Das Buch propagiert richtigerweise das Prinzip Bewegung ist Leben mit vielen Aspekten und Hinweisen. Zwei Aussagen im Buch spiegeln allerdings das ganze Dilemma im Verständnis und Behandlung der Volkskrankheiten beim Bewegen unseres Körpers wider:
Franziska van Almsick stellt fest: Während der akuten, schmerzhaften Phase hat man nur einen Gedanken: Bloß nicht bewegen, nicht belasten, nur entlasten. Doch das ist nicht richtig! Mein Geheimrezept: Hineintrainieren! Dann hilft man dem Körper, sich selbst zu heilen.
Nina Ruge sagt in ihren Tips für einen gesunden Rücken z.B.: Beim Zähneputzen gerade stehen, nur zum Ausspucken vorbeugen. Auch viele andere Ratschläge gehen in die Richtung der Vermeidung bestimmter Bewegungen (z.B. beim Heben von Gegenständen mit Gewicht)
Was denn nun? Nach 40-jähriger leidvoller Erfahrung mit Problemen beim Bewegen und den angebotenen Therapien sage ich: Franziska van Almsick hat Recht!
Der Schmerz hat doppelte Funktion:
1. er hindert uns daran, geschädigte Körperteile weiter zu belasten, um größere Schäden zu verhindern
2. er gibt uns Hinweise auf reparaturbedürftige Bereiche unseres Körpers, die wir besonders behandeln müssen, um wieder den alten Zustand zu erreichen.
Das Hineintrainieren in die schmerzhaften Bewegungen (das geht auch schon morgens bei Zähneputzen!) muss allerdings kombiniert werden mit Massagetechniken der betroffenen Muskeln, sonst landet man unweigerlich beim Hexenschuß, Bandscheibenvorfall etc. Der normale Mensch kann sich allerdings dafür keine hervorragenden Therapeuten wie Frau van Almsick leisten. Er ist auf Selbsthilfetechniken angewiesen.
Wer seinem Körper die Selbstheilung überlässt kommt in den meisten Fällen auch wieder in einen funktionsfähigen Zustand. Der Mangel bleibt bestehen, er wird aber durch geeignete Maßnahmen ausgeglichen (wie z.B. eine dauerhafte Bewegungseinschränkung, die wir nicht mehr bewusst wahrnehmen). Eine weitere Stufe abwärts zum typischen Bewegungsmuster alter Menschen vorn übergebeugt gehen mit kurzen Schritten- ist damit erreicht.
Auf diesem Weg könnten wir dann auch auf dem OP-Tisch des zweiten Autor des Buches, Herrn Drs. Horst Dekkers, landen.
Volkmar Brammer
Personal-Trainer