Ich bin etwas überrascht über die Rezensionen, in denen bemängelt wird, das Ende der Geschichte sei zu vorhersehbar.
Klar ist es das - aber genau das bringt doch eine ganze Menge Spannung in das Buch! Der geneigte Leser ahnt schon sehr früh, wer der wahre Prinz der Insel ist ... während die Retter alles daran setzen, den vermeintlichen Prinzen zu finden. Alle Bemühungen laufen in die falsche Richtung und auch wenn ein erwachsener Leser weiß, wie es einfach kommen muss, fiebert er doch mit: Werden sie es noch schaffen? Wird die Wahrheit noch rechtzeitig ans Licht kommen?
Ich finde dieses Buch absolut klasse!
Auch mir kam unvermeidlicherweise an manchen Stellen Harry Potter in den Sinn. Allerdings sind die Kinderbücher von Eva Ibbotson früher erschienen als die Harry-Potter-Bände. Und ich könnte mir glatt vorstellen, dass Mrs. Rowling die Geschichten der älteren Autorin durchaus bekannt waren, bevor sie sich an ihren Zauberlehrling machte.
Der Bahnsteig als Eingang in eine andere Welt, der fette, unausstehliche und verzogene Junge, der als Widersacher zum "Guten" agiert, die magischen Wesen bis hin zu den Pflanzen - all das kommt mir doch sehr bekannt vor.
Zwar hat J.K. Rowling aus diesen Elementen eine völlig neue Welt kreiert - und ich verschlinge ihre Bücher - aber Eva Ibbotson hat mit diesem Buch schon vor ihr eine Welt geschaffen, die bunt, lebendig, neu und sehr liebenswert ist.
Und sie ist witzig. Das Buch strotzt vor englischem Humor, manchmal absurd, manchmal anrührend.
Ich habe es verschlungen und dabei entspreche ich mit fast vierzig Jahren nun wirklich nicht der Zielleserschaft.
Aber ich kann es uneingeschränkt weiter empfehlen - sowohl Kindern ab etwa zehn Jahren als auch Erwachsenen, die sich ihren Sinn für gute Kindergeschichten bewahrt haben.
Ich habe bereits die nächsten Kinderbücher von Eva Ibbotson bestellt.