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Das Geheimnis der Götter - Osiris: Roman
 
 
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Das Geheimnis der Götter - Osiris: Roman [Taschenbuch]

Christian Jacq , Anja Lazarowicz
2.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

„Eine großartig geschriebene, hinreißende Geschichte!“ (France Soir )

„Jacqs Erfolgsrezept: Der Leser taucht ein in eine farbenprächtige Welt voller Geheimnisse und Symbole!“ (L’Express )

„Christian Jacq hat endlich wieder eine unvergessliche Ägypten-Saga geschrieben – so faszinierend, fesselnd und opulent wie sein legendärer Ramses-Zyklus!“ (Obermain-Tagblatt )

Kurzbeschreibung

Das große Finale der faszinierenden Saga!

Das Böse hat sich unbemerkt in Abydos, dem Herzen Ägyptens, eingeschlichen, um Pharao Sesostris endgültig zu vernichten. Der Mord an Iker, dem Königlichen Sohn und Ehemann der Priesterin Isis, trifft das Land schwer. Hat der Prophet nun endgültig gesiegt? Oder gelingt es Ises und ihrem Vater Sesostris im letzten Augenblick noch, Ägypten aus den Klauen des Propheten zu retten? Dazu müssen allerdings die Reliquien von Osiris nach Abydos gebracht werden, damit Iker wieder zum Leben erweckt werden kann ...

Klappentext

"Eine großartig geschriebene, hinreißende Geschichte!"
France Soir

"Jacqs Erfolgsrezept: Der Leser taucht ein in eine farbenprächtige Welt voller Geheimnisse und Symbole!"
L'Express

"Christian Jacq hat endlich wieder eine unvergessliche Ägypten-Saga geschrieben - so faszinierend, fesselnd und opulent wie sein legendärer Ramses-Zyklus!"
Obermain-Tagblatt

Über den Autor

Christian Jacq, 1947 in der Nähe von Paris geboren, promovierte an der Sorbonne in Ägyptologie. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit schrieb er außerordentlich erfolgreiche belletristische Werke. Seine Romane, allen voran der große Ramses-Zyklus, wurden weltweit vierzig Millionen Mal verkauft, was ihm den Beinamen „Pharao der Auflagen“ einbrachte. Von Osiris verkaufte er allein in Frankreich 800.000 Exemplare.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

