Aus der Amazon.de-Redaktion
Ausgehend vom Untergang Vahan Calyds - den wir in variierter Form auch schon seinerzeit zu Beginn von Elfenwinter hatten - beschreibt der dritte Band der Elfenritter-Trilogie die Ereignisse, die zur großen Endschlacht führen, die den Bogen zum Ende von Die Elfen schließt. Dementsprechend tummeln sich hier auch wieder etliche Figuren, die aus anderen Bänden bekannt sind. Dramatisch überhöht wird der Tjured-Kult dargestellt, der die Albenmark mit seiner fanatischen Hetze und Kriegstreiberei ins Verderben zu stürzen droht. Und nach wie vor geht es um Luc und Gishild, die nicht nur getrennt sind, sondern mittlerweile verschiedenen Lagern in dem unbarmherzigen Konflikt angehören.
In einem wahren Overkill an Handlungssträngen und Figuren führt Hennen seine verschlungene Geschichte routiniert weiter. Doch in all den Schlachten und Abenteuern gehen Luc und Gishild zuweilen etwas unter. Und obwohl sich Hennen viel mehr Raum genommen hat, als ursprünglich geplant - der Roman hat über siebenhundert Seiten! -, stolpert er regelrecht ins Finale. Der deus ex machina ist ein Waisenknabe gegen die Abkürzung, mit der der Autor hier die Handlung vom absoluten Spannungshöhepunkt innerhalb von drei Seiten zum seichten und nur wenig befriedigenden Happy End manövriert.
Nichtsdestotrotz vermag dieses Manko dem Spaß, den Hennen uns mit den Elfen-Büchern bereitet, keinen Abbruch zu tun. Schließlich ist auch mit diesem Finale noch nicht das Ende der Elfenreihe geschrieben. Kein Grund also, bei diesem Band nicht beherzt zuzugreifen und sich auch auf kommende Titel zu freuen. -- Solveig Zweigle
Pressestimmen
»Bernhard Hennens ›Elfen‹-Romane gehören zum Besten, was die Fantasy je hervorgebracht hat.« (Wolfgang Hohlbein )
Kurzbeschreibung
Mit seinen atemberaubenden Romanen um das geheimnisvolle Volk der Elfen schuf Bernhard Hennen eine Saga, die schon jetzt als Klassiker der Fantasy gilt. Eine Welt voller Zauber und Magie, mit Helden, die in den Herzen der Leser weiterleben. In „Elfenritter“ kehrt der Bestsellerautor in die mythische Welt der Elfen zurück und lüftet das große Geheimnis um das Schicksal Albenmarks: Dies ist die Geschichte von Gishild, Königin des Fjordlands und letzte Hoffnung für die freien Völker der Welt. Und es ist die Geschichte Lucs, Ritter im Dienste eines mächtigen Ordens, dem Todfeind der Elfen. Als Kinder unzertrennbar, stehen sie sich nun an der Spitzer zweier Heere gegenüber. Denn der Kampf um die alte Welt hat längst begonnen …
Klappentext
Bild am Sonntag
»Bernhard Hennens »Elfen«-Romane gehören zum Besten, was die Fantasy je hervorgebracht hat.«
Wolfgang Hohlbein
Über den Autor
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
So hart ist mein Herz geworden, dass mich nur noch selten etwas berührt. Darum ist mir Vahan Calyd so kostbar. Und deshalb verbringe ich zuweilen eine Nacht auf See, nur um den Hafen im ersten Morgenlicht zu sehen.
Nun aber ist der Tag gekommen, den ich so lange gefürchtet habe. Es ist der zweite Tag nach dem Fest der Lichter. Im Nebel über den Wassern lag der Geruch von Rauch und Tod. Und im Wasser sah ich die Rückenflossen der Räuber und Aasfresser, die der Stadt entgegeneilten. Ein Wald von Masten umlagerte Vahan Calyd, und die Banner der blutroten Eiche hingen schlaff von ihnen herab. Die Türme der Stadt ragten wie todwunde Riesen aus dem Nebel. Gezeichnet von klaffenden Wunden, hielten sie sich mit letzter Kraft aufrecht. Ihre Schönheit ist zerstört, ihr Stolz gebrochen.
Wir glitten in den Wald der Masten. Der Nebel ließ alles um uns herum seltsam unwirklich erscheinen, wie in einer Traumreise. Er dämpfte die Geräusche und verbarg barmherzig das ganze Ausmaß des Schreckens.
Die stählernen Krallen eines Enterhakens griffen in die Reling. Plötzlich, ohne Vorwarnung. Ein Schemen wurde zu einem Schiff. Und dann kamen sie. Misstrauisch und vorsichtig, wie geprügelte Hunde. Mit gehetztem Blick und fahrigen Bewegungen nahmen sie mein Schiff. Ihre Anführer versuchten ihre Angst zu überspielen. Sie wichen meinem Blick nicht aus, doch ich konnte ihre Furcht riechen Sie warteten darauf, dass ich ihnen einen Grund lieferte, mir ihre Macht zu zeigen. Ich verharrte still. Und auch ich hatte Angst.
