»Du musst gegen dich und andere unbarmherzig sein. Spare immer.«
Das schärft Rajkas (Protagonistin dieses Werkes) Vater, einst einer der angesehensten Geschäftsleute Sarajevos und infolge seiner Gutmütigkeit bankrott gegangen, seiner Tochter auf dem Sterbebett ein. Streng hält sich die Fünfzehnjährige an seinen Rat, übernimmt den Haushalt, unterjocht die sanftmütige Mutter. Wie die Geschäfte des Fräuleins gedeihen, wie sie erfolgreich alle menschlichen Regungen verdrängt und schließlich bei der Begegnung mit dem jungen Ratko doch ihre Prinzipien über Bord zu werfen bereit ist, das erzählt dieser großartige Roman vom Leben einer Frau in den Metropolen Sarajevo und Belgrad während der österreichischen Herrschaft, der Wirren des Ersten Weltkriegs und der Nachkriegszeit.
Wie beinahe in allen seinen Werken, ist Ivo Andric auch in diesem darauf bestrebt, anhand von Einzelschicksalen, eine gesamte Zeitepoche auf dem Balkan zu schildern. Daneben beschreibt er Schritt für Schritt die immer größer werdende Unnachgiebigkeit Rajkas gegen sich selbst und ihre Umwelt, ja sogar gegen die eigene Mutter, die am störrischen Wesen ihrer Tochter zugrunde geht. Der Segen, den sich ihr Vater von seinen letzten Worten versprochen hat, erweist sich schließlich als Fluch. Die Sehnsucht nach Liebe und die enttäuschte Romanze mit Ratko besiegelt schließlich ihr Schicksal und macht sie zu einer Art androgynem Lebewesen, dass losgelöst von jeglichen Ansprüchen, eine heruntergekommene Existenz führt und sich sogar dass Allernötigste vom Munde abspart. Sicherlich nicht das stärkste Werk von Andric, - aber immerhin der einfühlsamste und vielleicht auch menschlichste Roman aus der berühmten Belgrader Trilogie