In Abydos dämmerte es. Ein heiß ersehnter und zugleich gefürchteter Morgen brach an - der erste Tag des neuen Jahres. Würde an diesem ganz besonderen Tag die Nilflut einsetzen, von der Ägyptens Wohlergehen abhing? Trotz ausgiebiger Nachforschungen in den Archiven und trotz der erforderlichen Maßnahmen, die die Fachleute von Elephantine ergriffen hatten, sah sich keiner von ihnen in der Lage, eine glaubwürdige Vorhersage zu liefern. Wie würde die bevorstehende Schwemme ausfallen: segensreich, zerstörerisch oder unzureichend? Vor Angst war allen die Kehle wie zugeschnürt, aber sie vertrauten weiter auf Sesostris. Seit dieser Pharao über die Zwei Länder herrschte, prallten die Angriffe des Bösen an diesem unbeirrbaren und unerschütterlichen Hünen ab. Oder hatte er etwa nicht über die Selbstsucht der Provinzfürsten gesiegt, das Land wieder vereint und in Nubien für Frieden gesorgt?
Der Oberbefehlshaber über die Sondertruppen, die für die Sicherheit von Abydos zuständig waren, machte sich keine ernsthaften Sorgen. Sein Vorgesetzter, der alte General Nesmontu, war davon überzeugt, dass Sesostris den Geist des Nils beherrschte. Dank der Rituale, die gefeiert worden waren, und der Opfergaben, die man gebracht hatte, konnte das Wasser nur gleichmäßig steigen. Trotz dieser Gewissheit kam der Offizier seiner Pflicht nach und überprüfte jeden Morgen mit äußerster Strenge die Besucher, ehe sie das heilige Reich
von Osiris betreten durften. Vom Bäcker bis hin zum Brauer, vom Schreiner bis zum Steinmetz untersuchte er jeden einzeln und vermerkte die Dauer ihres Aufenthalts in Abydos. Jeder, der unentschuldigt fehlte, Mann oder Frau, wurde von ihm unverzüglich aus der Liste der Zugelassenen gestrichen.
Ein groß gewachsener bartloser Mann in einem weißen Leinengewand und mit kahl geschorenem Schädel trat vor ihn.
»Welche Arbeit gibt es heute für dich?« »Ich soll die Dienstwohnungen der ständigen Priester ausräuchern.«
»Wie lange brauchst du dafür?« »Mindestens drei Wochen.«
»Und wer ist hier dein Vorgesetzter?«, wollte der Offizier wissen.
»Der Priester Bega.«
Dieser Hinweis war mehr als ausreichend. Bega galt als sehr streng und war bekannt für seine Unnachgiebigkeit, seine Untergebenen hatten bestimmt nicht viel zu lachen.
»Bleibst du nur bis heute Abend?«
»Nein«, antwortete der Mann, »ich habe die Erlaubnis, in einer Dienstunterkunft zu schlafen.«
»Oh, die sind hier nicht gerade bequem ausgestattet! Viel Glück.«
Der Kommandeur ahnte nicht, dass er gerade dem Erzfeind Ägyptens, dem Propheten, den Zutritt zu Abydos gewährt hatte. Seit kurzem bartlos und mit einem Turban auf dem Kopf gab er sich für einen Zeitweiligen aus, den sein getreuer Diener, Shab der Krumme, aus dem Weg geräumt hatte, damit der Prophet auf ordentlichem Weg nach Abydos gelangen und dort seiner Beute auflauern konnte: dem Königlichen Sohn Iker.
Als Hüter der himmlischen Erleuchtung und der einzigen
Wahrheit war der Prophet fest entschlossen, diese auf der ganzen Welt zu verbreiten, koste es, was es wolle. Entweder unterwarfen sich ihm die Ungläubigen, oder sie wurden vernichtet. Auf dem Weg zur Verbreitung des neuen Glaubens gab es nur noch zwei Hindernisse: Pharao Sesostris und die Mysterien des Osiris.
Alle Versuche, den König zu ermorden, waren bisher gescheitert. Er wurde zu gut beschützt und schien unangreifbar. Deshalb hatte sich der Prophet entschlossen, an dessen Stelle den jungen Iker zu töten, den viele bereits als Nachfolger des Herrschers betrachteten. Sollte ihm dieses Verbrechen mitten im Reich von Osiris - der »Insel der Gerechten« - gelingen, würde er dies als unverletzlich geltende Heiligtum entweihen, die Quelle der ägyptischen Spiritualität zum Versiegen bringen und dieses so geduldig errichtete Bauwerk in Trümmer legen.
Langsam ging der Prophet auf den »Ausdauernden Ort« zu, eine kleine Stadt, die Sesostris erst vor kurzem in Abydos hatte bauen lassen.
