Der vorliegende, episodenhaft, aufgebaute Roman ist ein Meisterwerk, mit kleinen Mängeln. Gedankennetz beschreibt eine Zukunftsgesellschaft, die rein auf das funktionieren abgestimmt ist und in der jede Abweichung von der Norm (hohe Intelligenz, starke Emotionen) nicht toleriert wird. Die stumpfsinnige Gesellschaft von heute, funktionieren und konsumieren, ist davon leider nicht mehr allzu weit entfernt. Im Roman werden Abweichler Simulationen ausgesetzt um ihre Loyalität dem Staat gegenüber zu testen, was allerdings erst später im Roman deutlich wird. Der Held erlebt zwei Planetenabenteuer und fällt bei den Prüfungen durch. Mithilfe einer Frau wird er gerettet und sie fliehen aus der Stadt in den Untergrund, aber auch diese Flucht war nur eine Simulation, wobei diesmal die Frau getestet wurde. Beide werden einer Lobotomie unterzogen. Das Pendeln zwischen den Realitätsebenen ist sehr gut gelungen. Ebenso die Rahmenhandlung, die am Ende die labyrinthische Handlung zu einem meisterhaften Abschluß bringt. Die Bilder von der Flucht in den Untergrund (Kanalisationssystem), sind von einer eindringlichen Tiefe, die man nicht mehr vergessen wird. Ebenso das Bild einer Stadt, die die ganze Erde bedeckt. Die Kritik an gesellschaftlichen Fehlentwicklungen, wie Überwachungsstaat und Gedankenmanipulation sind offensichtlich und heute aktueller, als je zuvor. Das Buch ist uneingeschränkt zu empfehlen, vor allem im Hinblick auf die verdummenden Fantasyromane und Space Opera´s, die heute leider den Markt dominieren. Einziger Wermutstropfen sind die kargen Charakterisierungen und das Frauenbild, das stellenweise reichlich antiquiert wirkt, obwohl die Frau gelegentlich auch Initiative zeigt.