Sorry, aber ich muss noch einmal auf diese dämlich pathetischen deutschen Titel rumhacken: "Das Flüstern der Nacht"... Uiuiui! Das hat Tiefe. Im englischen Original: "The desert spear". Passt genau. Geradezu auf den Punkt genau. "Das Flüstern der Nacht" hingegen... Nun, da flüstert nix im Buch. Im Gegenteil, die Dämonen scheinen immer ordentlich Krach zu machen. Mir entzieht sich wirklich nach welchen Kriterien die Verleger da vorgehen.
Zur Geschichte: Die knüpft ans erste Buch an, ist also nichts für Quereinsteiger. Die ersten Kapitel erzählen sehr ausführlich(!) die Geschichte Jadirs, wie er vom kleinen Krieger-Novizen zum Herrscher über Krasia aufsteigt. Natürlich werden auch die Geschichten von Arlen, Leesha und Rojer weitergesponnen. Der Charakter Rennas, der im ersten Teil nur ne kleine Nebenrolle gespielt hat, wird ebenfalls ausgebaut. Die Charaktere bieten allerdings sonst nichts neues; Eine Entwicklung sehe ich nicht wirklich. Die Krieger sind schon nahezu unbesiegbar, werden aber trotzdem immernoch stärker. Leesha wird auch immer schöner und klüger, lernt Sprachen innerhalb von 2 Wochen, entwickelt inzwischen selber machtvolle Runen und nervt tierisch mit ihrem Gejammer, dass sie nicht den richtigen findet. Aber *Achtung Spoiler* natürlich landet sie dann doch mal mit jemandem in den Kissen und - Oh Wunder - auch in diesem Bereich ist sie ne absolute Granate! Tatsächlich betont der Autor hier, dass ihr diese Sache genau so leicht zufällt, wie alle anderen Dinge in ihrem Leben. Lahmer geht's nicht... Die große Frage, die im Raum steht: Wer ist der Erlöser? Jadir, der sich ganz offenkundig dafür hält und in seinem Größenwahn die gesamte Menscheit, ob sie will oder nicht, einen will? Oder doch Arlen, der konsequent seine ihm von den Nordländern angedachte Rolle des Erlösers abstreitet. Die Frage ist leider schnell beantwortet. Es ist immer der, der es nicht sein will. Vielleich kommt Peter V. Brett im dritten Buch noch mit ner Überraschung um die Ecke, denn so richtig überraschen kann er hier nicht mehr.
Die bereits in anderen Rezis erwähnten sozialkritischen Aspekte finde ich eher plump. Brett versucht zwar vorurteilsfrei die verschiedenen Kulturen, die an die unseren angelehnt sind, zu beschreiben, dennoch wird zwischen den Zeilen das ein oder andere Mal die Freiheit und die Menschlichkeit der Nordländer besonders betont. Und auch wenn sich einige Rezensenten gegen Vergleiche mit unserem Weltgeschehen und unserer Politik sträuben (ich bin normalerweise auch vorsichtig!), Peter V. Brett muss sich diese gefallen lassen, denn schließlich benutzt er Begriffe wie "Heiliger Krieg" usw.
Sehr nervig: Die vielen Tipp- und Grammatikfehler. Wer hat denn da gepennt?
Positiv ist mir aufgefallen, dass die Dialoge nicht mehr so sehr konstruiert wirken.
Fazit: Unterhaltsam. Kann in einem Rutsch gelesen werden. Wer "Das Lied der Dunkelheit" mochte, kann auch beruhigt zu "Das Flüstern der Nacht" greifen. Wirklich neues gibt es nicht, aber Beständigkeit ist ja auch ganz nett. Viele werden einfach nur kontinuierlich schlechter...