»Na, zufrieden mit deiner Stelle?«, fragte ihn ein Gärtner gut gelaunt.
»Ja, sehr.«
»Dann bist du ja gut dran, mein Freund! Sie zahlen hier zwar nicht schlecht, zugegeben, aber dafür muss man auch ganz schön schuften. Und die vielen Aufseher sind wirklich nicht zum Scherzen aufgelegt. Tja, schließlich dienen wir dem Großen Gott. Verdammter Stolz, was? Aber wenn ich an die ganzen Neider denke... Was hast du hier eigentlich genau zu tun?«
»Häuser ausräuchern.«
»Oh, ein schöner Beruf! Immerhin musst du dir nicht die Hände schmutzig machen. Und dir tut auch bestimmt nicht der Rücken weh. Also dann, an die Arbeit! Bei der Hitze wird man dich brauchen. Stell dir nur vor, was erst los ist, wenn die Flut zu schwach oder zu stark wird! Mögen uns die Götter vor diesem Unglück bewahren.«
Der Prophet lächelte. Kein Gott konnte Abydos beschützen.
Dies Gelände zu erkunden, gefiel ihm ausgezeichnet. Während ihn die Sicherheitskräfte und Soldaten in ganz Ägypten suchten, im syrischen Palästina und in Nubien, bewegte er sich völlig ungehindert mitten im Reich von Osiris, das er zu vernichten gedachte. Zugegeben, den Zeitweiligen war der Zugang zu den geheimen Bereichen verwehrt, und der Prophet konnte die geistige Festung Ägyptens, die noch uneinnehmbar war, bisher nur umrunden. Doch dank der bedingungslosen Unterstützung durch den ständigen Priester Bega, der nun ein Gefolgsmann des Bösen war, durfte er damit rechnen, dass sich die Dinge sehr bald zu seinen Gunsten wendeten.
Der »Ausdauernde Ort« hatte keinerlei Ähnlichkeit mit irgendeiner anderen Stadt. Hier hielten sich Ritualisten, Handwerker und Verwalter auf, die für den einwandfreien Zustand und Betrieb der Tempel und ihrer Nebengebäude zuständig waren. Unmittelbar der Krone unterstellt, fehlte es diesen Fachkräften an nichts. Jeder, der dort lebte und arbeitete, war von der Anwesenheit Osiris' durchtränkt, legte dementsprechend einen besonderen Ernst an den Tag und stellte sich immer wieder dieselbe bedrückende Frage: War der Baum des Lebens wirklich geheilt?
Der Prophet beließ die Zuversichtlichen in ihrem Irrglauben. Das Gold aus Nubien und aus Punt hatte zwar seine Wirkung gezeigt, und die wieder ergrünte große Akazie war ein prachtvoller Anblick. Ohne diesen Baum war die Auferstehung von Osiris unmöglich. Deshalb setzte man alles daran, dass ihn kein neuer böser Fluch traf. Aus der Ferne konnte der Prophet die Akazie trotz seiner außerordentlichen Macht nicht mehr angreifen. Doch jetzt war er in ihrer Nähe und konnte den Schutzwall zerstören, der den Baum des Lebens umgab, und ihm seine Kraft rauben.
Die Stimmung, die an diesem Ort herrschte, störte ihn. Abydos, das Tor zum Himmel, das Land des Schweigens und der Gerechtigkeit, durchdrang jede Seele. Beherbergte das »Große Land« nicht auch den See des Lebens? Seit Anbeginn des Pharaonentums lebten die Schöpfungskräfte von den Ritualen, die hier für sie gefeiert wurden. Wie gefühllos man auch sein mochte - dieser Stimmung konnte sich niemand entziehen.
Der Auftrag, den der Prophet zu erfüllen hatte, war ganz eindeutig: Osiris durfte auf keinen Fall wiederauferstehen. War es ihm erst gelungen, diesem Wunder ein Ende zu setzen, konnte er den wahren und einzigen Glauben verbreiten. Da dieser als alleinige Lehre und zugleich als Herrschaftsform diente, konnte mit diesem Glauben die gesamte Menschheit unterjocht werden. Von da an müsste jeder Gläubige Tag für Tag die gleichen unveränderlichen Sprüche aufsagen, jede Form von Gedankenfreiheit wäre untersagt. Und selbst wenn sich hie und da irgendwelche Führergestalten in der irrigen Meinung erheben sollten, sie könnten das Schicksal eines Volkes in ihre Hand nehmen, würde sie diese Lehre ganz von allein außer Gefecht setzen. Leichtgläubigkeit und Gewalt nährten sie immer von neuem.
Der Prophet schüttelte sich wie ein nasser Hund. Die Kraft, die von den Tempeln ausging, schwächte ihn und drohte, seine Pläne zu vereiteln. Trotzdem durfte er nichts...

