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Das Foucaultsche Pendel: Roman [Gebundene Ausgabe]

Umberto Eco , Burkhart Kroeber
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (170 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

1989
Drei Mailänder Verlagslektoren geraten zufällig an eine Geheimbotschaft des legendenumwitterten Templerordens. Sie machen sich an die Entzifferung, bauen aus zahllosen Elementen ein gigantisches Puzzle, erfinden selbst einen Plan, der zu nichts Geringerem führen soll als zur Beherrschung der Welt. Nicht nur die Templer - so scheint es - haben sich mit dem Plan beschäftigt, sondern sämtliche Geheimgesellschaften der Welt, von den Rosenkreuzern bis hin zu den Freimaurern. Die Weltgeschichte wird von den drei Zauberlehrlingen umgeschrieben. Doch dann wird aus dem intellektuellen Spiel blutiger Ernst: Menschen, die mit dem Plan zu tun haben, verschwinden oder werden ermordet, der Plan verselbständigt sich, wird unheimliche Realität ...

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 767 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser; Auflage: 1. (1989)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446153950
  • ISBN-13: 978-3446153950
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 13,8 x 4,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (170 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 237.327 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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"Seit die Menschen nicht mehr an Gott glauben, glauben sie nicht etwa an nichts mehr, sondern an alles." Alles, was existiert, ist Text, ist Begriff. Die Geschichte, das ist das Überlieferte, und das ist nichts anderes als Text. "Die Begriffe verbinden sich per Analogie, ...denn wenn man Zusammenhänge finden will, findet man immer welche, Zusammenhänge zwischen allem und jedem, die Welt explodiert zu einem wirbelnden Netz von Verwandtschaften, in dem alles auf alles verweist und alles alles erklärt." So entsteht Ecos "Großer Plan" von einer Weltverschwörung, der, auf historischen Realitäten basierend, nichts anderes ist, als ein Fälschungssystem, das wahr ist, weil es auf Analogien basiert. Alles ist wahr, nur die Verknüpfungen nicht. Es gibt keine Wirklichkeit außer der, die zwischen Partnern per Konsens verabredet wird. Mit dieser Formel wären wir (fast!) bei bei Lyotard angelangt, jenem Vertreter der Postmoderne, ohne den Eco kaum zu verstehen ist.

Was ist der "Große Plan" des Romans denn anderes als das "Erhabene", das nicht Darstellbare, aber Vorstellbare bei Lyotard? Die Idee vom unbeweglichen Punkt im Universum, an dem das Pendel aufgehängt ist? Oder jenes mystische Zentrum Agarttha? Den Verlust der "Großen Erzählungen" beklagt Eco nicht mehr. Vielmehr nutzt er die Möglichkeiten der Texte und erzählt mit den alten, großen Erzählungen neue Geschichten, Stories. Versucht Eco nicht auch, das narrative Wissen mit dem wissenschaftlichen zu verknüpfen, und ist es nicht zum Scheitern verurteilt, wie jeder Vereinheitlichungsversuch, schließlich werden sowohl Belpo als auch Casaubon verrückt? Schwindet sie nicht, die empirische Wirklichkeit? Zerstört Eco nicht den falschen Schein, der "im Glauben an höhere Ursprünge und Zwecke, an eine Teleologie des Weltablaufs besteht, und (lässt er nicht) die empirische Welt als eine prinzipiell scheinhafte vor uns erstehen?"

Belpo versucht indessen den ästhetischen Umgang mit der neuen Technologie, dem Computer, der ihn gar zum Schreiben bringt. Jene Technologie, die dem narrative Wissen den Todesstoß verpasst hat. Doch seine Texte sind nur als magnetische Spuren virtuell auf Diskette vorhanden. Die Auswirkungen der neuen Technologien (Computer, synthetisierte Bilder) sind der Gestalt, dass sie die traditionellen Dualismen des abendländischen Denkens sprengen und damit deren Kultur, für die diese Dualismen konstitutiv sind, verabschieden, wie Eco z.B. bei den grotesken, multimedialen, okkulten Zeremonien vorführt.

Eco parodiert die Denkweise der Hermeneutik (Okkultismus, Voodoo etc.) durch raffinierte scheinlogische Konstruktionen und wirft dabei alles durcheinander. Er gebiert sich radikal eklektizistisch. Das wäre gegen Lyotards Vorstellungen, aber der Eklektizismus, der herauskommt, erscheint so lächerlich wie Charles Moores Bau "Piazza d`Italia" in New Orleans. Das Ergebnis kann bei Ecos Denken nur als Parodie aufgefasst werden; die meisten Verrücktheiten des Romans sind schließlich hinterlistiges, intellektuelles Schelmentum!

