Man verzeihe mir dieses saudämliche Wortspiel, aber John Dunnings Kriminalroman "Das Geheimnis des Buchhändlers" gehört wirklich zu den eher zähflüssigen Vertretern des Genres - und hätte ich ihn nicht als Hörbuch für lange Autofahrten vorliegen gehabt, so wäre nun ein von mir nicht sonderlich geschätzter Mitmensch um ein nutzloses Geburtstagsgeschenk reicher.
Die Geschichte beginnt damit, dass der ehemalige Polizist Cliff Janeway, der mittlerweile zum Antiquar umgesattelt hat, auf einer Auktion eine wertvolle Erstausgabe eines Reiseberichts des berühmten Forschers Richard Francis Burton erwirbt, die eine geheimnisvolle handschriftliche Widmung des Verfassers trägt. Kurze Zeit später wird Janeway von einer alten Dame aufgesucht, die behauptet, das Buch habe ihrem Großvater gehört, der mit Burton am Vorabend des Bürgerkrieges eine Zeitlang durch den amerikanischen Süden gereist sei. Die alte Dame eröffnet dem Antiquar außerdem, daß man ihre Familie um einen regelrechten Bücherschatz signierter Erstausgaben von Burtons Büchern geprellt habe. Noch am selben Abend stirbt die alte Dame - und ist damit fein raus, denn die sich anschließende doch stellenweise recht zähe Verbrecherjagd bleibt ihr damit erspart. Bei seinen Ermittlungen nach den verlorenen Büchern trifft Janeway auf eine schöne und junge Anwältin, mit der er anbändelt, auf die exzentrische Hypnotiseurin Coco Bujack, auf zwei zwielichtige Brüder, die einen Buchhandel betreiben, auf einen fiesen Gangster, mit dem er eine Privatfehde führt, und auf einen arroganten Schriftsteller mit Schreibblockade.
All dies ist nicht sonderlich originell, was noch verzeihlich wäre, wenn die Handlung nicht immer wieder von langatmigen Intermezzen - wie etwa dem Geplänkel zwischen Janeway und seiner Erin, der eingehenden Schilderung der Formalitäten im Anschluß an den Tod der alten Dame oder der epischen Wiedergabe einer auch von manchen Anwesenden als langweilig empfundenen Abendgesellschaft - unterbrochen würde. Sicherlich gibt es einige spannende Stellen, doch die sind teuer erkauft mit Eimern von Geduld.
Auf der Plusseite dieses Buches stehen hingegen einige Passagen, in denen der Leser etwas über die Arbeitsweise von Buchscouts und die Hintergründe im Buchhandel lernt. Auch die Passagen, in denen wir über Burtons Reise durch den amerikanischen Süden erfahren, sind stellenweise interessant, doch auch hier gerät der Verfasser ins Mäandern. Wohlgemerkt, ich habe eigentlich nichts gegen das Mäandern, aber dies sollte nicht mit schalem Wasser geschehen.
Volker Brandt bemüht sich, die Geschichte lebhaft und spannend zu gestalten, doch auch er scheint sich dem Einfluß dieser sehr in die Länge gezogenen Erzählung nicht ganz entziehen zu können, denn bisweilen klingt sein Duktus doch recht großväterlich, und ich habe immer auf das Knarzen eines Schaukelstuhls im Hintergrund gewartet. Außerdem unterlaufen ihm an manchen Stellen falsche Betonungen - ich meine hier nicht einmal die konsequent beibehaltene falsche Aussprache des Wortes "Coroner" -, die den Sinn mancher Sätze entstellen.
Kurz und gut: Die Geschichte bietet einige bemerkenswerte Details über den Handel mit Büchern und kann neugierig machen auf den britischen Forscher Richard Burton, doch hätte sie an vielen Stellen deutlich gestrafft werden müssen, nicht zuletzt weil der Schreibstil Dunnings nicht wirklich literarisch ist, was handlungsarme Passagen erträglich machen könnte.
Vielleicht ist dieses Buch am Ende doch eher etwas für eingefleischte Dunning-Fans.