Ja, das Buch könnte man durchaus empfehlen, langweilig wird es eigentlich nicht. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, daß es sich hier um einen historischen Krimi im italienischen Bologna des 14. Jahrhunderts handelt. Und so ist er auch geschrieben: Es geht um mysteriöse Ritualmorde, historische Heilkunde, Alchimie, mittelalterliche Folter, Namen und Worte, sowohl in italienischer, als auch lateinischer Sprache. Während die Handlung und die Erzählsprache noch sehr verständlich sind, kommt man bei einigen Begriffen doch ins Schwanken. Denn wer weiß schon auf Anhieb, was "Opus Magnum", "Podestá", "Komturei" oder "Licentia docendi" bedeuten? ....es sei denn, er ist mit vergleichbaren Romanen oder den entsprechenden Sprachen vertraut. Ansonsten trägt am Ende des Buches ein (lobenswertes!) umfangreiches Glossar zum besseren Verständnis bei, was vermutlich keinerlei Wortfragen offen läßt.
Von der Geschichte selbst könnte man vielleicht etwas enttäuscht sein, wenn man sich zu sehr auf den Buchtitel fixiert hat, denn die dort als Leitfigur geführte Alchimistin taucht erst im letzten Drittel auf und macht zudem nicht all zuviel her, wie geglaubt. Und auch sonst könnte man andere Erwartungen an die gesamte Handlung hegen, wenn einem vor Erwerb des Buches die Inhaltsangabe des Buchrückens auf das Lesen neugierig gemacht hat. Denn das Interesse an Spannung und Handlung wird zwar ordentlich geweckt, bleibt jedoch hinter den Erwartungen zurück. Nur wer diese beiden Aspekte - "Alchimistin spät" und "besser keine Erwartungen haben" - außer acht läßt und mittelalterliche Geschichten mit alchimistischem Hintergrund mag, wird an diesem Buch seine Freude haben. Für diese Zielgruppe ist das Buch gemacht.