Zum Inhalt:
Maries Mutter stirbt bei der Geburt eines zweiten Kindes und Marie bekommt völlig unerwartet die Schuld daran und wird von der Inquisition eingekerkert. Doch mit Hilfe des Taschendiebs Ullrich und des Spielmanns Harald gelingt ihr die Flucht - seitdem heißt es, sich zu verstecken, aber natürlich muss es am Ende doch zum Gericht kommen.
Das Buch ist dramaturgisch nicht schlecht aufgebaut. Es geht zügig voran und in der Zusammenfassung (Klappentext) hört sich alles auch spannend und konfliktreich an. Das Problem ist nur: Der Klappentext sagt im Grunde schon alles, das Buch hat sonst nicht mehr viel zu bieten. Es ist ein Handlungsgerüst ohne Fleisch und ohne komplexere interessante Verflechtungen.
Wer aufgrund des Covers/Titels Hoffnung auf einen Hauch Fantasy haben sollte, wird aber nichts finden. Ebenso wird enttäuscht sein, wer auf einen richtigen historischen Roman mit vielen interessanten historischen Details hofft. Das Buch ist mehr ein historischer Thriller für Jugendliche. Die Handlung steht im Vordergrund, das Buch ist auch sehr dialogreich, es geht sehr zügig voran - was alles an sich nicht schlecht ist, schade nur, dass dadurch Weltbeschreibungen und Figurenausarbeitung extrem sparsam bleiben. - Thriller/Krimi-Niveau eben.
Pädagogischer Wert/Allgemeinbildung:
Dieses Buch ist selbst für Jugendliche (14-18 Jahre) meiner Meinung nach zu "schonend"/seicht geschrieben. Selbst in meiner Grundschule (!) hatte man uns mehr zugemutet. Als ich (jetzt 24) jugendlich war, hatte ich richtige dicke historische Romane aus dem Erwachsenenbereich gelesen und dadurch habe ich mehr über die damalige Zeit gelernt und mich für sie fasziniert, als wenn ich ein Buch wie dieses gelesen hätte.
Zielgruppe:
Ich habe so meine Probleme mit der Zielgruppe dieses Buches. Ich würde sie beschreiben als:
- weibliche Jugendliche,
- die angeblich unbedingt etwas "Historisches" lesen wollen,
- aber in Wahrheit möglichst wenig lesen wollen (die 380 Seiten sind "wunderbar" knapp bedruckt, so dass man sich einreden kann, viel gelesen zu haben)
- und es möglichst krimi-/thrillerspannend haben wollen (sowohl sprachlich als auch inhaltlich),
- zugleich aber auf keinen Fall schaurige Details irgendwelcher Art wollen.
Kurz: eine Nischen-Gruppe.
Wer aber bereits Fan von der Autorin ist, den möchte ich mit dieser Rezension nicht vom Kauf abhalten. Dies ist mein erstes Buch, das ich von ihr gelesen habe. Vergleiche zu ihren anderen Büchern kann ich also nicht ziehen.
Annette Scholonek