Warum aber erzählt Eco die Geschichte der Templer in Westernmanier oder als Comic-Strip beim Whiskey in der Kneipe oder mit seiner Freundin im Bett? Etwa nur, um die nicht-Akademiker bei der (Lese)Stange zu halten? In den 60er Jahren und später waren jene Autoren, die sich in Kneipen und Betten bewegten und jeden modernen, elitären Anspruch von sich wiesen, Autoren wie Ferlinghetti, Ginsberg oder Jörg Fauser (mit seinem Roman Rohstoff), diejenigen, die man zuerst als postmodern bezeichnete. Ist Eco, wenn er auf diese Generation zurückverweist, wenn er, wie jene, auf Trivialmythen abhebt, von Casablanca bis zu Zitaten von Rockgruppen, nicht schon post-post-modern? Hat er die Postmoderne, die fortwährend ihre Moderne gebiert und umgekehrt, weil sie sich jeweils beinhalten, nicht schon hinter sich gelassen? Ist er nicht hochaktuell, wenn er vorführt, wie mit seiner Art der Wissenschaftsvermittlung umgegangen wird, nämlich dem Palavern über die Templer beim Knabbern im Bett? So, und nicht anders, wird heute Wissenschaft rezipiert! Es ist problematisch, den gesamten Roman mittels postmoderner Termini zu hinterfragen, doch ist sicher: Das Foucaultsche Pendel ist ein geistsprühender Krimi, ganz gleich welcher Blödsinn in manchen Rezensionen zu lesen war. --Matthias Kehle -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Sondereinband .

Pressestimmen

"Eco unterhält auf spannende und mitunter auch komische Weise. ... Mit dem "Foucaultschen Pendel" hat der Autor die Erwartungen erfüllt, die sein Erstling, "Der Name der Rose" geweckt hat, ja, er hat sie übertroffen." Lutz Hagestedt, Süddeutsche Zeitung, 02./03.12.89 "... zum Genuß und zur Nachdenklichkeit empfohlen." Norbert Trunz, Die Welt, 11.11.89 "Für seine Mit- und wahrscheinlich auch Nachwelt ist Eco ein Glücksfall: ein Autor, der etwas heutzutage Seltenes beherrscht - nämlich sein verdientermassen riesiges Publikum zugleich mit Wissen, mit verblüffender Kombinationsfähigkeit, mit erstaunlicher erzählerischer Kunstfertigkeit und - nicht zuletzt - mit einem unaufdringlich und daher um so überzeugender vorgebrachten ethischen Anliegen vortrefflichst zu unterhalten." Wolfgang Steuhl, Die Weltwoche, 14.12.89

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Kundenrezensionen

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64 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf der Suche nach Wahrheit 15. September 2007
Von Kosta
Format:Sondereinband
Das Foucaultsche Pendel ist wahrlich ein dicker Wälzer. Auf hunderten von Seiten wird eine Geschichte erzählt, bei der es scheinbar um Verschwörungstheorien geht. Enorm detailliert und ausführlich erfährt man die Geschichte dreier Menschen, die sich beruflich bedingt mit allerlei Verschwörungstheoretikern und paranoiden Konspirationsfanatikern auseinandersetzen müssen. Eines Tages beschließen sie den "großen Plan" zu erfinden, bei dem es um nichts anderes als die Eroberung der Welt von einer geheimen Organisation geht. Somit nimmt das Schicksal seinen Lauf...

Umberto Ecos Roman ist enorm komplizert und verlangt vom Leser einiges an Geduld ab. Oftmals bedient er sich fremder Sprachen, für die es noch nicht einmal übersetzende Fußnoten gibt. Englisch, Griechisch, Latein, Französisch... Es gibt Szenen, die man gar nicht, oder nur schlecht versteht, wenn man aus diesen Sprachen nicht zumindest einige Wörter kennt. Die historischen Ereignisse, auf die Bezug genommen wird, werden mit einer Detailverliebtheit dargestellt, als ob Eco persönlich dabei war. Auf all dies sollte man vorbereitet sein, wenn man sich diesen Roman zu Gemüte führen möchte.

