Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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44 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein fliegender Geschichten-Teppich!, 21. August 2008
Rafik Schami ist seit über 35 Jahren in Deutschland zu Hause.
Seine syrischen Wurzeln und seine Kindheit in Damaskus hat er aber stets im Herzen.
In seine Erzählungen und Romane fließen stets Elemente aus beiden Erzähltraditionen ein. Das macht seine orientalisch inspirierte Dichtkunst so einzigartig.
Auch sein neues Buch "Das Geheimnis des Kalligraphen" funktioniert wie ein fliegender Teppich. Rund um die eigentliche Romanhandlung erzählt Schami mit Fabulierlust "von Hölzchen auf Stöckchen", lässt ganze Generationen von verrückten Onkeln, übergewichtigen Nachbarinnen und ganze Gassen mit fliegenden Händlern vor dem geistigen Auge des Lesers vorüberziehen. Dabei verliert er seinen roten Erzählfaden jedoch niemals aus den Augen.
Damaskus in den Fünfziger Jahren: Nura, die Frau des Kalligraphen Hamid, flieht gemeinsam mit dem Christen Salman aus ihrem bedrückenden Eheleben. Denn ihr Mann hat schon lange das Interesse an ihr verloren. Dies gilt allein einer Reformierung der arabischen Schrift. Damit macht sich Hamid allerdings zum Mittelpunkt einer politischen Verschwörung.
Wer zieht wirklich die Fäden?
Und welche Wahrheit ist die Richtige?
Wie in das Gassengewirr einer orientalischen Altstadt dringt der Leser in diesem Buch in die Geheimnisse der Kalligraphie ein.
Zwischen kostbarem Papier, geheimen Tintenmixturen und uraltem, nur mündlich weitergegebenen Wissen um die Schrift entsteht nebenbei ein dramatischer Liebesreigen.
Auch in seinem neuen Buch entwickelt Rafik Schami ein großartiges Panorama aus unvergesslichen Figuren und unzähligen kleinen Geschichten, die sich mühelos in die Haupthandlung einfügen.
Farbig, sinnlich und voller Fantasie erzählt Rafik Schamit von Geburt und Tod, Liebe und Verrat.
Wundervolles Kopfkino!
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schami ist einfach wunderbar - einer der ganz großen Erzähler der Neuzeit!, 7. November 2009
Salman liebt seine Mutter über alles. Doch er kann sie nicht vor dem brutalen, ständig betrunkenen Vater beschützen. Immer wieder schlägt der seine Frau, immer wieder liegen sich Mutter und Sohn danach in den Armen und trösten einander. Wäre nicht Sara, ein Nachbarmädchen, Salman würde diese ständig wiederkehrende Qual nicht überleben. Dank der klugen Sara aber lernt Salman, der dumme, schlanke, segelohrige Salman, Lesen und Schreiben, Mathematik und vor allem eine innere Stärke zu erlangen, die niemand zerstören kann. Durch Zufall bessert sich seine Lage. Er findet einen verletzten Welpen, der zu einem gewaltigen Hund und vor allem zu einer Gefahr für den sinnlos um sich schlagenden Vater wird. Jahrelang können Salman und seine Mutter dank dem Hund ruhig schlafen. Und als Salman eines Tages den Kaffeehausbesitzer Karam mit Hilfe seines Hundes aus einem reißenden Fluss birgt und ihm damit das Leben rettet, scheint sich auch seine Zukunft in freundlicheren Farben zu zeigen. Der dankbare Karam verschafft ihm einen Job beim berühmten Kalligraphen Hamid Farsi. Er erhält von Karam den Auftrag, die Geheimnisse dieses Großmeisters seiner Zunft zu lüften und so selbst irgendwann ein guter Kalligraph zu werden und sein Leben selbst in die Hand nehmen zu können. Salman ahnt nicht, dass Karam eigene Pläne mit dem Wissen über Hamid Farsi hat.
