"Die Un-Arbeitlosen sind die wahren Frustrierten" - sagen die Autoren. Das ist ein ziemlich mutiger Spruch, wenn man bedenkt, dass Arbeitslosigkeit immer noch ein großes Problem hierzulande ist. Aber es ist auch irgendwie etwas Wahres daran: Wenn sich zig Millionen Menschen jeden Tag lustlos ins Büro schleppen und dort unbeteiligt ihre Zeit absitzen, dann verursacht das nicht nur einen hübschen volkswirtschaftlichen Schaden. Es macht für eine riesige Masse in unserer Gesellschaft das Leben jeden Tag erneut zur Qual. So gesehen haben die Autoren schon Recht, wenn sie dafür plädieren, auch "das Schicksal der Un-Arbeitslosen" ernster zu nehmen. Dieses Massenproblem ist bislang völlig unterschätzt, viele leiden einfach im Stillen vor sich hin. Dabei geht es fast allen gleich.
Die Autoren gehen das Thema in zwei Schritten an. Im ersten Teil des Buchs untersuchen sie die häufigsten Ursachen für Unzufriedenheit am Arbeitsplatz. Hier dürfte sich jeder irgendwo wieder finden: Zu wenig Geld, zu wenig Anerkennung, zu wenig Gestaltungsspielraum, alle Leute um einen herum nerven einfach nur noch. Jeder kennt das. Interessant wird es, wenn die Autoren erklären, warum diese Dinge immer und überall so sein werden. Jedes einzelne Problem untersuchen sie ausführlich. So gibt es zum Beispiel zum Thema Geld einige hoch spannende Studien, die belegen, dass wir von vornherein nie einen Job finden können, in dem wir "genug" verdienen. Die Suche nach einem solchen Job ist also von vornherein sinnlose Zeitverschwendung. Die Autoren belegen das u.a. mit dem so genannten "Zwei-Welten"-Experiment. Auch erklären sie einleuchtend, warum wir immer zu wenig Lob und Anerkennung bekommen werden, egal in welchem Job wir sind. Die Schlussfolgerung ist: Es ist egal, für wen wir arbeiten. Alle Jobs sind im Prinzip gleich. Die Probleme, über die wir klagen, sind untrennbar mit der Arbeitswelt und der menschlichen Psyche verbunden. Immer wieder den Job zu wechseln und zu hoffen "Beim nächsten Chef wird alles anders", ist daher naiv. Dieser Schlussfolgerung der Autoren wird man ohne Zweifel zustimmen, nachdem man ihre informativ-unterhaltsamen Ausführungen gelesen hat. Ich habe mich dabei ertappt, dass ich sehr oft beim Lesen einfach nicken musste. Es ist erstaunlich, was wir uns Tag für Tag so alles vormachen.
Aber die Autoren lassen uns mit dieser Erkenntnis nicht allein. Im zweiten Teil des Buchs gibt es ganz konkrete psychologische Übungen, die - anstelle eines Jobwechsels - für mehr Zufriedenheit sorgen können. So kann man lernen, seine materielle Zufriedenheit auch ohne ständigen Gehaltssprung zu steigern. Man kann mit einfachen Übungen seine Selbstachtung stärken und sich auf diese Weise unabhängig davon machen, ob der Chef gerade mal wieder einen schlechten Tag hat oder ausnahmsweise mit dem richtigen Fuß zuerst aufgestanden ist. Für die Kommunikation mit den Kollegen finde ich die Strategie der Ich-Botschaft" unschlagbar.
Insgesamt staunt man, wie viel man über sich selbst lernen und in seinem Leben ändern kann, wenn man sich mal ein kleines bisschen Zeit für sich selbst nimmt. Natürlich hängt das auch davon ab, was man aus den Erkenntnissen macht. Man kann im besten Fall viel für den Rest seines Lebens gewinnen - im schlechtesten Fall "verliert" man 19,90 Euro und einen Sonntagnachmittag Lesezeit. Dieses Risiko ist mehr als vertretbar.