Auszug aus Osiris. Das Geheimnis der Götter von Christian Jacq, Anja Lazarowicz. Copyright © 2008. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

In Abydos dämmerte es. Ein heiß ersehnter und zugleich gefürchteter Morgen brach an - der erste Tag des neuen Jahres. Würde an diesem ganz besonderen Tag die Nilflut einsetzen, von der Ägyptens Wohlergehen abhing? Trotz ausgiebiger Nachforschungen in den Archiven und trotz der erforderlichen Maßnahmen, die die Fachleute von Elephantine ergriffen hatten, sah sich keiner von ihnen in der Lage, eine glaubwürdige Vorhersage zu liefern. Wie würde die bevorstehende Schwemme ausfallen: segensreich, zerstörerisch oder unzureichend? Vor Angst war allen die Kehle wie zugeschnürt, aber sie vertrauten weiter auf Sesostris. Seit dieser Pharao über die Zwei Länder herrschte, prallten die Angriffe des Bösen an diesem unbeirrbaren und unerschütterlichen Hünen ab. Oder hatte er etwa nicht über die Selbstsucht der Provinzfürsten gesiegt, das Land wieder vereint und in Nubien für Frieden gesorgt?
Der Oberbefehlshaber über die Sondertruppen, die für die Sicherheit von Abydos zuständig waren, machte sich keine ernsthaften Sorgen. Sein Vorgesetzter, der alte General Nesmontu, war davon überzeugt, dass Sesostris den Geist des Nils beherrschte. Dank der Rituale, die gefeiert worden waren, und der Opfergaben, die man gebracht hatte, konnte das Wasser nur gleichmäßig steigen. Trotz dieser Gewissheit kam der Offizier seiner Pflicht nach und überprüfte jeden Morgen mit äußerster Strenge die Besucher, ehe sie das heilige Reich
von Osiris betreten durften. Vom Bäcker bis hin zum Brauer, vom Schreiner bis zum Steinmetz untersuchte er jeden einzeln und vermerkte die Dauer ihres Aufenthalts in Abydos. Jeder, der unentschuldigt fehlte, Mann oder Frau, wurde von ihm unverzüglich aus der Liste der Zugelassenen gestrichen.
Ein groß gewachsener bartloser Mann in einem weißen Leinengewand und mit kahl geschorenem Schädel trat vor ihn.
»Welche Arbeit gibt es heute für dich?« »Ich soll die Dienstwohnungen der ständigen Priester ausräuchern.«
»Wie lange brauchst du dafür?« »Mindestens drei Wochen.«
»Und wer ist hier dein Vorgesetzter?«, wollte der Offizier wissen.
»Der Priester Bega.«
Dieser Hinweis war mehr als ausreichend. Bega galt als sehr streng und war bekannt für seine Unnachgiebigkeit, seine Untergebenen hatten bestimmt nicht viel zu lachen.
»Bleibst du nur bis heute Abend?«
»Nein«, antwortete der Mann, »ich habe die Erlaubnis, in einer Dienstunterkunft zu schlafen.«
»Oh, die sind hier nicht gerade bequem ausgestattet! Viel Glück.«
Der Kommandeur ahnte nicht, dass er gerade dem Erzfeind Ägyptens, dem Propheten, den Zutritt zu Abydos gewährt hatte. Seit kurzem bartlos und mit einem Turban auf dem Kopf gab er sich für einen Zeitweiligen aus, den sein getreuer Diener, Shab der Krumme, aus dem Weg geräumt hatte, damit der Prophet auf ordentlichem Weg nach Abydos gelangen und dort seiner Beute auflauern konnte: dem Königlichen Sohn Iker.
Als Hüter der himmlischen Erleuchtung und der einzigen
Wahrheit war der Prophet fest entschlossen, diese auf der ganzen Welt zu verbreiten, koste es, was es wolle. Entweder unterwarfen sich ihm die Ungläubigen, oder sie wurden vernichtet. Auf dem Weg zur Verbreitung des neuen Glaubens gab es nur noch zwei Hindernisse: Pharao Sesostris und die Mysterien des Osiris.
Alle Versuche, den König zu ermorden, waren bisher gescheitert. Er wurde zu gut beschützt und schien unangreifbar. Deshalb hatte sich der Prophet entschlossen, an dessen Stelle den jungen Iker zu töten, den viele bereits als Nachfolger des Herrschers betrachteten. Sollte ihm dieses Verbrechen mitten im Reich von Osiris - der »Insel der Gerechten« - gelingen, würde er dies als unverletzlich geltende Heiligtum entweihen, die Quelle der ägyptischen Spiritualität zum Versiegen bringen und dieses so geduldig errichtete Bauwerk in Trümmer legen.
Langsam ging der Prophet auf den »Ausdauernden Ort« zu, eine kleine Stadt, die Sesostris erst vor kurzem in Abydos hatte bauen lassen.
