Charley Davidson ist anders als andere Frauen- sie hat eine besondere Gabe, die ihr ganz nebenbei auch dabei hilft Verbrechen aufzuklären. Charley ist die 'Schnitterin'- eine Person die von Toten als strahlender Lichtkörper wahrgenommen wird und welche davon wie magisch angezogen werden, denn Charleys Körper bildet den Übergang zwischen Diesseits und Jenseits und jeder Geist muss um ins Jenseits gelangen zu können, durch Charley persönlich hindurch gleiten. Aber das ist noch nicht alles: Charley kann zudem die Geister der Toten sehen, mit ihnen sprechen und sie auch berühren. Eine manchmal undankbare Gabe, für die Charley von ihrer Stiefmutter Denise oftmals gerügt wurde und die Charley fast einen Platz in der Psychiatrie eingebracht hätte, wenn Charleys Vater nicht gewesen wäre, der im Gegensatz zu Denise und Gemma, (Charleys Stiefschwester) an Charleys besondere Gabe glaubt.
Schon von Kindesbeinen an half Charley ihrem Vater und ihrem Onkel Bob, zwei Cops, dabei Fälle aufzuklären (ihre besonderen Fähigkeiten waren schließlich ideal, denn wer hat schon die Möglichkeit die Toten danach befragen zu können, wer sie getötet hat) und hat sich nun als Privatdetektivin selbstständig gemacht. Dennoch arbeitet sie immer noch eng mit ihrem Onkel Bob zusammen und fällt somit auch aus allen Wolken, als sie eines Morgens einen Anruf von Bob erhält, dass sie sich unverzüglich an einem Tatort einzufinden hätte. Ein Mann wurde getötet, doch was Bob nicht ahnt, ist, dass Charley zur gleichen Zeit Besuch vom Geist eines Anwalts bekommen hat und vor allem dass die Morde an dem Mann und an dem Anwalt, der sich als Geist vor Charley manifestiert hat miteinander zusammenhängen. Als auch noch die zwei verbliebenen Kollegen der Kanzlei ermordet aufgefunden werden, in geisterhafter Erscheinung auftauchen und Charley darum bitten ihren plötzlichen Tod aufzuklären, ahnt Charley noch nicht, dass sie sich damit selbst in Lebensgefahr begibt.
Aber auch auf zwischenmenschlicher Ebene geht es turbulent zu. Charley wird seit kurzem immer wieder von überaus erotischen Träumen heimgesucht in denen sie ein unverschämt attraktiver Mann stets zu Gipfeln der körperlichen Ekstase führt. Wer ist der Mann und vor allem ist er wirklich ein Mensch oder ein Wesen mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet? Bei ihren erotischen Begegnungen nennt er sie immer 'Dutch', so wie einst ein junger Mann mit Namen Reyes, dem Charley und Gemma vor vielen Jahren, als sie zufällig Zeugen häuslicher Gewalt wurden zur Hilfe eilten, der diese aber brüsk zurückwies. Und dann wird sie auch noch von einem smarten und attraktiven Kollegen ihres Onkels in den Wahnsinn getrieben, mit dem sie wohl oder übel zusammenarbeiten muss'.
Meine Einschätzung:
'Das Flüstern der Toten' ist der erste Teil einer locker flockigen und amüsanten neuen Urban Fantasy Reihe der Autorin Darynda Jones, deren Roman in den USA mit überschwänglichen Beifallstürmen und Preisen bedacht wurde. Angepriesen wird dieser Roman unter anderem als 'wunderbar sarkastisch' (quelle: Romantic Times) und tatsächlich ist es so, dass die Heldin dieses Romans durchaus einen trockenen, bissigen Humor besitzt. Vor jedem Kapitel findet der Leser einen neuen, sinnigen, witzigen Spruch vor, der mir fast immer ein Schmunzeln entlocken konnte. Und auch viele Bemerkungen die die Heldin im Laufe des Romans fallen ließ waren amüsant, doch wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich nach knapp 100 Seiten lesen ein wenig das Gefühl, als ob die Autorin auf Biegen und Brechen versucht ein Gagfeuerwerk abzufeuern und nicht alles, was lustig sein soll, wirkte auf mich dann auch so.
Mir wäre es etwas lieber gewesen, wenn Darynda Jones ihrer weiblichen Heldin neben Witz und Schlagfertigkeit auch ein wenig mehr persönliche Note auf den Leib geschrieben hätte. Das kann aber womöglich auch damit zusammenhängen, dass wir es hier mit einem ersten Teil einer Serie zu tun haben und Charley in den Folgebänden mehr Konturen bekommt. Der Roman wird in 'Ich-Form' aus Charleys Sicht erzählt und man erfährt was es mit Charleys besonderer Gabe zu tun hat und wie sie sich dabei fühlt, fast immer von Geistern umgeben zu sein. Man merkt sehr schnell dass Charleys Sarkasmus und ihre Schlagfertigkeit, zwei Waffen sind, die sie sich aufgrund der Tatsache, dass sie von ihrer Stiefmutter nie wirklich geliebt und akzeptiert wurde, angewöhnt hat.
Charley liebt ihren Onkel und ihren Vater abgöttisch und hat zudem nette Freunde, wie etwa die kaffeesüchtige Cookie, die ihr als Mädchen für alles helfend unter die Arme greift oder den jungen und frechen Geist Angel, der ihr in brenzlichen Situationen zur Seite steht. Aber auch der große Unbekannte; der Fremde, der Charley zu erotischen Höhepunkten verhilft, hat es in sich, wobei seine wahre Identität erst gegen Ende des Buches gelüftet wird. Seinen wahren Hintergrund zu erfahren, war dann auch einer der Reizpunkte für mich, der mich den Roman nicht vorzeitig aufgeben/weglegen ließ, denn ich wollte unbedingt erfahren was es mit Reyes auf sich hat.
Der Kriminalfall ist nicht unbedingt spannend, aber zumindest ist er so gestrickt, dass man genau wie Charley und ihr Onkel Bob lange im Dunklen tappt. Gespickt ist der Roman wie schon erwähnt mit vielen, vielen witzigen und weniger witzigen Gedankengängen und Sprüchen der Romanheldin und wer den gleichen Humor besitzen sollte wie die Autorin, wird sich sicherlich beim Lesen ausschütten können vor Lachen. Obwohl ich selbst einen trockenen, schwarzen Humor besitze, lag Darynda Jones Humor leider nicht ganz auf meiner Wellenlänge, daher fiel es mir sehr schwer mich auf die Geschichte zu konzentrieren und durchzuhalten. Ein wenig erinnerte mich Darynda Jones Schreibstil an den von Gemma Halliday und wer schon Hallidays Romane mochte, wird bestimmt auch von Darynda Jones Erstling begeistert sein.
Wer bislang eher ein Bogen um Para-Romances gemacht hat, kann hier durchaus zugreifen, denn abgesehen von Charleys Schnitter-Rolle und ihre Begegnungen mit Geistern (und dem großen, dunklen Unbekannten) wirkt dieser Roman eher wie eine leichte, humorvolle Suspensekomödie mit prickelnden Liebeszenen wohlbemerkt.
Fazit: Ein leichter und flockiger Para- Suspense der mit dem Humor der Autorin steht und fällt und die Leser höchstwahrscheinlich in zwei Lager aufteilen wird. Allerdings auch ein Serienauftakt, der Potential in sich birgt und als Strandlektüre durchaus geeignet ist.
3.5 von 5 Punkten. Eine Rezension von Happy End Bücher. (NG)