudolf Hermstein, geboren 1940, studierte Sprachen in Germersheim und ist der Übersetzer von u.a. William Faulkner, Allan Gurganus, Doris Lessing, Robert M. Pirsig und Gore Vidal. Er wurde mit dem Literaturstipendium der Stadt München sowie mehrfach mit Stipendien des Deutschen Übersetzerfonds ausgezeichnet. 2009 erhielt Rudolf Hermstein den "Münchner Übersetzerpreis".

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

SECHS
»Sind Sie wegen des Raubüberfalls hier?« Die Pension nannte sich Bosky Rounds, und auf den Bildern
im Internet hatte sie wie ein Quartier für Hänsel und Gretel ausgesehen. Tief herabgezogenes Dach, cremefarben gestrichene Wände, altmodische Sprossenfenster mit breiten, dunkelgrünen hölzernen Läden und ein Sonnengott-Türklopfer an der Haustür. Das war die Masche des Bosky Rounds, obwohl die Besitzerin es nicht so genannt hätte: Es wurden Wanderkarten zur Verfügung gestellt für diejenigen Laubgucker, die ihr Hobby ernst nahmen. Es war die rustikalste und unverdächtigste Unterkunft, die Claire gefunden hatte, und Parker hatte gemeint, für ihre Zwecke sei sie ideal.
Und das erste, was Mrs. Bartlett, die Besitzerin, eine nette, mütterliche Frau mit einer rüschenbesetzten Schürze und einem schwachen Duft nach Apfelkuchen, zu ihnen sagte, war: »Sind Sie wegen des Raubüberfalls hier?«
»Raubüberfall?« Claire brachte es fertig, zugleich erschrocken und besorgt dreinzuschauen. »Was für ein Raubüberfall? Sind Sie überfallen worden?«
»Aber nein, doch nicht ich, meine Liebe.« Mrs. Bartlett kicherte kehlig. »Das lief doch ständig im Fernsehen. Keine zehn Kilometer von hier, letzte Woche, morgen vor einer Woche, da hat eine ganze Bande die gepanzerten Geldtransporter der Bank mit Bazookas angegriffen.«
»Bazookas!« Claire griff sich an die Kehle, dann beugte sie sich vor, als hielte sie es für möglich, dass diese nette alte Dame ihr etwas vorflunkerte. »Ist denn dabei nicht das ganze Geld verbrannt?«
»Das dürfen Sie mich nicht fragen, Kindchen, ich weiß nur, dass sie alles in die Luft gejagt haben. Wie in einem Kriegsfilm, hat mein Cousin gesagt.«
»War er dabei?«
»Nein, aber er ist gleich rübergefahren, als er es in seinen Radios gehört hat.« Zu Parker sagte sie: »Er hat nämlich ganz viele verschiedene Radios, wissen Sie.« Und dann fragte sie wieder Claire: »Und Sie haben wirklich nichts davon gehört?«
»Ach, wissen Sie«, sagte Claire mit einem Lachen und einem Achselzucken, »wir New Yorker sind schrecklich provinziell. Wenn es nicht im Central Park passiert, wissen wir gar nichts darüber.« Sie gab Mrs. Bartlett ihre Kreditkarte. »Wissen Sie was? Wir gehen erst mal aufs Zimmer und packen aus, und dann erzählen Sie uns alles.«
»Mit Vergnügen«, sagte Mrs. Bartlett. »Und Sie sind das Ehepaar Willis«, fügte sie mit einem Blick auf die Kreditkarte hinzu.
»Claire und Henry«, sagte Claire.
Mrs. Bartlett steckte die Karte in ihre Schürzentasche. »Ich gebe Ihnen Zimmer drei im ersten Stock. Unser schönstes.«
»Wunderbar.«
»Ihre Kreditkarte bekommen Sie wieder, wenn Sie runterkommen.« Sie wandte sich an Parker. »Und Sie möchten Tee?«
»Ja, gern. Danke.«
Es war ein großes Zimmer mit zwei großen, hellen Sprossenfenstern, Volants an allen Möbeln und einem abgetretenen Perserteppich. Sie verstauten ihre Sachen in der hohen Kommode und dem wuchtigen Kleiderschrank – Wandschrank gab es keinen –, und Parker trat ans Fenster und schaute hinaus. Gleich hinter dem Haus fingen die Bäume an – rot, gelb, orange und grün. »Ich muss auf die Karte schauen«, sagte er. »Feststellen, wo wir hier sind.«
»Du meinst, wie weit es zum Schauplatz des Überfalls ist«, sagte Claire und lachte. »Keine Sorge, Mrs. Bartlett wird dir alles lang und breit erzählen. Meinst du, du hältst das durch?«
»Kann jedenfalls nicht schaden«, sagte Parker, »wenn ich weiß, was da nach Meinung der Einheimischen gelaufen ist.«
»Na schön. Aber pass auf.« Er sah sie an. »Wieso?« »Wenn sie irgendwas Falsches sagt«, sagte Claire, »korrigier sie nicht.«
