Harald Mante überträgt seine profunden Kenntnisse der Malerei, der künstlerischen Gestaltung und des Designs auf die Fotografie. In diesem Werk geht es nicht um Kameratechnik sondern hauptsächlich um eines: die Abstraktion weg vom Objekt, das man fotografiert hin zu den Strukturen, den wirksamen Bildelementen und ihren Beziehungen untereinander, welche ein äußerst wichtiger - zeitloser - Teil sind, der die Kraft eines guten Fotos oder Gemäldes/Kunstwerks ausmacht. Es geht eben um die Metaebene, die in so vielen anderen Büchern nur kurz angerissen wird. Natürlich sind die technischen Aspekte und der Bildinhalt/Geschichte bei einem Foto wichtig aber eben auch die ästhetische Gestaltung. Wie man anhand der Werke von den alten Meistern bis hin zum Ende des 20. Jahrhunderts sehen kann, sind die grundsätzlichen Sehgewohnheiten des Menschen nämlich relativ konstant und es lohnt sich, sie kennenzulernen.
Mante schafft es, viele dieser Wirkungsprinzipien klar herauszustellen und deutlich zu machen; so wird das Buch zu einem reichen Reservoir an Anregungen, die man in der eigenen fotografischen (oder auch allgemein künstlerischen) Arbeit umsetzen kann. Ein Buch welches das Lernen und Experimentieren hervorragend anregt. Natürlich kann solch eine Lehre - wie alle anderen auch - nur begrenzt Wunder wirken, aber wo auch nur etwas Talent für fotografisches Sehen und Bildgestaltung vorhanden ist, wird es sich in der Beschäftigung mit diesem Werk zeigen und wachsen.
Layouttechnisch beinhaltet das A4-Hochformat Buch auf über der Hälfe seiner Fläche Fotos, die die jeweiligen Themen illustrieren, den Rest füllen Erklärungen in Textform, es ist keine trockene Lektüre, sondern visuell aufgebaut. Es bietet klare, substantielle Informationen wieso ein Bild wirkt - oder wieso eben nicht.
Für jeden, der weiterkommen will und bereit ist, sich auf Veränderung einzulassen, eine klare 5* Empfehlung. Gerade in Zeiten, in denen so sehr auf apparate- und bearbeitungstechnische Aspekte Wert gelegt wird ist "Das Foto" ein Ruf zurück zum Wesentlichen - das übrigens kein noch so schlauer elektronischer Assistent in der Kamera oder am PC ersetzen kann ...