Dreimal durchsuchten die Menschenkinder mein Schiff, bevor sie uns einen Liegeplatz zuwiesen. Sie nennen sich Ritter, und doch sind sie schamlose Diebe. Sie nahmen alles, was ihnen wertvoll erschien, meinen Schmuck ebenso wie mein Wundbesteck. Und ihr laszives Lächeln verriet, dass sie noch mehr begehrten. Doch die letzten Wälle des Anstands waren noch nicht gefallen. Nie habe ich mich so ohnmächtig, so hilflos gefühlt. Wie konnten die Menschenkinder, die wir in allem zu übertreffen glaubten, so mächtig werden?
Mein geliebtes Vahan Calyd ... Niemals hätte ich mir träumen lassen, dass der Tag kommen könnte, an dem Menschenkinder entscheiden, wann ich den Fuß auf dein uraltes Pflaster setzen darf. Der Nebel trieb noch immer zwischen den Ruinen, als mich die Ritter ziehen ließen.
Der Stadt hafteten die vielfältigen Gerüche des Todes an, als sei sie ein einziger, riesiger Leichnam. War ich in der Stunde meiner Heimkehr in sprachlosem Entsetzen erstarrt, so brachen nun all mein Zorn und meine Trauer aus mir heraus. Ich weinte . zum ersten Mal seit den Tagen meiner Kindheit. Und als meine Tränen nicht aufhören wollten zu fließen, da erkannte ich, dass mir die Menschenkinder mit all ihrer blinden Zerstörungswut nicht hatten nehmen können, was mein kostbarster Schatz war: Vahan Calyd berührte noch immer mein Herz. Mehr als je zuvor!
So überwand ich das Entsetzen. Und ein Königinnenfalter schenkte mir neuen Mut. Auf seinen Flügeln aus Weiß, Silber und zartem Gelb schwebte er aus dem Nebel, so plötzlich, als habe der Dunst, der wie ein Leichentuch über der Stadt hing, ihn geboren. Er verschwand mit torkelndem Flug in der Gruft eines halb verfallenen Tortunnels. Unbeirrt eilte er dem Licht am Ende des finsteren, mit Trümmern gefüllten Ganges entgegen. Ich folgte ihm und er führte mich in den Orchideengarten des Palastturms von Alvemer. Aus dem Dunkel in den Garten zu treten, war wie der Schritt in eine andere Welt. Licht und Farben feierten den Morgen. Das Dach aus Kristall war beinahe unversehrt. Dutzende kleiner Brunnen murmelten eine leise Melodie. Tausende Blüten wetteiferten darum, sich mit den strahlendsten Farben und schmeichelndsten Wohlgerüchen zu schmücken. Die Plünderer, die über den Kadaver der Stadt hergefallen waren, suchten nur Gold und Geschmeide. Diesen Ort hatten sie nicht geschändet.
Ich habe die Besatzung meines Schiffes ausgeschickt, um Verwundete zu suchen, denen noch zu helfen ist. Sie sollen sie hierherbringen. Hier wird nicht allein ihr Leib, sondern auch ihre Seele genesen. Hier zu sein, heißt zu wissen, dass die Menschenkinder mit all ihrem Zorn und ihren Kanonen der Welt doch nicht ihre Schönheit zu entreißen vermögen.
Es geht die Kunde, Emerelle sei tot. So oft habe ich mir gewünscht, dass die Mörderin unserer Mutter ein grausames Schicksal ereilen möge. Und nun hoffe ausgerechnet ich, dass diese Nachricht nur ein haltloses Gerücht ist. Die Albenkinder, die überlebt haben, gehen gebeugten Hauptes. Sie fürchten die Menschen. Wagen es nicht, ihren Blicken zu begegnen.
Ich wünschte, Emerelle wäre hier, die Gebeugten wieder aufzurichten. Ich vermag zerschlagene Glieder zu heilen, doch den Verzweifelten neue Hoffnung zu geben, das vermag ich nicht. Still verfluche ich die Ritter von der blutroten Eiche. Voller Heimtücke haben sie sich nach Vahan Calyd geschlichen. Möge der Fluch der bösen Tat auf sie zurückfallen. So wie Vahan Calyd in der Stunde seines schönstes Festes fiel, soll das Strafgericht auch sie überraschend und in der Stunde ihres Triumphs ereilen. Ich hoffe auf Emerelle. Welch ein seltsamer, unvertrauter Gedanke ... Sie darf nicht tot sein. Sie muss die Schönheit Albenmarks retten! ...«
Brief Morwennas an Tiranu, den Fürsten von Langollion verwahrt in der Bibliothek des Rosenturms
Luc musste sich zwingen, den Blick gesenkt zu halten. Zu gern würde er sehen, wie die Elfenzauberin starb, die seine Mannschaft gemordet hatte. Aber er durfte sich nicht verraten.
Ein wenig taumelnd kam er auf die Beine. Müden Schrittes schlurfte er über das Deck des fremden Schiffs. Seine Rechte ruhte auf dem blutigen Verband an seinem Arm. Er zuckte leicht zusammen, denn die Wunde brannte.
Dann griff er nach seinen Kräften.
Kälte durchdrang sein Innerstes. Er dachte an den Sturz zum Meeresgrund. Das Geräusch splitternder Planken und die Schreie seiner Männer. All jener, die auf ihn gesetzt hatten.