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Das Foucaultsche Pendel: Roman
 
 
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Das Foucaultsche Pendel: Roman [Gebundene Ausgabe]

Umberto Eco , Burkhart Kroeber
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (162 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 768 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser; Auflage: 14 (1. Januar 1989)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446153950
  • ISBN-13: 978-3446153950
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 13,8 x 4,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (162 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 26.383 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

"Seit die Menschen nicht mehr an Gott glauben, glauben sie nicht etwa an nichts mehr, sondern an alles." Alles, was existiert, ist Text, ist Begriff. Die Geschichte, das ist das Überlieferte, und das ist nichts anderes als Text. "Die Begriffe verbinden sich per Analogie, ...denn wenn man Zusammenhänge finden will, findet man immer welche, Zusammenhänge zwischen allem und jedem, die Welt explodiert zu einem wirbelnden Netz von Verwandtschaften, in dem alles auf alles verweist und alles alles erklärt." So entsteht Ecos "Großer Plan" von einer Weltverschwörung, der, auf historischen Realitäten basierend, nichts anderes ist, als ein Fälschungssystem, das wahr ist, weil es auf Analogien basiert. Alles ist wahr, nur die Verknüpfungen nicht. Es gibt keine Wirklichkeit außer der, die zwischen Partnern per Konsens verabredet wird. Mit dieser Formel wären wir (fast!) bei bei Lyotard angelangt, jenem Vertreter der Postmoderne, ohne den Eco kaum zu verstehen ist.

Was ist der "Große Plan" des Romans denn anderes als das "Erhabene", das nicht Darstellbare, aber Vorstellbare bei Lyotard? Die Idee vom unbeweglichen Punkt im Universum, an dem das Pendel aufgehängt ist? Oder jenes mystische Zentrum Agarttha? Den Verlust der "Großen Erzählungen" beklagt Eco nicht mehr. Vielmehr nutzt er die Möglichkeiten der Texte und erzählt mit den alten, großen Erzählungen neue Geschichten, Stories. Versucht Eco nicht auch, das narrative Wissen mit dem wissenschaftlichen zu verknüpfen, und ist es nicht zum Scheitern verurteilt, wie jeder Vereinheitlichungsversuch, schließlich werden sowohl Belpo als auch Casaubon verrückt? Schwindet sie nicht, die empirische Wirklichkeit? Zerstört Eco nicht den falschen Schein, der "im Glauben an höhere Ursprünge und Zwecke, an eine Teleologie des Weltablaufs besteht, und (lässt er nicht) die empirische Welt als eine prinzipiell scheinhafte vor uns erstehen?"

Belpo versucht indessen den ästhetischen Umgang mit der neuen Technologie, dem Computer, der ihn gar zum Schreiben bringt. Jene Technologie, die dem narrative Wissen den Todesstoß verpasst hat. Doch seine Texte sind nur als magnetische Spuren virtuell auf Diskette vorhanden. Die Auswirkungen der neuen Technologien (Computer, synthetisierte Bilder) sind der Gestalt, dass sie die traditionellen Dualismen des abendländischen Denkens sprengen und damit deren Kultur, für die diese Dualismen konstitutiv sind, verabschieden, wie Eco z.B. bei den grotesken, multimedialen, okkulten Zeremonien vorführt.

Eco parodiert die Denkweise der Hermeneutik (Okkultismus, Voodoo etc.) durch raffinierte scheinlogische Konstruktionen und wirft dabei alles durcheinander. Er gebiert sich radikal eklektizistisch. Das wäre gegen Lyotards Vorstellungen, aber der Eklektizismus, der herauskommt, erscheint so lächerlich wie Charles Moores Bau "Piazza d`Italia" in New Orleans. Das Ergebnis kann bei Ecos Denken nur als Parodie aufgefasst werden; die meisten Verrücktheiten des Romans sind schließlich hinterlistiges, intellektuelles Schelmentum!

