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5.0 von 5 Sternen
Buch gekauft und begeistert, 15. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Das Geheimnis des Todestriebs: Sigmund Freuds düsteres Vermächtnis (Broschiert)
Weil dieses Buch unsere bla bla Selbstverständlichkeiten einfach nicht Ernst nimmt. Freud wird hier an dem gemessen, was er selbst in die Welt gesetzt hat. Das was oft so schwer verständlich wirkt, ist es nur deshalb, weil es den Regeln" des Unbewussten folgt. Einfach genial wie hier der tiefere (weil unbewusste) Zusammenhang der von Freud fast zeitgleich verfassten Schriften Jenseits des Lustprinzips" und Massenpsychologie und Ich-Analyse" herausgearbeitet wird. Oder der Zusammenhang der These vom primären Narzissmus mit dem Mythos vom Urvater-Monster. Was der Autor hier tut, ist Freud in seiner primären Argumentation so bedingungslos ernst zu nehmen, dass er dessen nachträgliche Rationalisierungen beiseite lassen kann. Und so kommt er zu dem Schluss, dass unser Ich das Subjekt des Todestriebs ist. Das ist äußerst schlüssig. Nicht erwähnt hat der Autor das Argument der Postmoderne, dass das Ich sich selbst auflöst. Aber das ist genau die Bestätigung seiner These. Das Ich zerstört sich selbst, bleibt nur als formale Klammer über, die keinen Bezug mehr zum echten Leben hat. Interessant und völlig überraschend fand ich auch den relativ langen Abschnitt über die Erkenntnis- und Evolutionstheorie von Jean Piaget. Von dem kannte ich bisher nur seine Kinder- oder Entwicklungspsychologie. Hier wird dagegen Schritt für Schritt Piagets Theorie vom Todestrieb entwickelt, die der von Freud fast aufs Haar gleicht. Allerdings ist dieser Teil des Buchs wirklich mit Abstand der schwierigste. Wer sich nicht schon vorher mit Biologie und Erkenntnistheorie beschäftigt hat, gerät dabei so wie ich schnell ins Trudeln. Aber das schadet dem Gesamtergebnis nicht.
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4.0 von 5 Sternen
Freud mit seinen eigenen Mitteln schlagen?, 29. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Das Geheimnis des Todestriebs: Sigmund Freuds düsteres Vermächtnis (Broschiert)
Eigentlich eine Anmaßung. Ein burgenländischer Psychologe schreckt davor nicht zurück und behauptet, Freud habe seine eigene Theorie verdrängt. Ein Irrwitz? Ja, schon, aber ein dann doch recht gut begründeter Irrwitz. Er behauptet, Freud habe völlig richtig erkannt, dass es einen regelrechten Todestrieb gibt, also einen zwanghaften Drang zur Zerstörung libidinöser, lebendiger ebenso wie kultureller Bindungen. Freud konnte die für ihn offensichtliche Tatsache eines solchen Triebs nicht verleugnen, wohl aber dessen Ursache verdrängen. Und so schiebt er diese soweit weg wie nur möglich. An den Beginn des Lebens. Weil es einfach nicht sein kann und darf, dass sein bekannter Stehsatz Wo Es war soll Ich werden" der Anfang von allem Übel ist. Das ist die Kernaussage dieses Buchs. Freud verdrängt die Einsicht, dass es seine (und unsere) bedingungslose Fixiertheit auf das Ich, auf die individuelle Unabhängigkeit ist, die der Auslöser und der Motor des Todestriebs ist. Ist das plausibel? Na selbstverständlich! Wir zerstören Schritt für Schritt alle historisch gewachsenen menschlichen Selbstverständlichkeiten und bleiben am Ende als einsame, orientierungslose Ichs über, die dann in einer diffus empfundenen Halt- und Sinnlosigkeit depressiv werden und/oder wild um sich schlagen. Das ist ja nichts wirklich Neues. Das kann man eher beschwichtigend auch bei Ulrich Beck oder eher kritisch bei Richard Sennett nachlesen. Das, was dieses Buch hervorhebt, ist die kompromisslose Gleichsetzung dieser Dynamik mit jener von Freuds Todestrieb. Pommerenke weist akribisch über alle dazu relevanten Schriften Freuds nach, dass die Dynamik des Todestriebs ausschließlich im Zusammenhang mit dessen Ich-Begriff zu verstehen ist. Dieses Ich ist im Gegensatz zu Es und Über-Ich keine libidinöse, sondern eine formale, logische Struktur, die man erst bei Descartes und Kant findet. Freuds zwanghafte Intention, dieses formale, nicht lebendige Ich dem libidinösen Geschiebe von Es und Über-Ich von allem Anfang an vorauszusetzen, erzwingt geradezu die Annahme eines ursprünglichen Todestriebs. Aber dort gehört er nicht hin. Erst wenn ich mit Descartes und Kant ICH" sage, entsteht der Todestrieb. Den detaillierten Nachweis dieser These kann ich nicht beurteilen. Pommerenke verlangt stellenweise eine Konzentration, die mich als durchschnittliche Leserin schon mal überfordert. Aber das ist ja vielleicht auch die Stärke dieses Buchs. Es wird nicht einfach behauptet und so dahin gesagt, sondern argumentiert und bewiesen. Das ist schon gut so, aber eben stellenweise nur mühsam zu lesen. Der Autor gibt dies an mehreren Stellen auch entschuldigend zu. Ein Stern Abzug und vielleicht macht er es beim nächsten Mal ja besser.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Titel ist nicht Inhalt!, 7. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Das Geheimnis des Todestriebs: Sigmund Freuds düsteres Vermächtnis (Broschiert)
Der Titel gaukelt ein Werk S. Freuds vor, doch ist es dann nur eine Analyse, Diskussion, des vorgegaukelten Werkes von einem Psychologen. Hier wird also einzig mit dem berühmten und bekannten Namen S. Freuds verkauft - und das um gutes Geld. Der Inhalt des Buches ist kaum für Einsteiger geeignet - viele lat. Ausdrücke, fachspezifische Begriffe etc.. Es wird jedoch zugegebenermaßen wissenschaftlich diskutiert, womöglich sogar wertvoll, doch braucht es teilweise mehrfaches Lesen zum Verständnis. Insgesamt sind wir der Ansicht, daß hier irreführende Werksbezeichnung Käufer anlockt. Daher nur 3 von 5 Punkten.
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