Dieses Buch hat meiner Meinung nach eigentlich überhaupt keinen Stern verdient! Ich habe es Gestern durch Zufall in einem Buchladen gesehen, es durchgeblättert und die Dinge die mich am meisten interessiert hatten durchgelesen. Und ich muss sagen soviel Unsinn habe ich noch nie in einem Buch gelesen! Wie kommt der Autor darauf, dass Betreuungskräfte in Kitas (er benutzt weder das Wort Erzieher noch das Wort Kinderkrippe), junge Frauen sind, welche selbst keinen Kinder haben und eher wenig gebildet sind? Ich finde das eine absolute Anmassung und eine Beleidigung für alle engagierten Erzieherinnen welche in einer Krippe arbeiten und mit ganzem Herzen dabei sind! Ich selbst arbeite seit knapp eineinhalb Jahren in einer Krippe und habe davor eine fünfjährige Ausbildung (welche alles andere als ein Zuckerschlecken war) mit Fachabitur gemacht!
Um mich kurz zu fassen gebe ich kurz die "schlimmsten" Behauptungen des Autors wieder und schreibe meine eigene Erfahrungen dazu:
1. "Viele Kinder welche eine Kita unter 3 besucht haben neigen eher zu Agressionen, Ungehorsam und haben eher Probleme in ihrem Leben." Das ist eine absolute Verallgemeinerung! Weil wenn es stimmen würde müssten alle Erwachsene welche in den neuen Bundesländern groß geworden sind agressiv sein oder Probleme in ihrem Leben haben, weil diese Erwachsenen waren ja fast alle in einer Krippe. Auch in vielen anderen Ländern müssten alle Kinder sowie Erwachsene diese Probleme haben, denn es gibt vielen Länder in denen ist ein Krippenbesuch etwas ganz normales. Auch die Kinder welche ich täglich auf der Arbeit um mich habe zeigen weder eine erhöhtes noch ein gerringeres Agressionspotiental wie andere Kinder in diesem Alter.
2. "Die Kinder kommen in einer Krippe nie richtig zur Ruhe, auch in der Mittagspause welche selten richtig ruhig ist nicht." Wenn dem so wäre, dann frage ich mich, warum viele Kinder bei uns in der Einrichtung jeden Mittag fast 2 Stunden durchschlafen. Auch sonst haben die Kinder immer wieder die Möglichkeit zur Ruhe zu kommen und z. B. auf unserem Schoss zu kuscheln, oder sich ein Buch anzuschauen. Kleinere Kinder mit erhöhten Schlafbedarf haben genauso die Möglichkeit am Morgen schon in ruhe zu schlafen.
3. "Stillere Kinder werden von den Betreuern gerne übersehen und gehen im Alltag unter." In meiner Einrichtung achten wir Erzieher ganz besonders auf die stilleren Kinder und beziehen sie immer wieder ins Spiel mit ein. Sie bekommen von usn genauso viel Aufmerksamkeit und Zuwendung wie alle anderen Kinder auch, wenn nicht sogar nich mehr, Meist sind die Kinder auch eher am Anfang schüchtern und zurückhaltend. Wenn sie erstmal aufgetaut sind lernen wir meistens noch ganz andere (selbstbewusstere) Seiten von dem Kind kennen.
4. "In den Kitas herscht eher eine kalte Atmosphäre." Wir achten darauf, dass bei uns eine sehr warme und herzliche Atmosphäre und eine kindgerechte Umgebung ist. Dafür bekommen wor von den Eltern auch häufig ein Lob und viele positive Rückmeldungen.
5. "Die Betrreuerinnen sind alle überfordert und nehmen sich wann immer sie können eine Auszeit." Wenn ich das machen würde, dann hätte ich absolut meinen Beruf verfehlt und außerdem hätte ich meine Arbeit dann bestimmt nicht mehr lange. Wir sind alle höchst motiviert auf der Arbeit und noch mehr engagiert! Außerdem hätten wir dann bestimmt nicht alle eine so gute Beziehung zu den Kindern, dass viele Morgens schon auf uns zustürmen und uns gleich drücken wollen. Genauso würden manche Kinder am Nachmittag wohl kaum unbedingt in der Krippe bleiben wollen und sogar manchmal weinen wenn sie nach Hause sollen, wenn wir uns ständig eine Auszeit nehmen würden, oder es bei uns so kalt wäre!
Das waren die 5 wichtitgesten Punkte, obwohl ich es noch weiter führen könnte.
Zum Schluss möchte ich noch ein paar allgemeine Dinge sagen:
1. Natürlich mag es Kinder geben, welche nicht für eine Krippe geeignet sind. Ich denke das muss man von Kind zu Kind individuell sehen und es liegt auch an der Erziehung und Einstellung der Eltern.
2. Es macht meiner Meinung nach schon Unterschiede mit welche Alter die Kinder in die Krippe kommen. Ein Baby was schon krabbeln oder laufen kann, hat z. B. die Möglichkeit sich von einer Situation zu entfernen wenn es ihm zuviel wird. Ein Säugling kann das noch nicht und ist dann hilflos ausgeliefert. Das ideale Alter für den Start in der Krippe ist meiner Meinung und Erfahrung nach ungefähr von 10 bis 18 Monaten. in dieser Zeit fällt den Kindern auch die Eingewöhnung meist auch am leichtesten.
3. Um auch kleineren Kindern gerecht zu werden sollte mindestens 3 Erzieher auf 12 Kinder kommen (in Hessen ist der neue Schlüssel 3 Erzieher auf nur noch 10 Kinder). Außerdem sollten in einer Gruppe nicht mehr wie 2 Kinder unter einem Jahr sein.
4. Um den natürlichen Bewegungsdrang der Kinder nach zu kommen und auch der Enge, sowie Lautstärke, in der Gruppe entgegen zu wirken, sollte viel Wert darauf gelegt werden mit den Kindern fast jeden Tag raus zu gehen. Damit die Kinder die Möglichkeit zum rennen und schreien haben, ohne das es stört.
5. Viele Familien können es sich Heute einfach nicht mehr leisten, dass ein Elternteil volle 3 Jahre zu Hause bleibt. Wenn die Großeltern dann nicht zur Verfügung steht bleibt häufig nur noch die Krippe. Woran es liegt wieso viele Familien sich 3 Jahre Babypause nicht mehr leisten können denke ich muss ich nicht weiter erwähnen (ich sage nur danke liebe Politiker).
Generell halte ich dieses Buch für sehr fragwürdig! Wenn jungen, leicht unsicheren, Eltern dieses Buch in die Hände fällt, dann sind sie völlig verunsichtert und werden ihr Kind bestimmt nicht in eine Krippe geben, da dieses Buch absolut gegen Krippen ist, ohne ein Gegenbeispiel zu zeigen, oder Hinweise zu geben wie man eine gute Krippe erkennt.
Am liebsten würde ich den Autor einmal zu uns in die Krippe einladen, damit er erlebt, dass es durchaus auch andere Beispiele für eine sehr gute Krippe gibt!!!