Warum aber erzählt Eco die Geschichte der Templer in Westernmanier oder als Comic-Strip beim Whiskey in der Kneipe oder mit seiner Freundin im Bett? Etwa nur, um die nicht-Akademiker bei der (Lese)Stange zu halten? In den 60er Jahren und später waren jene Autoren, die sich in Kneipen und Betten bewegten und jeden modernen, elitären Anspruch von sich wiesen, Autoren wie Ferlinghetti, Ginsberg oder Jörg Fauser (mit seinem Roman Rohstoff), diejenigen, die man zuerst als postmodern bezeichnete. Ist Eco, wenn er auf diese Generation zurückverweist, wenn er, wie jene, auf Trivialmythen abhebt, von Casablanca bis zu Zitaten von Rockgruppen, nicht schon post-post-modern? Hat er die Postmoderne, die fortwährend ihre Moderne gebiert und umgekehrt, weil sie sich jeweils beinhalten, nicht schon hinter sich gelassen? Ist er nicht hochaktuell, wenn er vorführt, wie mit seiner Art der Wissenschaftsvermittlung umgegangen wird, nämlich dem Palavern über die Templer beim Knabbern im Bett? So, und nicht anders, wird heute Wissenschaft rezipiert! Es ist problematisch, den gesamten Roman mittels postmoderner Termini zu hinterfragen, doch ist sicher: Das Foucaultsche Pendel ist ein geistsprühender Krimi, ganz gleich welcher Blödsinn in manchen Rezensionen zu lesen war. --Matthias Kehle -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Sondereinband .

Pressestimmen

"Eco unterhält auf spannende und mitunter auch komische Weise. ... Mit dem "Foucaultschen Pendel" hat der Autor die Erwartungen erfüllt, die sein Erstling, "Der Name der Rose" geweckt hat, ja, er hat sie übertroffen." Lutz Hagestedt, Süddeutsche Zeitung, 02./03.12.89 "... zum Genuß und zur Nachdenklichkeit empfohlen." Norbert Trunz, Die Welt, 11.11.89 "Für seine Mit- und wahrscheinlich auch Nachwelt ist Eco ein Glücksfall: ein Autor, der etwas heutzutage Seltenes beherrscht - nämlich sein verdientermassen riesiges Publikum zugleich mit Wissen, mit verblüffender Kombinationsfähigkeit, mit erstaunlicher erzählerischer Kunstfertigkeit und - nicht zuletzt - mit einem unaufdringlich und daher um so überzeugender vorgebrachten ethischen Anliegen vortrefflichst zu unterhalten." Wolfgang Steuhl, Die Weltwoche, 14.12.89

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen

54 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Auf der Suche nach Wahrheit, 15. September 2007
Das Foucaultsche Pendel ist wahrlich ein dicker Wälzer. Auf hunderten von Seiten wird eine Geschichte erzählt, bei der es scheinbar um Verschwörungstheorien geht. Enorm detailliert und ausführlich erfährt man die Geschichte dreier Menschen, die sich beruflich bedingt mit allerlei Verschwörungstheoretikern und paranoiden Konspirationsfanatikern auseinandersetzen müssen. Eines Tages beschließen sie den "großen Plan" zu erfinden, bei dem es um nichts anderes als die Eroberung der Welt von einer geheimen Organisation geht. Somit nimmt das Schicksal seinen Lauf...

Umberto Ecos Roman ist enorm komplizert und verlangt vom Leser einiges an Geduld ab. Oftmals bedient er sich fremder Sprachen, für die es noch nicht einmal übersetzende Fußnoten gibt. Englisch, Griechisch, Latein, Französisch... Es gibt Szenen, die man gar nicht, oder nur schlecht versteht, wenn man aus diesen Sprachen nicht zumindest einige Wörter kennt. Die historischen Ereignisse, auf die Bezug genommen wird, werden mit einer Detailverliebtheit dargestellt, als ob Eco persönlich dabei war. Auf all dies sollte man vorbereitet sein, wenn man sich diesen Roman zu Gemüte führen möchte.

