Georges Simenon wird immer noch von vielen als Autor von "Kriminalromanen" unterschätzt. Dabei sind auch seine Maigret-Romane genaue Sozialstudien und menschliche Psychogramme. André Gide schrieb: "Ich halte Simenon für einen großen Romancier, für den größten vielleicht und den authentischsten der heutigen französischen Literatur."
Besonders aber die "Nicht-Maigret-Romane" zeichnen sich als das aus, was Literatur sein soll: Sie zeigen Menschen im Konflikt.
Dieses Mal hat sich Simenon für und mit dem Leser ins Elsaß begeben. Man kann Simenon das Kompliment machen, dass er den Leser in über 400 Romanen nahezu immer an unterschiedliche Orte führt (auch Maigret lässt er häufig reisen). Oftmals schreibt Simenon ein Buch am Ort der Handlung - eine schöne Idee für den nächsten Urlaub ...
Natürlich geht es auch in diesem Buch um Liebe und Triebe - das Grundthema fast aller Bücher Simenons. Doch dieses Buch kommt ohne einen Mord aus. Es stirbt niemand - und alles findet ein fast gutes Ende.
Der Handlungsstrang ist in diesem Buch nicht so zwingend und die Vorrezensenten haben Recht, es werden einige Klischees strapaziert. Man sagt, Simenon habe fürs Elsaß und seine typische regionale Küche geschwärmt. Was liegt da näher als auch in dieser Region ein Buch zu platzieren. Dass es dann ein reines "Fleißwerk" wird, kann passieren. Dennoch findet der Leser die typische ruhige Erzählstimmung auch in diesem Buch wieder.