Salman macht seine Sache gut und lernt unermüdlich. Doch eines Tages betraut ihn sein Meister mit einem besonderen Botengang. Er soll von nun an täglich zu Farsis Haus eilen und das Mittagessen des Meisters von dessen Frau Nura entgegennehmen und ihm bringen. Und wider Erwarten verlieben sich der schüchterne Salman und die von der Ehe mit Hamid enttäuschte Nura ineinander.
Rafik Schami erzählt. Er trägt im Prolog (und später auch im Epilog) seines Romans "Das Geheimnis des Kalligraphen" eine kleine Geschichte vor. Ein Gerücht, das in den Gassen von Damaskus der späten 50er Jahre die Runde macht und von der Flucht von Nura, der Frau des berühmten Kalligraphen Hamid Farsi, berichtet, wird vom Autor genüsslich ausgebreitet.
Dann beginnt der Autor zu erzählen. Vorgetragen von Markus Hoffmann, wird man scheinbar endlos in das Leben von Salman eingeführt, und immer wieder abrupt auch in das Leben von Nura. Diese Geschichten, angereichert mit Dutzenden weiterer kleinerer Begebenheiten und eigenen Geschichten, laufen ohne jeden Berührungspunkt lange nebeneinander her. Immer wieder fragt sich der Hörer, worin der Reiz dieser beider Leben besteht, wo der Sinn, diese Lebensgeschichten so ausufernd zu beschreiben. Man lernt Damaskus kennen, die komplizierten und teils menschenverachtenden Zustände, das Nebeneinander der Religionen, die Bedeutung der Kalligraphie für Syrien, Damaskus und die gesamte Arabische Welt.
Doch warum Salman und Nura? Es entzieht sich lange der Kenntnis des Hörers, scheinen doch diese Leben einfach zu weit voneinander weg zu verlaufen, um sich überschneiden zu können. Erst als Salman eine Stelle als Laufbursche bei Hamid Farsi erhält, ahnt man, dass es doch eine gemeinsame Zukunft für die beiden geben könnte.
Doch warum wird nun ein ganz anderer Mann in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt? Warum verlässt Rafik Schami diesen Handlungsschwerpunkt? Wieder eröffnet sich ein Reigen anderer Schicksale, kleiner Geschichten und seltsamer Geschehnisse. Doch fast unmerklich beginnen sich die unzähligen losen Fäden miteinander zu verweben, ergeben sich erste Zusammenhänge und mit einem Mal wird es spannend, ja, sogar dramatisch.
Rafik Schami schafft es scheinbar mühelos, den Leser in seine Welt zu ziehen und nicht mehr los zu lassen. Wie bei einem Märchen aus Tausend und einer Nacht kann man nicht mehr ablassen von den vielen Schicksalen und Tragödien. Dabei entfaltet Schami eine Meisterschaft sowohl alle Fäden zu einem eigenen Schluss zu führen und in wenigen Sätzen enden zu lassen, als auch alle Handlungsstränge mit einem offenen, hoffnungsvollen Ausblick zu versehen.
Fast atemlos folgt man ihm immer tiefer in diesen Dschungel an Schicksalen und verliebt sich in diese Menschen, die inmitten einer tröstlichen und hassenswerten Religion ihren Weg zu finden versuchen. Tröstlich, weil niemand ohne Religion, ohne Gott eine Heimat hat, hassenswert, weil Menschen in ihrer Verblendung diese Religion verfremden, entwürdigen und pervertieren.
Schamis Romane sind immer zugleich eine Liebeserklärung an sein Geburts- und Heimatland Syrien, an Damaskus und dessen Bewohner und eine Anklage an die Fanatiker und Mächtigen und deren Wahn, einen falsch verstandenen Gottesstaates zu errichten und alles Ungläubige zu vernichten.
In diesem Sinne ist "Das Geheimnis des Kalligraphen" ein Wunderwerk. Der Hörer versteht die Liebe und die Pein, die den Autor immer wieder hoffen und verzweifeln lässt, seine unerschöpfliche Fantasie zu nutzen, den Damaszenern literarisch zu ihrem Recht auf ein glückliches Leben zu verhelfen.