Fälschlicherweise wird dieses Buch oft als Verschwörungsroman bezeichnet. Das stimmt zwar, trifft den Nagel aber nicht auf den Kopf. Die Verschwörungen sind hier nur der Weg, aber nicht das Ziel. Eigentlich geht es um Wahrheit und Lüge, um Glück und Unglück und um die ewige Suche danach.
Die Meinungen zu diesem Roman gehen sehr stark auseinander. Das liegt wohl daran, dass er vieles gleichzeitig sein möchte. Historischer Roman, Verschwörungsgeschichte, Selbstverwirklichungsdrama... und doch geht es eigentlich nur um Wahrheit und Lüge...
Eine faszinierende Reise, die jeder mal gemacht haben sollte und auf jeden Fall große Literatur. Wer einmal den Zugang zu dieser Geschichte gefunden hat, den wird sie nicht mehr loslassen.
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Eco über die menschliche Dummheit, 25. Dezember 2006
In Ecos -wie ich finde langatmigstem- Werk geht es um drei Lektoren, die über ein Fragment eines mittelalterlichen Schriftstückes stolpern. Die Zeilen jedoch sind unvollendet, es fehlen Bruchstücke. Goethe grüßt : "Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse sich dabei doch auch was denken lassen." (Faust, 2566-2567) Und so handeln die drei, sie erfinden, sie stricken sich einen Text zurecht, sie nehmen Ereignisse der Geschichte und verbinden diese, decken darum herum einen roten Faden in der Menschheitsgeschichte auf, der zu einer bestimmten Zeit unterbrochen worden ist, und gipfeln ihre Kreativität in einer Karte, welche die Ruhestatt des Heiligen Grals bezeichnen solle. Das lockt Neider auf den Plan, Diaboliker, die alles für bare Münze nehmen und sich als die Nachkommen einer Bruderschaft verstehen, die den Gral zu schützen sich geschworen hat. Aus Spaß wird tödlicher Ernst...

Ein abgegriffenes, abgeschmacktes, ausgekautes Eisen, das Eco angepackt hat; zwar ist die Erstausgabe schon vor dem "Neo-Templer-Hype" der ausgehenden 90er Jahre entstanden, galt damals -vielleicht- als Novum, steht aber mittlerweile aufgrund seiner Thematik in einer Reihe mit den Trivialwerken Dan Browns (Illuminati), Andreas Eschenbachs (Das Jesus Video) und zahlreicher anderer. Doch bei Eco gilt: Bibelthemen einmal anders! Die Konstruktion der historischen Zusämmenhänge um die Tempelritter und den heiligen Gral bis in die Neuzeit hinein ist erfrischend und lässt schmunzeln, alles passt ineinander; im Licht der Abenddämmerung atmet halt alles, auch die Guillotine, einen tiefen Goldgrund von Friede aus - man muss es nur im rechten Licht betrachten. Dinge, die bei Tage betrachtet, absolut nicht zueinander passen, ergeben bei Nacht einen Sinn. Warum glauben die Diaboliker die konstruierten Zusammenhänge? Eco gibt hier die Antwort: "Die Leute glauben dem, der Haarwuchsmittel für Glatzköpfige anpreist. Sie spüren instinktiv, dass er Wahrheiten zusammenkleistert, die nicht zusammenhalten, dass er nicht logisch ist und nicht seriös. Aber man hat ihnen gesagt, Gott sei komplex und unergründlich, und daher empfinden sie Inkohärenz als etwas Gottähnliches. Das Unwahrscheinliche ist dem Wunder am ähnlichsten."

Eco macht sich hier, wie in anderen Werken auch (z.B. Baudolino, Der Name der Rose usw.), über die Naivität der Menschen lustig; er begeht dies auf eine sehr espritvolle Art und Weise und beschwört in seiner oft subtilen Kritik bei mir Parallelen zu Aphorismen Sören Kierkegaards herauf. Der Philosoph Eco bricht an jeder Ecke durch das Gestrüpp, das er konstruiert, bleibt Herr darüber und gibt dem Leser Anreize zum Nachdenken.