Fälschlicherweise wird dieses Buch oft als Verschwörungsroman bezeichnet. Das stimmt zwar, trifft den Nagel aber nicht auf den Kopf. Die Verschwörungen sind hier nur der Weg, aber nicht das Ziel. Eigentlich geht es um Wahrheit und Lüge, um Glück und Unglück und um die ewige Suche danach.
Die Meinungen zu diesem Roman gehen sehr stark auseinander. Das liegt wohl daran, dass er vieles gleichzeitig sein möchte. Historischer Roman, Verschwörungsgeschichte, Selbstverwirklichungsdrama... und doch geht es eigentlich nur um Wahrheit und Lüge...
Eine faszinierende Reise, die jeder mal gemacht haben sollte und auf jeden Fall große Literatur. Wer einmal den Zugang zu dieser Geschichte gefunden hat, den wird sie nicht mehr loslassen.
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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eco über die menschliche Dummheit 25. Dezember 2006
Von moerky
Format:Sondereinband
In Ecos -wie ich finde langatmigstem- Werk geht es um drei Lektoren, die über ein Fragment eines mittelalterlichen Schriftstückes stolpern. Die Zeilen jedoch sind unvollendet, es fehlen Bruchstücke. Goethe grüßt : "Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse sich dabei doch auch was denken lassen." (Faust, 2566-2567) Und so handeln die drei, sie erfinden, sie stricken sich einen Text zurecht, sie nehmen Ereignisse der Geschichte und verbinden diese, decken darum herum einen roten Faden in der Menschheitsgeschichte auf, der zu einer bestimmten Zeit unterbrochen worden ist, und gipfeln ihre Kreativität in einer Karte, welche die Ruhestatt des Heiligen Grals bezeichnen solle. Das lockt Neider auf den Plan, Diaboliker, die alles für bare Münze nehmen und sich als die Nachkommen einer Bruderschaft verstehen, die den Gral zu schützen sich geschworen hat. Aus Spaß wird tödlicher Ernst...

Ein abgegriffenes, abgeschmacktes, ausgekautes Eisen, das Eco angepackt hat; zwar ist die Erstausgabe schon vor dem "Neo-Templer-Hype" der ausgehenden 90er Jahre entstanden, galt damals -vielleicht- als Novum, steht aber mittlerweile aufgrund seiner Thematik in einer Reihe mit den Trivialwerken Dan Browns (Illuminati), Andreas Eschenbachs (Das Jesus Video) und zahlreicher anderer. Doch bei Eco gilt: Bibelthemen einmal anders! Die Konstruktion der historischen Zusämmenhänge um die Tempelritter und den heiligen Gral bis in die Neuzeit hinein ist erfrischend und lässt schmunzeln, alles passt ineinander; im Licht der Abenddämmerung atmet halt alles, auch die Guillotine, einen tiefen Goldgrund von Friede aus - man muss es nur im rechten Licht betrachten. Dinge, die bei Tage betrachtet, absolut nicht zueinander passen, ergeben bei Nacht einen Sinn. Warum glauben die Diaboliker die konstruierten Zusammenhänge? Eco gibt hier die Antwort: "Die Leute glauben dem, der Haarwuchsmittel für Glatzköpfige anpreist. Sie spüren instinktiv, dass er Wahrheiten zusammenkleistert, die nicht zusammenhalten, dass er nicht logisch ist und nicht seriös. Aber man hat ihnen gesagt, Gott sei komplex und unergründlich, und daher empfinden sie Inkohärenz als etwas Gottähnliches. Das Unwahrscheinliche ist dem Wunder am ähnlichsten."

Eco macht sich hier, wie in anderen Werken auch (z.B. Baudolino, Der Name der Rose usw.), über die Naivität der Menschen lustig; er begeht dies auf eine sehr espritvolle Art und Weise und beschwört in seiner oft subtilen Kritik bei mir Parallelen zu Aphorismen Sören Kierkegaards herauf. Der Philosoph Eco bricht an jeder Ecke durch das Gestrüpp, das er konstruiert, bleibt Herr darüber und gibt dem Leser Anreize zum Nachdenken.

