Die Hauptfigur des Buches, Pascaline Malon, erzählt aus ihrer eigenen
Perspektive - Anfang 40 ist die in Paris lebende Frau, frisch und
unfreiwillig geschieden steckt Pascaline voller Pläne und Ideen...
Der neue Schwung geht jedoch auf einen Schlag verloren, als sie nämlich
entdeckt, dass sich in ihrer neuen Wohnung einst ein abscheuliches
Verbrechen ereignete - ein inzwischen inhaftierter Serienmörder hat in
ihrem Schlafzimmer die damalige Vormieterin vergewaltigt und ermordet...,
Pascaline beginnt sich mit den Opfern des Serienmörders zu beschäftigen,
zieht sich zugleich immer mehr aus der Welt zurück, ist nahezu besessen von
dem Schicksal der jungen Frauen, bekommt wegen der ablenkenden Tagträume
und Gedanken zunehemd Probleme am Arbeitsplatz.... - der erneute
Wohnungswechsel gleicht einer Flucht, wovor sich Pascaline eigentlich
zurückzieht, wird im Verlauf der Handlung zunehmend klarer.
"Das Geheimnis der Wände" - ein Roman? Wohl eher eine Kurzgeschichte! Was
die Autorin, Tatiana de Rosnay, hier bietet, ist innerhalb einer Sitzung
gelesen - vorher würde man das Buch sowieso nicht aus der Hand legen
wollen, diese Geschichte übt nämlich eine ganz eigene Anziehungskraft aus,
begleitet von einer Mischung aus Mitleid und Unverständnis gegenüber der
die Orientierung verlierenden Pascaline Malon...
Namen und Figuren mögen rein fiktiv sein, die Mordserie hat es jedoch
tatsächlich gegeben, zugetragen hat sich eines der Verbrechen in einem
Nachbarhaus der Autorin - beim Anblick des in einer Winternacht
beleuchteten Fensters, eben dieser Wohnung, hat sich Tatiana De Rosnay
gefragt, mit welchen Augen man wohl eine Wohnung betrachten würde, wüsste
man, dass in den eigenen vier Wänden ein Menschenleben auf solch grausame
Art und Weise ausgelöscht wurde...?!
Warum ich zwei Sterne abgezogen habe? Pascaline verliert den Bezug zur Realität - obwohl sich die Situation verschärft, hat man trotzdem das seltsame Gefühl, dass die Handlung insgesamt auf der Stelle tritt - keine Ahnung, wie ich meinen gewonnenen Eindruck besser beschreiben könnte - die Geschichte entwickelt sich unterm Strich längst nicht ihren Möglichkeiten entsprechend, schade....
Die Autorin versteht wesentlich mehr von ihrem Handwerk - merkt man spätestens bei ihrem großartigen Roman "Sarahs Schlüssel" !