Haben Sie Lust, sich eine Kriminalgeschichte erzählen zu lassen? Dann sollten Sie zum Buch "Das Geheimnis der Pineta" greifen. Kenner der Bücher des Autorenduos Fruttero & Lucentini wissen, dass der Erzählstil der beiden jeder Geschichte angepasst ist. Das Ergebnis sind ganz besonders intensive und in sich stimmige Leseerfahrungen. Beim Geheimnis der Pineta, deren Handlung wie von einem Erzähler meisterhaft vorgetragen scheint, erleben wir eine Sternstunde dieser hohen Erzählkunst. So wie diese beiden (und der Übersetzer) mit der Sprache umzugehen wissen, ist wirklich bemerkenswert. Des weiteren kann die Geschichte dadurch begeistern, dass wichtige Charaktere sich im Laufe der Geschichte weiterentwickeln und man als Leser immer mehr den Eindruck hat, diese Menschen kennen zu lernen. Die Erzählung ist atmosphärisch dicht und ohne Längen. Gleichwohl entwickeln sich die Geschehnisse eher leise und unspektakulär, als dass sie sich überstürzen, ganz der ermittelnden Hauptperson entsprechend, die eher ein Freund der leisen Töne ist. Dies mag dem einen oder anderen Leser langweilig erscheinen. Wer sich aber darauf einlässt, erfährt ein ausgesprochen anregendes Lesevergnügen.
Einen Makel hat dieses Buch allerdings tatsächlich: die Auflösung des Falles wirkt teilweise arg konstruiert. Trotzdem gebe ich alle fünf Sterne, denn am Ende des Buches überwiegt der Abschiedsschmerz, weil man die liebgewonnenen Bewohner der Pineta zurücklassen muss und nicht die Entäuschung über eine konstruierte Auflösung.