Bei Tee und Butterplätzchen unten im Aufenthaltsraum lieferte Mr. Bartlett ihnen eine erschöpfende und überwiegend korrekte Beschreibung dessen, was sich am Freitag abend oben im Wald abgespielt hatte. Wie sich herausstellte, sagte sie, wollten zwei örtliche Banken fusionieren, deshalb sei das ganze Geld aus der einen in die andere Bank gebracht worden. Natürlich sei davon kein Sterbenswörtchen nach außen gedrungen, alles sei unter strengster Geheimhaltung abgewickelt worden, niemand sollte etwas davon erfahren, aber wie sich herausstellte, habe irgendwer doch Bescheid gewusst, weil nämlich genau an dieser Kreuzung hier – sie zeigte es ihnen auf der County-Landkarte –, wo diese beiden Landstraßen zusammenträfen, wie aus dem Nichts auf einmal wer weiß wie viele Gangster mit Bazookas aufgetaucht seien und die gepanzerten Wagen in die Luft gesprengt hätten – es seien vier gepanzerte Transporter gewesen, mit den ganzen Unterlagen der Bank drin, zusätzlich zu dem Geld –, und dann seien die Gangster mit dem Panzerwagen, in dem das Geld war, davongefahren, und als die Polizei den Wagen später gefunden habe, sei das ganze Geld weg gewesen.
»Woher wussten die denn«, fragte Parker, »in welchem Transporter das Geld war?«
»Tja«, sagte Mrs. Bartlett und beugte sich zu ihnen vor, als wollte sie ihnen ein Geheimnis anvertrauen, »das ist ja der Skandal. Die Frau des Bankbesitzers, Mrs. Langen, die hat mit den Gangstern unter einer Decke gesteckt!«
»Mit den Gangstern unter einer Decke?« fragte Claire. »Die Bankiersfrau? Nein, Mrs. Bartlett!«
»Doch, im Ernst«, versicherte Mrs. Bartlett. »Scheinbar hat sie sich mit einem gefeuerten Wachmann in der Bank ihres Mannes eingelassen. Er musste ins Gefängnis, wegen Diebstahl oder so, und kaum ist er wieder draußen, machen die beiden weiter, wo sie aufgehört haben, und ehe man sich’s versieht, berauben sie die Bank ihres Ehemanns!«
»Aber sie sind doch bestimmt erwischt worden«, sagte Parker.
»Ja, sicher, natürlich, die beiden hat die Polizei sofort verhaftet«, sagte Mrs. Bartlett. »Die werden für ihre Verbrechen büßen, keine Sorge. Aber die Gangster eben nicht, also die Kerle, die das Geld tatsächlich geraubt haben.«
»Die Leute mit den Bazookas«, sagte Parker, denn die schwedischen Panzerfäuste Carl Gustaf waren keine Bazookas gewesen.
»Genau die«, bestätigte Mrs. Bartlett. »Und das Geld natür- lich auch nicht. Hier wimmelt es schon die ganze Woche von einfachen Polizisten und Troopern und FBI-Leuten und weiß Gott wem noch. Bis Dienstag hatten sich sogar drei Ermittler von der Staatspolizei bei mir einquartiert.«
»Schade, dass wir die verpasst haben«, murmelte Claire.
»Ach, die sehen ganz normal aus«, sagte Mrs. Bartlett. »Äußerlich würden Sie denen nichts anmerken.«
Claire wandte sich Parker zu. »Was meinst du, sollten wir da nicht mal hinfahren, wo sich der Überfall abgespielt hat?«
»Da herrscht immer noch das reinste Verkehrschaos«, sagte Mrs. Bartlett. »Die Leute fahren hin, halten an und machen Fotos, obwohl ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, was es da groß zu fotografieren gibt. Abgesehen von ein paar verkohlten Bäumen.«
»Das ist der Nervenkitzel«, meinte Claire. »Viele finden so was aufregend.«
»Also, wenn Sie da unbedingt hinfahren wollen«, sagte Mrs. Bartlett, »dann am besten gleich am Morgen. Vor neun Uhr.« Wieder beugte sie sich geheimnistuerisch vor. »Touristen sind nämlich schreckliche Langschläfer.«
»Sie haben ja auch Urlaub«, sagte Claire.
»Wenn wir irgendwo zum Abendessen hinfahren«, sagte Parker, »sollten wir die Gegend vielleicht besser meiden.«
»Nein, nein. Es gibt da ein paar nette Lokale ... Warten Sie, ich zeig sie Ihnen.«
Parker hatte eine bestimmte Route im Auge, doch der Vorschlag musste von Mrs. Bartlett kommen. Er fand Gründe, ihre ersten drei Empfehlungen abzulehnen, aber auf der vierten Strecke würden sie genau an der Kirche vorbeikommen. »Neuenglisches Fischrestaurant«, sagte er. »Das klingt verlockend. Würden Sie Claire den Weg beschreiben?«
»Aber mit dem größten Vergnügen.«

SIEBEN
Es waren noch zwei Stunden bis Sonnenuntergang, und Claire wollte ein wenig spazierengehen, um sich nach der langen Autofahrt die Beine zu vertreten. Als sie aus der Haustür traten, kam gerade ein junger Mann auf die Veranda gestürmt. »Hi«, sagte er, und...

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