Die Geschichte ist streckenweise zu Beginn sehr langatmig geschrieben, Eco protzt mit einer Fülle an Wissen und fördert in seiner Eloquenz Schätze des Fremdsprachenvokabulars zutage, die kein Mensch im täglichen Leben benutzt. Dies ermüdet, aber ist gleichsam ein Beispiel dafür, dass man sich oft vieles anhören muss, bevor man zu einem eigenen Schluss gelangt; und der ist gelungen, Eco lotst den verständigen Leser durch die Stolperfallen, die er den "gewöhnlichen Menschen" auslegt, und stellt ihn zuletzt vor seine -des Autors- bekannte atheistische Weltanschauung, die in dem Aphorismus gipfelt : "die Wahrheit von Malchuth, die einzige Wahrheit, die in der Nacht der Sefiroth leuchtet, ist, dass die Weisheit sich nackt in Malchuth enthüllt, und sie enthüllt, dass ihr Geheimnis im Nicht-sein liegt, im Nicht-existieren, ausser für einen einzigen Augenblick, nämlich den letzten." Der Leser wird gefordert, er muss nachdenken, was das bedeutet, und wird sich -wenn er soweit ist- an Philosophen wie Parmenides oder Emanuele Severino erinnert fühlen.

Diese Geschichte ist nichts für jemanden, der abends sich bei leichter Kost entspannen will; aber es ist ein lohnenswertes Buch, nicht nur wegen der zahlreichen Zitate, die man diesem abgewinnen kann ("Mit Würde leben heisst Tag für Tag sein Horoskop korrigieren"; "Was die andern Tiefe nennen, ist nur ein Tesserakt, ein vierdimensionaler Kubus : du trittst auf der einen Seite hinein, auf der anderen hinaus, und befindest dich in einer Welt, die nicht mit deiner koexistieren kann." usw usf). Es überzeugt vor allem durch seinen Erfindungsreichtum. Erfinde, erfinde den großen Plan, Casaubon. Das ist es, was alle getan haben, um die Pfirsiche und die Dinosaurier zu erklären...
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53 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Wow - drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen,, 17. Juni 2006
und das in einer eigentlich banalen Historienschnitzeljagd verpackt.

Kurz zur Lesbarkeit: Eco ist kein Groschenromanautor a la Dan Brown, insofern braucht es schon ein wenig mehr Aufmerksamkeitsinvestition beim Lesen des Pendels als beim Lesen eines dieser Mega-In-08/15 Verschwörungsschinken. Dem dtv-Verlag sollte allerdings jemand stecken, dass Fußnoten eher zum Lesegenuss beitragen als die nervende Suche der Übersetzungen auf den letzten Seiten des Buches (wohl eine Frage der Gewinnspanne, kosten Fußnoten beim Schriftsetzen wohl zwei Cents mehr) und das es etliche Leser gibt, die ihr Schulfranzösisch direkt nach dem Schulabgang begraben haben.

*Achtung Spoiler*

Nun aber zu den drei Fliegen, beginnend mit der dicksten Fliege:

- Die Entzauberung sämtlicher abstrusen Verschwörungstheorien der Neuzeit

Drei Verlagsmitarbeiter, jeder mit einem anderen Fachgebiet, entschließen sich aus Jux und Tollerei entlang eines unvollständigen alten Dokuments, welches ihnen exklusiv angeboten wird, die Weltgeschichte neu zu schreiben. Im Laufe der Jahre nimmt ihr "großer Plan" monströse Ausmaße an und was anfänglich nur eine Geschichte um die Tempelritter herum ist, wird zu einer Art roter Faden, der das alte Ägypten problemlos mit Nazideutschland in kausal historischen Zusammenhang bringt. Der Leser ist in Ecos Buch von der Entstehung dieser Verschwörungsweltgeschichte bis zu den zwei schallenden Ohrfeigen der Enttarnung (Wäscheliste/Ockhams Rasiermesser sowie der Annexion des erfundenen Weltengeschehens durch dankbare Allesgläubige) dabei. Die drei Autoren, die sich für ihren "großen Plan" zur Bedingung setzen, nur auf Fakten zurückzugreifen - wobei Faktenstatus einzig durch Publikation erreicht wird, Humboldt oder Dänicken ist dabei Jacke wie Hose -, führen dem Leser die herkömmlichen Fehler jeder Verschwörungstheorie Schritt für Schritt vor Augen. Beginnend mit der Fehlinterpretation eines Schnipsels der Geschichte, dem Konstruieren historischer Kausalitäten -unabhängig von Raum und Zeit der Geschehnisse-, dem "Passendmachen" der historisch bewiesenen Begebenheiten bis hin zum Verbiegen physikalischer Gesetze, ist die ganze Palette fadenscheiniger Argumentation Illuminatengläubiger u.a. Spinnern dabei.

Eco lässt bspw. seine Protagonisten mit viel Mühe die jüdische Glaubensgemeinschaft (dürfen natürlich in keiner guten Verschwörungstheorie fehlen) in ihren "großen Plan" einweben, Jahre später werden sie, da nicht mehr passend, von den Autoren mit einem beiläufigen Federstrich wieder aus der Verschwörung gestrichen. Köstlich!

Fazit: brillant gemachte Enttarnung des Heers üblich nebulös daherschwallender Ahnungsloser, die sich, egal ob es um Kornfelder, Elvis oder die Ereignisse des 11.September geht, aufgerufen fühlen, ihren Schwachsinn in die Welt hinauszuposaunen. Wer jemals einer Diskussion über den Schmelzpunkt von Stahlträgern im WTC beigewohnt hat, wird verstehen was ich meine und wird sicherlich seine Freude an diesem Buch haben.

- Gesellschaftsstudie der italienischen (kein wesentlicher Unterschied zu dt. oder frnz. Zeitgenossen) Linken - Marke 68er

Quasi im "Vorbeischreiben" beschreibt der Zeitzeuge Eco anhand der Entwicklung einer linken Szenekneipe der frühen siebziger Jahre bis in die späten 80iger den Untergang linker Utopien und den Wandel der einstigen Revolluzer zu erzkonservativen "Linken" mit gesicherter Staatsanstellung und Ferienhaus auf Sardinien. Eco macht sich aber nicht nur süffisant über den Marsch durch die Institutionen lustig, sondern beschreibt auch präzise und genauso süffisant den scheinbar völlig unkomplizierten Marsch von linker Utopie zu Esoterik, Okkultismus und grüner Religion (nicht zu verwechseln mit grüner Politik).

Dafür allein gebühren dem Buch schon 5 Sterne.

- Köstliche Karikatur des Eigenverlagswesen

Ich möchte nicht zu viel verraten, daher kurz und knapp: die Geschichte der AEK (Autoren auf eigene Kosten) ist zum Brüllen komisch. Mich ausgerechnet bei einem Buch von Eco laut lachend wieder zu finden, hätte ich nicht erwartet (da kannte ich den Baudolino noch nicht ;-)). Natürlich passt diese erhellende Episode exzellent in das Gesamtthema des Romans. Denn nicht alles was zwischen Buchdeckeln erhältlich ist, muss unumstößliche verschwörerische Wahrheit sein, meine lieben Verschwörungsfanatiker, meistens wird da nur ein eitler Selbstdarsteller nach Strich und Faden finanziell erleichtert, es sei denn, er findet wider Erwarten genug Allesgläubige mit zuviel Geld (vielleicht auch zuviel Freizeit) denen historische Fakten einfach nur zu langweilig sind - böse Federn würden schreiben, zu komplex sind.

Fazit: nie waren fünf Sterne so verdient wie hier.
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