»Na, zufrieden mit deiner Stelle?«, fragte ihn ein Gärtner gut gelaunt.
»Ja, sehr.«
»Dann bist du ja gut dran, mein Freund! Sie zahlen hier zwar nicht schlecht, zugegeben, aber dafür muss man auch ganz schön schuften. Und die vielen Aufseher sind wirklich nicht zum Scherzen aufgelegt. Tja, schließlich dienen wir dem Großen Gott. Verdammter Stolz, was? Aber wenn ich an die ganzen Neider denke... Was hast du hier eigentlich genau zu tun?«
»Häuser ausräuchern.«
»Oh, ein schöner Beruf! Immerhin musst du dir nicht die Hände schmutzig machen. Und dir tut auch bestimmt nicht der Rücken weh. Also dann, an die Arbeit! Bei der Hitze wird man dich brauchen. Stell dir nur vor, was erst los ist, wenn die Flut zu schwach oder zu stark wird! Mögen uns die Götter vor diesem Unglück bewahren.«
Der Prophet lächelte. Kein Gott konnte Abydos beschützen.
Dies Gelände zu erkunden, gefiel ihm ausgezeichnet. Während ihn die Sicherheitskräfte und Soldaten in ganz Ägypten suchten, im syrischen Palästina und in Nubien, bewegte er sich völlig ungehindert mitten im Reich von Osiris, das er zu vernichten gedachte. Zugegeben, den Zeitweiligen war der Zugang zu den geheimen Bereichen verwehrt, und der Prophet konnte die geistige Festung Ägyptens, die noch uneinnehmbar war, bisher nur umrunden. Doch dank der bedingungslosen Unterstützung durch den ständigen Priester Bega, der nun ein Gefolgsmann des Bösen war, durfte er damit rechnen, dass sich die Dinge sehr bald zu seinen Gunsten wendeten.
Der »Ausdauernde Ort« hatte keinerlei Ähnlichkeit mit irgendeiner anderen Stadt. Hier hielten sich Ritualisten, Handwerker und Verwalter auf, die für den einwandfreien Zustand und Betrieb der Tempel und ihrer Nebengebäude zuständig waren. Unmittelbar der Krone unterstellt, fehlte es diesen Fachkräften an nichts. Jeder, der dort lebte und arbeitete, war von der Anwesenheit Osiris' durchtränkt, legte dementsprechend einen besonderen Ernst an den Tag und stellte sich immer wieder dieselbe bedrückende Frage: War der Baum des Lebens wirklich geheilt?
Der Prophet beließ die Zuversichtlichen in ihrem Irrglauben. Das Gold aus Nubien und aus Punt hatte zwar seine Wirkung gezeigt, und die wieder ergrünte große Akazie war ein prachtvoller Anblick. Ohne diesen Baum war die Auferstehung von Osiris unmöglich. Deshalb setzte man alles daran, dass ihn kein neuer böser Fluch traf. Aus der Ferne konnte der Prophet die Akazie trotz seiner außerordentlichen Macht nicht mehr angreifen. Doch jetzt war er in ihrer Nähe und konnte den Schutzwall zerstören, der den Baum des Lebens umgab, und ihm seine Kraft rauben.
Die Stimmung, die an diesem Ort herrschte, störte ihn. Abydos, das Tor zum Himmel, das Land des Schweigens und der Gerechtigkeit, durchdrang jede Seele. Beherbergte das »Große Land« nicht auch den See des Lebens? Seit Anbeginn des Pharaonentums lebten die Schöpfungskräfte von den Ritualen, die hier für sie gefeiert wurden. Wie gefühllos man auch sein mochte - dieser Stimmung konnte sich niemand entziehen.
Der Auftrag, den der Prophet zu erfüllen hatte, war ganz eindeutig: Osiris durfte auf keinen Fall wiederauferstehen. War es ihm erst gelungen, diesem Wunder ein Ende zu setzen, konnte er den wahren und einzigen Glauben verbreiten. Da dieser als alleinige Lehre und zugleich als Herrschaftsform diente, konnte mit diesem Glauben die gesamte Menschheit unterjocht werden. Von da an müsste jeder Gläubige Tag für Tag die gleichen unveränderlichen Sprüche aufsagen, jede Form von Gedankenfreiheit wäre untersagt. Und selbst wenn sich hie und da irgendwelche Führergestalten in der irrigen Meinung erheben sollten, sie könnten das Schicksal eines Volkes in ihre Hand nehmen, würde sie diese Lehre ganz von allein außer Gefecht setzen. Leichtgläubigkeit und Gewalt nährten sie immer von neuem.