Die Geschichte ist streckenweise zu Beginn sehr langatmig geschrieben, Eco protzt mit einer Fülle an Wissen und fördert in seiner Eloquenz Schätze des Fremdsprachenvokabulars zutage, die kein Mensch im täglichen Leben benutzt. Dies ermüdet, aber ist gleichsam ein Beispiel dafür, dass man sich oft vieles anhören muss, bevor man zu einem eigenen Schluss gelangt; und der ist gelungen, Eco lotst den verständigen Leser durch die Stolperfallen, die er den "gewöhnlichen Menschen" auslegt, und stellt ihn zuletzt vor seine -des Autors- bekannte atheistische Weltanschauung, die in dem Aphorismus gipfelt : "die Wahrheit von Malchuth, die einzige Wahrheit, die in der Nacht der Sefiroth leuchtet, ist, dass die Weisheit sich nackt in Malchuth enthüllt, und sie enthüllt, dass ihr Geheimnis im Nicht-sein liegt, im Nicht-existieren, ausser für einen einzigen Augenblick, nämlich den letzten." Der Leser wird gefordert, er muss nachdenken, was das bedeutet, und wird sich -wenn er soweit ist- an Philosophen wie Parmenides oder Emanuele Severino erinnert fühlen.

Diese Geschichte ist nichts für jemanden, der abends sich bei leichter Kost entspannen will; aber es ist ein lohnenswertes Buch, nicht nur wegen der zahlreichen Zitate, die man diesem abgewinnen kann ("Mit Würde leben heisst Tag für Tag sein Horoskop korrigieren"; "Was die andern Tiefe nennen, ist nur ein Tesserakt, ein vierdimensionaler Kubus : du trittst auf der einen Seite hinein, auf der anderen hinaus, und befindest dich in einer Welt, die nicht mit deiner koexistieren kann." usw usf). Es überzeugt vor allem durch seinen Erfindungsreichtum. Erfinde, erfinde den großen Plan, Casaubon. Das ist es, was alle getan haben, um die Pfirsiche und die Dinosaurier zu erklären...
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24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Und schon ist die Postmoderne wieder Vergangenheit 14. April 2007
Von Niclas Grabowski TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Sondereinband
Selten ist die Unwirksamkeit eines Buches so gut nachweisbar wie von diesem hier. Da macht sich Eco schon Ende der 80er Jahre über hunderte von Seiten über praktisch alle gängigen Verschwörungstheorien lustig. Und was passiert? Die Leute lieben nicht nur die einfältigen Romane von Dan Brown zum selben Thema, sondern schauen auch noch Dokumentationen über deren Hintergründe an und beginnen wirklich an Jesus Ehe mit Maria und die gemeinsamen Kinder in Südfrankreich zu glauben. Dabei lässt Eco doch sein Buch nun wirklich eindeutig enden und erklärt das mit den Templern, Rosenkreuzern und Illuminaten alles für Quatsch. Und er erklärt auch noch klug, wie solcher Quatsch entsteht. Nämlich in Form selbstreferenzieller Systeme: Solange es in Kunst und Wissenschaft formale Wahrheitskriterien gibt, so lange reicht es einfach aus, zu veröffentlichen und sich dann selbst zu zitieren (oder zitieren zu lassen), um am Ende Wahrheit künstlich zu erschaffen. Und da Eco hier einen Roman schreibt und kein Sachbuch, nutzt er den Weg der Parodie, der Satire, um diese Botschaft dem Leser zu vermitteln. Für den Vielleser und den Geisteswissenschaftler ist das sehr lustig und unterhaltsam, wie sich hier drei Dilettanten daran machen, mit Hilfe eines dubiosen Verlages und nicht weniger dubioser Autoren die Geschichte wissentlich umzuschreiben und damit in ein Schauermärchen zu verwandeln. Zitat: "Phantastisch, morgen bereite ich eine mystische Auslegung des Telefonbuchs vor" und "Wenn wir das nicht ordentlich erklären, dann stehen wir dumm da. - Vor wem? - Vor der Geschichte, vor dem Tribunal der Wahrheit. - Quid est Veritas? - Wir, sagte ich." Im Ergebnis entsteht dann übrigens wirklich eine großartige Verschwörungsgeschichte, die viele historische Romane schlägt, insbesondere natürlich die von Brown. Zu Ende führt Eco das alles dann als grausame Farce, als statt dem Pendel etwas ganz anderes von der Decke baumelt.

