Dieses Buch ist keine moralische Standpauke und auch kein Kochbuch mit Rezepten zum Glück. Dieses Buch ist eine Fundgrube. Der Autor macht es sich nicht leicht mit schnellen Lösungen. Das Problem wird von einem erfahrenen Psychotherapeuten aus verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet - nicht selten mit einem Augenzwinkern, nie aber beliebig. Der Standpunkt ist klar: Treue kann ein Schlüssel für Lebensglück und -und das ist das Überraschende- Gesundheit sein. Menschen in langjährigen Partnerschaften und einem funktionierendem Familienleben leben länger, überstehen auch schwere Erkrankungen besser als Singles. Sie haben auch weit mehr Sexualität. Treue wird als Zeichen von Stärke vorgestellt, beliebte Argumente gegen die Treue als faule Ausreden entlarvt. Es sind eben nicht die Gene oder der Urmensch in uns oder die männlichen Hormone schuld daran, dass wir untreu werden. Seitensprünge gehen auf Beziehungsprobleme zurück, haben etwas zu tun mit Angst vor Nähe, mangelnder Fähigkeit, Konflikte auszutragen oder unersättlichem Bestätigungsdrang. Rechtzeitige Psychotherapie kann einen Scherbenhaufen verhindern und Krisen in Partnerschaften als Chance zur Weiterentwicklung zu nutzen. Alarmzeichen müssen allerdings ernst genommen werden: Depressionen, sexuelles Desinteresse, Kontrollzwänge, Psychosomatische Beschwerden. Das Versiegen der Leidenschaft in längeren Partnerschaften ist kein Naturgesetz und Impulse nach Abwechslung oder Ausbrechen aus einer festen Beziehung sollten hinterfragt werden. Die Kontinuität der Treue auch in Krisenzeiten gibt langfristig Halt, nicht zuletzt in einer Welt wirtschaftlicher Instabilität und unruhigen sozialen Wandels. Der Alltag mit täglicher Anteilnahme und Zuwendung und wechselseitiger Wertschätzung und Anerkennung bedeutet Kraftquelle und Bollwerk zugleich, gegen die Erfahrung der Austauschbarkeit des Einzelnen, der Wurzellosigkeit und Relativierung des Wertes der Individualität durch Forderungen nach immer mehr Flexibilität in immer stärker befristeten Arbeitsverhältnissen. Was bedeutet dann, sich selbst treu zu bleiben? Die Antworten auf diese Frage münden in einen spannenden Prozess, der die Beziehungen zum Partner und zu Freunden belebt, und damit auch das Verhältnis zu sich selbst. Die Kontinuität und Treue in der Liebe fällt einem nicht in den Schoß und ist auch nicht durch einfache Willensentscheidung garantiert. Es gilt vielmehr, die Fallstricke schneller Lösungen zu durchschauen und sich mit den letztlich faszinierenden Untiefen menschlicher Gefühle und Leidenschaften vertraut zu machen und mit diesen umgehen zu lernen. Keine Angst vor Treue! Das ist die wohl wichtigste Botschaft. Eine gute Partnerbeziehung kann darüber entscheiden, dass wir uns mit uns selbst in erfüllter Sexualität und das heisst auch unserem Körper wohl fühlen. Das Buch umkreist gekonnt das Geheimnis der Treue ohne es zu entzaubern und provoziert durch humorvolle Verbindlichkeit ohne moralisierend aufdringlich zu missionieren oder zu verurteilen. Helmut Albrecht