Diese fünfhunderteinundzwanzig Minuten sind ein einziger farbiger, unendlich schöner Bilderbogen an Geschichten, den man einfach gehört haben muss. Dank Markus Hoffmann und seiner tiefen, angenehmen Stimme, seiner Fähigkeit, Leid und Glück, Not und Hoffnung, Dramatik und Ruhe herauf zu beschwören, sollte man diesem Hörbuch unbedingt eine Chance geben. Fast seufzend trauert man nach dessen Ende den vielen Stunden nach, die man in dieser fremden Welt versinken durfte.
Sehr gelungen ist auch das Layout dieses Hörbuchs. Die sehr feste Pappschachtel, das Titelbild, die sehr schön gestaltete Oberfläche der sieben CDs und kurze Informationen zu Hoffmann und Schami runden das Bild einer perfekten Produktion ab.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine meisterhafte Erzählung, 1. Januar 2009
Selten findet man einen Roman, der die drei wesentlichen Elemente eines guten Buches - interessante Charaktere, eine spannende Handlung und eine dichte Atmosphäre - so gekonnt vereint wie `Das Geheimnis des Kalligraphen' von Rafik Schami. Man taucht ein in die Welt des Damaskus der fünfziger Jahre, verliert sich in den schönen Bildern die der Autor mit reichen Worten zeichnet ohne dabei jemals langweilig zu werden. Diese anschaulichen Beschreibungen sind es, die, neben vielen weiteren Elementen, der Geschichte einen so realistischen Anstrick verleihen, dass ein Leser, der sich nicht mit der Geschichte Syriens befasst hat kaum zwischen Fiktion und Realität unterscheiden kann, so geschickt ist die Handlung in den historischen Rahmen eingefügt.
Wenn man dem Roman eine Schwäche vorwerfen könnte, dann vielleicht, dass alles so langsam anläuft. Nach dem spannenden Prolog folgt erstmal ein großer zeitlicher Sprung in die Vergangenheit. Die Kindheit der Protagonisten wird geschildert und auf den ersten hundert, hundertfünfzig Seiten plätschert die Handlung nur etwas vor sich hin. Diese Zeit braucht der Leser aber auch um sich in die damalige Zeit und die Gesellschaft des Orients einzufühlen und er braucht sie vor allem, um all die vielen Charaktere kennen zu lernen. Rafik Schami wechselt dabei sehr häufig die Perspektive und fast jeden Kapitel der ersten Hälfte des Buches ist aus der Sicht einer anderen Person geschrieben. Und dabei schafft Schami etwas ganz außergewöhnliches, was kaum ein Autor vermag: Er gibt jeder einzelen seiner Figuren - und es sind mehrere Dutzend - ein Gesicht. Alle Charaktere erscheinen äußerst plastisch und realistisch und obendrein wirken sie auch sympathisch - man spürt, dass sich Schami mit jeder seiner Figuren auseinandergesetzt und sie ins Herz geschlossen hat. Es gibt kein `Gut' und kein `Böse', alle Charaktere handeln aus ihrer Sicht aus nachvollziehbaren Gründen.
Und weil diese positive Haltung allen Figuren gegenüber auch auf den Leser überspringt, entsteht daraus auch die große Spannung des Romans: Man möchte erfahren wie es mit dem Kalligraphen Hamid, seiner Frau Nura, dem jungen Christen Salman und dem Frauenheld Nassri weitergeht, leidet und hofft mit ihnen.
Daneben lernt man viel über die Gesellschaft und die Sitten des Orients und bekommt einen Einblick in die Kunst der Kalligraphie, die im Lauf des Romans immer mehr in den Mittelpunkt rückt. Denn was als breit angelegtes Personentableau und Wirrwar zahlloser Handlungsstränge beginnt spitzt sich zu zu einem religiös-politischen Konflikt um eine radikale Reform der arabischen Schrift.
Eine herrliche Geschichte also, fernab der vielen seichten Romane, die man vielfach in Regalen der Buchhändler findet. Wer anspruchsvolle und zugleich farbenprächtige Literatur, ein klassisches `gutes Buch' sucht, der ist hier genau richtig.
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