Offen gesagt lasse ich mich nur selten zur Lektüre eines historischen Romans hinreißen, da mich nur wenige wirklich interessieren, doch Michael Schneiders Roman sprang mich in der Buchhandlung förmlich an. Ein ansprechendes Cover und der Name eines Mannes im Titel, der seit Jahrhunderten von Mythen umwoben ist: Cagliostro.
Schneiders Roman beginnt im Jahr 1789 mit dem Prozess der Inquisition gegen den geheimnisvollen Adligen, Wunderheiler und Alchimist. In dessen Verlauf entdeckt der Großinquisitor Zelada die Memoiren des Angeklagten, und so erfahren er und die Leser von Cagliostros Leben und Wirken.
Der Graf mit dem gewaltigen Vermögen und einer begehrenswerten Gattin enttarnt sich als ein Mann niederer Abstammung, der durch List und Klugheit den Weg nach oben schaffte, wobei er sich oftmals über die Regeln seiner Zeit hinwegsetzte. Fällt es anfangs noch vermeintlich leicht, Cagliostro (der mit bürgerlichem Namen Guiseppe Balsamo hieß) als Hochstapler und Scharlatan zu bezeichnen, lernt man im Verlauf des Romans einen Mann kennen, der in Folge seines ehrgeizig-verzweifelten Strebens nach sozialer Anerkennung zu einer der schillerndsten Figuren der europäischen Geschichte aufstieg, ehe er 1785 in die so genannte "Halsbandaffäre" verwickelt wurde.
Trotz der 700 Seiten wurde mir das Lesen zu keinem Moment langweilig. Der Autor hält seine Erzählung durchgehend auf spannendem und gleichzeitig hohem Niveau (was wieder einmal beweist, dass das eine das andere nicht ausschließen muss). Zudem umschippert Schneider gekonnt die Lücken in der Biografie seines Protagonisten, indem er ihn eingangs erklären lässt, dass er sich nicht immer ganz im Klaren sei, ob er nun Wahrheit oder Fiktion zum Besten gäbe. Das, so Cagliostro, sei wohl der Fluch eines ausschweifenden Daseins, das aus unzähligen Lügengeschichten besteht.
Fazit:
Spannende Unterhaltung mit hohem Informationswert über eine der faszinierendsten Personen, von denen ich je gehört habe.