Die Originalausgabe des Buches ist bereits im Jahre 2005 unter dem Titel "The Shadow of Solomon: The Lost Secret of the Freemasons Revealed" in England erschienen. Bis zur Veröffentlichung von Dan Browns "The Lost Symbol" im September 2009 sollten noch mindestens vier Jahre vergehen. Man kann daher weder dem Autor, noch HarperElement Publishing vorhalten, im Wind des Dan Brown Hypes mitsegeln zu wollen. Im Gegenteil, denn Dan Browns mittlerweile leicht gefloppter Thriller wurde lange Zeit mit dem Titel "Solomons Key" avisiert.....
.....während die im Oktober 2009 bei Allegria erschienene, deutschsprachige Ausgabe von Gardners Sachbuch nicht nur mit ihrem Titel "Das Geheimnis der Verlorenen Symbole" an die Dan Browns deutsche Version "Das verlorene Symbol" angelehnt ist. Denn beide Cover zeigen die Buchstaben des Wortes "Symbol" , bzw. "Symbole" in einer besonderen Größe, die alles andere in den Hintergrund treten lässt.....
.....was jedoch nicht dem Autor anzulasten ist. Laurence Gardner beschäftigt sich seit über einem Jahrzehnt mit dem Gral als Symbol eines spirituellen Königtums, dessen Blutlinie aus vorchristlicher Zeit über Jesus bis in die schottische Dynastie der Stuarts reicht. Hierzu hat er "Bloodline of the Holy Grail" (1996), "Genesis of the Grail Kings" (1999), "Illustrated Bloodline of the Holy Grail" (2000) und "The Grail Enigma" (2008) veröffentlicht, die zum Teil auch in deutscher Sprache erhältlich sind. Gardner vertritt darin jedoch eine andere These als Michael Baigent, Richard Leigh & Henry Lincoln, die in "The Holy Blood and the Holy Grail" (1982) und "The Messianic Legacy" (1986) die fränkischen Merowinger in dieser Blutlinie sehen. Gardner hat in seiner 15seitigen Bibliographie u. a. neben Elaine Pagels, Louis Carpenter auch Baigent & Co. (Seite 440) aufgeführt.....
.....hierzu gehört auch "The Temple and the Lodge", das Baigent und Leigh bereits 1989 veröffentlicht hatte. "Der Tempel und die Loge" war für timediver® ein langweilige Lektüre, weil sie letztendlich keine interessanten Informationen bot. Dem gegenüber gibt es bei Laurence Gardner richtig "Butter bei die Fische". In zwanzig Kapiteln, beginnend im alten Sumer und Ägypten, über Salomons Tempel, Templerorden, Kathedralenbau, Freimaurerlogen Schottlands, Gründung der USA bis in die Gegenwart erzählt er die Geschichte der Freimaurerei. Eine seiner wichtigsten Quellen stellt das Alte Testament (Tubal-Kain, Nimrod, Hiram, Noah pp.) dar. Im XIV. Kapitel "Antifreimauerei" setzt er sich auch mit der Reformation und dem biblischen Satan auseinander. Ein paar historische Kuriositäten sollen hier beispielhaft aufgeführt werden. So hatte der Templerorden einen besonderen Grund für seine Vorliebe oktagonaler und runder bauten. Bauten Die "Boston Tea Party" am 16. Dezember 1773 wurde von Freimaurern veranstaltet. Nach der verlorenen Schlacht von Culloden wurde Charles Edward Stewart in den 1770er Jahren von den Aufständischen Kolonialisten die Krone Amerikas angeboten, die "Bonnie Prince Charlie" jedoch ablehnte. In Kapitel 10 "Rosslyn" wird auch die Fahrt von Henry Sinclairs Flotte nach Amerika im Jahre 1398 (!) beschrieben. Der Leser erfährt auch, was sich hinter dem den Bienenkorb (S. 88) und "Sohn der Witwe" (S. 143) verbirgt.
Auch die zahlreichen Farbfotos und schwarzweißen Abbildungen offenbaren interessante Aspekte. Das Wappen der vereinigten Großloge Englands wird von einer Abbildung der israelitsichen Bundelsade gekrönt (S. 185). Die sumerischen Götter Nin-khursag und Enki als Eltern des Adama, dem erste Menschen (S. 214). Die Bible Moralisée, die Gott als Architekten darstellt (S. 40). Eine besondere Rarität, die Gardners Buch gegenüber Publikationen wie z. B. "Die Loge: Macht und Geheimnis der Freimaurer" von Luigi Ranieri (2004) auszeichnet, sind die Abbildungen verschiedener Tapisse und der Symbole für alle 33 Grade des schottischen Ritus (S. 312/313).
Die Grenzen vom historisch Kuriosen zum Fantastischem werden vom einstigen Logenmitglied und Bestsellerautor Gardner jedoch überschritten, wenn er von "ORMUS" (S. 366 ff.) berichtet. Diese mysteriöse Substanz, mit deren Hilfe Menschen die Schwerkraft überwinden könnten, hatte er bereits in seinem Buch "Lost Secrets of the Sacred Ark: Amazing Revelations of the Incredible Power of Gold" (2004) vorgestellt. Wenn er dann noch auch behauptet, dass dieses "weiße Pudergold" oder "monatomares Gold" bereits in der Antike bekannt gewesen sei, und die israelitische Bundeslade ihre magische Kräfte dieser Substanz verdankte, erntet er nur das Kopfschütteln seriöser Historiker und anderer Wissenschaftler.....
.....es bleibt jedoch jedem Leser selbst überlassen, was er meint wissen zu müssen oder was er glaubt. An der Freimaurerei Interessierten sei ein Besuch der Johannisloge "Zu den drei Kleeblättern" in Aschersleben (Sachsen-Anhalt), dem einzigen öffentlich zugänglichen Freimaurer-Tempel empfohlen. Neben der bereits erwähnten Bibliographie findet sich im Anhang des 463seitigen Buches noch eine "Zeittafel der Freimaurer und Monarchen Englands und Schottlands" (inklusive den Lordprotectors Oliver und Richard Cromwell), ein Fußnoten- und Quellennachweis und ein Personenregister. Abschließend sei noch erwähnt, dass sich für die deutsche Übersetzung - wie bereits bei den vorausgegangen Büchern - Laurence Gardners die Schauspieler Sabina Trooger und Vincento Benestante verantwortlich zeichnen.
4 Amazonsterne für ein Sachbuch, bei dem zwar nicht immer alles Gold ist, was glänzt, das jedoch spannender zu lesen ist als Dan Browns neuester Roman.