Der Prophet schüttelte sich wie ein nasser Hund. Die Kraft, die von den Tempeln ausging, schwächte ihn und drohte, seine Pläne zu vereiteln. Trotzdem durfte er nichts übereilen. Indem er das Salz von Seth zu sich nahm, bewahrte er sich seine Macht und sein zerstörerisches Feuer. Da der Ausgang des entscheidenden Kampfes ungewiss war, bewegte sich der Prediger mit den feurigen Augen sehr vorsichtig auf dem feindlichen Gelände.
Sesostris' Stadt war nach den Gesetzen der göttlichen Maßstäbe erbaut und schien ihn irgendwie vertreiben zu wollen. Als der Prophet in die Hauptstraße bog, kam ein heißer Wind auf und ließ ihn wie angewurzelt stehen bleiben. Er öffnete den Mund und sog diesen feindseligen Atem in sich ein.
»Geht es Euch nicht gut?«, fragte ein mit Besen und Putztüchern bewaffnetes Hausmädchen.
»Doch, doch, ich bewundere nur gerade unsere schöne Stadt. Verspricht es nicht ein herrlicher Tag zu werden?«
»Was, wenn ihn die Flut zu einem Unglückstag macht? Wollen wir hoffen, dass uns Osiris rettet!«
Der Prophet ging weiter und gelangte zur Wohnung des Priesters Bega, die angenehm schattig am Anfang einer kleinen Seitenstraße lag. Er schlug die Matte zurück, die den Eingang verhängte, und betrat einen kleinen Raum für den Ahnenkult.
Ein hässlicher Mann mit einer großen Nase fuhr bei seinem Anblick hoch.
»Ihr seid es... Hattet Ihr keine Schwierigkeiten herzukommen?«
»Nicht die geringsten, mein lieber Bega.«
»Dabei ist der Kommandeur hier zurzeit wirklich äußerst misstrauisch!«
»Anscheinend ähnle ich dem Zeitweiligen, den ich ersetze, so sehr, dass er keinen Verdacht geschöpft hat. Außerdem gehört es zu meinen größten Vergnügungen, derartige Überwacher zu überlisten.«
Bega, dessen Namen »Kälte« bedeutete, genoss jeden einzelnen Schritt seines Racheplans in vollen Zügen. Nachdem er viele Jahre in Abydos zugebracht hatte, wäre es nur recht und angemessen gewesen, ihn zum Oberpriester der Gemeinschaft zu ernennen und ihn in die großen Mysterien einzuweihen. Sesostris hatte sich aber anders entschieden, und für diese Erniedrigung musste er teuer bezahlen. Denn Bega war jetzt ein Diener von Seth, dem Mörder von Osiris, und für hohe Ämter vorgesehen. Mit eiserner Faust würde er über die Tempel Ägyptens herrschen. Bald würde ihn jeder hoch achten und ihm blindlings gehorchen, doch zuvor wollte er die waghalsigen Pläne des Propheten in die Tat umsetzen, denn nur mit seinem neuen Meister konnte er seine Hassgefühle befriedigen.
Eiskalt machte Bega mit dem Schluss, was er früher einmal verehrt hatte. Von seiner Vergangenheit als Ritualist und Diener des Osiris war nichts mehr übrig. Und Abydos, das lange Zeit sein Lebensmittelpunkt gewesen war, stand jetzt nur noch für Groll und Verbitterung. Dessen großes Geheimnis wollte er schänden, und der bevorstehende Untergang dieses erhabenen Reichs bereitete ihm schon jetzt ein gewaltiges Vergnügen. Wenn erst der Pharao und die ständigen Priester beseitigt und Frauen von allen geistlichen Ämtern ausgeschlossen waren, gehörten die Reichtümer des Osiris endlich ihm.
»Hast du Shab getroffen?«, fragte der Prophet. »Er versteckt sich in einer Kapelle in der Nähe der Terrasse des Großen Gottes und wartet auf Eure Anweisungen.« »Gibt es dort keine Streifgänge?«
»Kein Weltlicher darf dieses Gelände betreten. Hin und wieder kommt ein Priester oder eine Priesterin dorthin, um in sich zu gehen. Ich habe einen abgelegenen Platz ausgesucht, an dem Shab nicht gestört werden wird.«
»Beschreibe mir die Schutzvorkehrungen, mit denen der Baum des Lebens abgesichert ist.«
»Sie sind unüberwindlich!«
Der Prophet setzte ein merkwürdiges Lächeln auf. »Beschreibe sie mir«, wiederholte er mit einer Stimme, die so sanft war, dass Bega das Blut in den Adern gefror.
Das winzige Seth-Mal, das in die Innenfläche seiner rechten Hand gebrannt war, färbte sich rot.
Ein heftiger Schmerz veranlasste ihn, sofort zu reden.