Aber möglicherweise kommen viele Leser gar nicht erst dazu, diese aus meiner Sicht eindeutige Botschaft zu lesen. Wie bereits in seinem ersten Roman hat Eco nämlich vor das Vergnügen die Arbeit gesetzt. Also heißt es erst einmal viel unübersichtlichen Text lesen. Hier hat der Leser mit ca. einem halben Dutzend verschiedener Zeitebenen zu kämpfen. Unter anderem geht um eine Nacht in einem Museum in Paris, zwei Tage in einem Landhaus in Italien, ein bis zwei Jahre im zweiten Weltkrieg, und dann noch um die Jahrzehnte vom Ende der 60er bis in die Mitte der 80er. Und alles geht immer schön durcheinander. Insbesondere dürfen wir auch noch viel über das Schicksal Nachkriegsitaliens mit dem besonderen Schwerpunkt Norditalien und der dortigen 68er Generation erfahren. Und für sich gesehen wird auch dabei ein schöner Roman erzählt, mit um ihr Glück kämpfenden Männern, mit glücklichen und unglücklichen Liebschaften und einigen wunderbar beschriebenen Szenen über die Träume eines Kindes und die daraus folgenden Neurosen im Mann. Und was hat das mit dem Komplex um Templer und deren Verschwörungen zu tun? Eigentlich nichts. Die Verbindung zwischen beiden erscheint oft gewollt, fast zufällig.

So wird kaum ein Leser das Buch durchgehend als gut zu lesen einstufen. Damit man wirklich alle Passagen spannend findet, bedarf es schon einer ungewöhnlichen Zusammenstellung von Interessen und auch von Vorwissen. Man sollte schon mit dem Mittelalter vertraut sein und der Aufklärung. Man sollte die Ideen der 68er spannend finden und es nachvollziehen können, dass man die Autoritäten als Feind betrachtet und auf einen gesellschaftlichen Wandel hofft. Über Geheimgesellschaften braucht man allerdings kein Vorwissen, das wird im Buch erklärt. Man sollte sich für Okkultismus und Semiotik interessieren, vielleicht auch für die jüdische Religion, für die Bauten von Paris und die Geschichte der Erfindungen. Frauen, die zu Obsessionen von Männern werden, sind ein Thema. Einsicht in das Verlagswesen schadet wohl auch nicht. Nicht zu vergessen das Trompetespielen. Und dann wären noch die Voodoo-ähnlichen Kulte Brasiliens - aber hier geht der Autor wirklich zu weit, diese Episode hätte nicht sein müssen. Auf der anderen Seite: Selbst hier gibt es eine sehr witzige Karikatur einer typischen 68er-Persönlichkeit, eine Frau versucht wissentlich und zunehmend verzweifelt, sich zwecks Selbsterfahrung in Ekstase zu versetzen, was natürlich scheitern muss. Das ist gut beschrieben und es gibt um Buch viele weitere gute und wahre Beschreibungen. Vielleicht zu viele.

Ist das nun deshalb ein misslungenes Buch? Man darf wohl nicht ganz vergessen, dass dieses Buch in einem merkwürdigen Kontext entstanden ist. Im Rückblick erscheinen uns die 80er Jahre als etwas orientierungslos, eine Übergangszeit vor der großen, politischen Wende in Osteuropa. Aber damals wurde im Westen ernsthaft darüber diskutiert, was nach der Moderne denn noch kommen kann, wie die Geschichte weitergeht, nachdem alle Wahrheiten ausdiskutiert, alle Ideologien entlarvt und alle Erkenntnis langweilig geworden sind. Und damit wären wir wieder beim zuerst genannten Thema des Buches: Selbstreferenzen. Der Roman demonstriert die Postmoderne in Aktion, die immer wieder neue Anordnung des Alten, die Schöpfung von neuer Kunst durch die Kombination von längst Bekanntem. Oft wird darauf verwiesen, dass eigentlich jede Information mit jeder anderen einen Zusammenhang hat, den man nur aufdecken muss. Letztendlich hat das etwas von einem Spiel. So wie Eco in seinem ersten Buch den Krimi und den historischen Roman zu einem Erfolgsbuch verbunden hat, so versucht er es hier ebenfalls mit vielen Gattungen. Passt das zum heutigen Zeitgeist oder hat sich das überholt? Wohl eher letzteres. Und so muss man sagen, dass das Prinzip der postmodernen Zitatkunst in "Der Name der Rose" erfolgreich war, aber schon im dritten Buch von Eco, "Die Insel des vorherigen Tages" einen Bankrott erlebte. "Das Foucaultsche Pendel" ist irgendwo dazwischen.

Ich persönlich aber mag das Buch, vielleicht nicht wegen seiner Gesamtkonzeption, aber wegen vieler einzelner, starker Passagen. In einer davon sagt ein Mann "Kikerikii". Aber vielleicht liegt meine Begeisterung ja nur daran, dass die Zusammenstellung meiner persönlichen Interessen auch etwas merkwürdig ist.
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