Meine Sicht der Dinge:
Rosamond Haswell, Lilly's Mutter, verlässt bei einer Nacht - und - Nebelaktion die Familie und ist seitdem nicht mehr gesehen. Die junge Frau übernimmt daher die Rolle der Mutter für ihren geistig zurückkgebliebenen Bruder und die Rolle als Geschäftspartnerin der väterlichen Apotheke. Doch das reicht Lilly nicht. Sie möchte mehr von der Welt sehen. Reisen, lernen und vieles mehr erleben, wonach ihr Herz schreit. Ihre Tante und Onkel bieten ihr die Möglichkeit und laden sie nach London ein. Das junge Mädchen kommt in den Genuss, zu reisen, fremde Sprachen zu lernen und in die angesehene Londoner Gesellschaft aufgenommen zu werden. Doch wir schreiben die Jahre 1810 - 1812, was bedeutet, Frauen haben nur diese Aufgaben: Einen geeigneten Partner finden, heiraten, Kinder kriegen und stets gute Manieren zeigen. Lilly ist gewillt, doch ihr Herzblatt lässt auf sich warten. Lilly bleibt nicht lange Zeit, über die verlorene Zeit zu trauern, denn sie erhält einen Brief aus Bedsley Priors, ihrer Heimat, der sie darüber informiert, ihr Vater sei schwer krank. Lillian zögert nicht, packt ihre Sachen und macht es sich zur Aufgabe, ihrem Vater zu helfen. Doch nicht nur diese Aufgabe wartet auf Lilly... Einiges will aufgeholt werden, Themen werden neu angeschnitten und die Vergangenheit scheint sie einzuholen... Das junge Mädchen fällt Entscheidungen, die ihr ganzes Leben verändern...
Meine Meinung:
Ich musste die Rezension jetzt schreiben, da die Leseeindrücke noch herrlich frisch sind, denn: Ich bin begeistert!
Seit ich ich meiner frühen Jugend intensiv angefangen habe zu lesen, war ich zwar seither ein eingefleischter Fantasyfan, doch auch historische Romane fanden Anklang. So zum Beispiel Romane, in denen die Entwicklung der Frauen thematisiert wird sprich: Meinungsfreiheit etc.
Der Klappentext hat mich wahnsinnig neugiereig gemacht und ich war gespannt, was mich erwartet. Julie Klassen entführt den Leser direkt in die Welt der Lilly Haswell, durch einen Prolog, der eine Jugenderinnerung aufgreift. Ich hatte absolut keine Probleme in die Geschichte einzufinden und war sogar direkt eingesogen und konnte das Buch kaum weglegen. Die Autorin hat einen besonderen Schreibstil, denn sie der Zeit angepasst hat. Kurze, klar Sätze, dennoch genug Romantik und Träumerei eingefügt. Klasse! Doch ich war nicht nur von dem Schreibstil begeistert, sondern von einigem mehr. So reist man gemeinsam mit der Protagonistin durch ihre Lebensgeschichte. Ich hatte stets das Gefühl, als gehöre ich zur Familie. Ich war nicht nur der stille Beobachter. Das Gefühl kam sehr schnell auf, weil Julie Klassen Charakteren geschaffen hat, die dem Leser direkt ans Herz wachsen. Meine liebsten Figuren waren natürlich Lilly, ihre Bruder Charlie und Francis, der Apotheker-Azubi ihres Vaters. Alle haben sich auf ihre Weise im Laufe der Geschichte entwickelt. Doch am meisten natürlich Lilly. Von einer jugendlichen Dame bis hin zur "vollendeten" Dame. Ich habe mit Lilly gelacht, geweint und gehofft. Auch hat das Buch mich über etwas grübeln lassen. Man macht sich zwar darüber lustig, wenn man früher, zur Schulzeit, ein Briefchen zugeschoben bekam, mit den Sätzen "Willst du mit mir gehen? Kreuze an..." Doch Klassen schaffte es, dass meine Gedanken noch weiter schweiften. Ich dachet an 1810... Es war sehr intim, wenn ein Mann die nackte Hand einer Dame, also ohne Handschuh, nahm... Wenn ein Herr der Dame von der Kutsche half und dabei ihre Taile nahm. Es waren die Kleinigkeiten, die so manches rotes Gesicht hervorgerufen haben. Und das fand ich wahnsinnig romantisch! Als hoffnungslose Romantikerin, war ich diesem Buch also verfallen! : ) So, bevor ich zum Fazit komme, möchte ich meine Lieblingszitate nennen. Denn beginnend bei jedem Kapitel gab es ein tolles Zitat, welches sich meistens auf Apotheker, Arzt bzw. Medizin bezog.
Gib etwas Bisam, guter Apotheker, meine Fantasie zu würzen.
:: Shakespeare ::
Die Kunst des Arztes besteht darin, die Patienten bei Laune zu halten, während die Natur die Krankheit heilt.
:: Voltaire ::
Fazit:
Ein Mix aus Entwicklung der Frauenrechte, Liebe, Hoffnung, Trauer und Freude. Julie Klassen schafft es, das "Das Geheimnis der Apotehekerin" mit all diesen Emotionen zu füllen, ohne das es dem Leser zu viel ist! Ich bin begeistert!