»Um den Baum des Lebens wurden vier Akazien gepflanzt. Dank ihrer magischen Fähigkeiten stellen sie ein ständiges Kräftefeld dar, das nichts von außen durchdringen kann. Diese Akazien verkörpern die vier Söhne des Horus. Ein Schrein in Gestalt von vier Löwen verstärkt ihre Wirkung noch. Diese Wächter, die niemals ihre Augen schließen, ernähren sich von Maat. Und das Wahrzeichen der Provinz Abydos, versehen mit einem Versteck, in dem sich das Geheimnis des Osiris verbirgt, beseelt diesen Schrein. Wer ihn zu berühren wagt, wird vom Blitz erschlagen. Außerdem ist da noch das Gold aus Punt und aus Nubien: Es umhüllt den Stamm der Akazie und macht ihn unangreifbar.«
»Du scheinst ja nicht sehr zuversichtlich, mein Freund.«
»Ich sehe den Tatsachen ins Auge, Herr!«
»Hast du etwa vergessen, über welche Kräfte ich verfüge?«
»Natürlich nicht, aber all diese Schutzmaßnahmen.«
»Jede Festung, selbst wenn sie magischer Natur ist, hat eine Schwachstelle, und die werde ich entdecken. Darf man den Tempel von Sesostris betreten?«
»Nur, wenn man eine Aufgabe hat, die einen dorthin führt.«
»Besorge mir so eine Aufgabe, wenn ich mit dem Ausräuchern fertig bin.«
»Das ist sehr schwierig, weil .«
»Keine Ausflüchte, Bega. Ich muss ganz Abydos kennen lernen.«
»Aber Herr, nicht einmal ich darf alle Heiligtümer betreten!«
»Zu welchen ist dir der Zutritt versagt?« »Zur ewigen Ruhestätte von Sesostris und zum Grab von Osiris, dessen Tor versiegelt bleiben muss. Hinter diesem Tor
ist die Schale verborgen, in der sich das geheime Leben des Gottes verbirgt.«
»Wird sie manchmal hervorgeholt?«
»Das weiß ich nicht.«
»Warum bist du darüber nicht unterrichtet, Bega?«
»Weil die Rangordnung es mir nicht erlaubt! Jeder ständige Priester, einschließlich meiner Person, hat eine ganz bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Unser Oberpriester, der Kahle, wacht darüber, dass sich jeder an diese Regeln hält. Beim kleinsten Fehler wird der Schuldige verstoßen.«
»Das heißt also, du wirst keinen Fehler machen. Käme ein Scheitern deinerseits nicht auch einem Verrat gleich?«
Wenn der Prophet mit ihm sprach, war Bega vollkommen hilflos und konnte nur willenlos gehorchen.
Die verführerische Stimme einer jungen Frau ließ ihn seine Angst vergessen.
»Darf ich hereinkommen? Ich habe Brot und Bier für Euch.«
Der Prophet schob selbst die Matte zur Seite, damit sie eintreten konnte.
In der Tür erschien eine hübsche, dunkelhäutige Frau mit kleinen, runden Brüsten. Mit der linken Hand stützte sie den Korb, den sie auf dem Kopf trug; in der rechten hielt sie einen Krug. Sie hatte einen blauschwarz gestreiften Rock mit einem blauen Gürtel an, um die Hand- und Fußgelenke trug sie schlichte Reifen. Mit lebhaften, sehr sinnlichen Bewegungen stellte Bina ihre Last ab, kniete sich vor den Propheten und küsste ihm die Hände.
»Die Königin der Nacht«, erklärte der zufrieden. »Auch wenn sie sich nicht mehr in die schreckliche Löwin verwandeln kann, ist sie doch noch immer in der Lage, beträchtlichen Schaden anzurichten.«
»Du... du hast kein Recht, hier zu sein!«, empörte sich Bega.
»Ganz im Gegenteil«, entgegnete sie scharf. »Ich wurde gerade zur Dienerin der ständigen Priester ernannt, die ich ab sofort täglich mit Lebensmitteln und Kleidung zu versorgen habe.«
»Hat der Kahle dem zugestimmt?«
»Der Kommandeur der hiesigen Sicherheitskräfte konnte ihn überzeugen, dass er wohl keine ergebenere und fleißigere Dienerin finden dürfte. Trotz seines Misstrauens ist auch dieser strenge Offizier nur ein Mann. Mit meiner Bescheidenheit habe ich ihn für mich eingenommen.«
»Dann gelangst du also ganz in die Nähe des ranghöchsten Mannes von Abydos«, stellte der Prophet erfreut fest. »Der ständige Priester, der über das Grab von Osiris wacht, ist von nun an dein Hauptangriffsziel.«
»Seid sehr, sehr vorsichtig«, riet ihnen Bega besorgt. »Mit Sicherheit hat der Kahle Vorsichtsmaßnahmen getroffen, von denen ich nichts weiß. Kein Mensch ahnt, welche Kräfte Ihr in Bewegung setzt, wenn Ihr dieses Heiligtum entweihen wollt.«
»Was den ersten Punkt anbelangt, so erwarte ich von dir genaueste Angaben. Das andere braucht dich nicht zu bekümmern.«
»Aber Herr, Osiris ist so mächtig, dass .« »Hast du noch immer nicht verstanden, dass Iker und Osiris für alle Zeit verschwinden werden?«

2

Isis war die erste Frau, der Iker sein Herz geschenkt hatte, und es würde keine andere geben. Auch für Isis war und blieb Iker der erste und einzige Mann. In ihrer ersten Liebesnacht besiegelten sie ein ewiges Bündnis, das weit über körperliche Begierde und Leidenschaft hinausging. Eine höhere Macht hatte ihre Zukunft zu einem gemeinsamen Schicksal gemacht.
Womit hatte er so viel Glück verdient? Er durfte mit Isis in Abydos leben... Das konnte nur ein Traum sein, der gleich zerplatzen würde! Deshalb öffnete Iker in Erwartung einer schrecklichen Enttäuschung ganz vorsichtig die Augen.
Sie war da, neben ihm. Mit ihren geheimnisvollen grünen Augen sah sie ihn an. Zärtlich liebkoste er ihre himmlisch sanfte Haut und bedeckte ihr unvergleichlich schönes Gesicht mit Küssen.
»Du bist also doch da. Bist du es auch wirklich?«
Der Kuss, den sie ihm zur Antwort gab, hatte nichts Unwirkliches.
»Sind wir wirklich bei dir in Abydos?«
»Bei uns«, berichtigte sie. »Wir wohnen zusammen, weil wir jetzt verheiratet sind.«
Iker fuhr hoch.
»Es steht mir nicht zu, die Tochter von Pharao Sesostris zu heiraten!«
»Wer sollte dir das verbieten?« »Vernunft, Anstand...«
Ihr Lächeln hinderte ihn daran, nach weiteren Gründen zu suchen.
»Ich bin ein Nichts, ein Niemand.«
»Bitte keine falsche Bescheidenheit, Iker. Du bist Königlicher Sohn und Einziger Freund, und du hast einen Auftrag zu erfüllen.«
Er stand auf, lief durch das Zimmer, berührte das Bett, die Wände, die Truhen, dann nahm er Isis in die Arme.
»So viel Glück... Ich wünschte, dieser Augenblick würde ewig dauern!«
»Er hört nie mehr auf«, versprach sie ihm. »Doch auf uns warten dringende Aufgaben.«
»Ohne dich wird mir nichts gelingen.« Zärtlich nahm Isis seine Hand.
»Bin ich etwa nicht deine Frau? Wenn wir auch fern voneinander sein sollten, so wirst du doch meine Gegenwart spüren, und meine Gedanken gehören dir allein. Wir sind für immer eins. Nicht einmal ein Windhauch kann sich jetzt noch zwischen uns schieben. Und unsere Liebe wird uns über die Grenzen unseres irdischen Daseins führen.«
»Werde ich mich deiner wirklich als würdig erweisen?«
»In guten und in schlechten Zeiten sind wir eins, Iker. Und kein Tod wird uns trennen.«

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