Okay, da ich regelmäßig über Sportbücher schreibe und passionierte Körperbewegerin bin, dachte ich mir: So ein Bericht über Eine, die auszog, um endlich sportlich zu werden, könnte mir das Thema Sport mal ganz anders nahebringen.
Und tatsächlich, bei vielem Schmunzeln und reichlich Wundern habe ich den Blick einer Frau kennengelernt, die, wie ich auch immer wieder, eine neue Sportart betreiben will. Zu jeder Begegnung mit einer neuen Sportart erzählt Alexandra Reinwarth eine kleine Geschichte. Ihre kleine Geschichte. Dabei geht es mal ernst, aber meistens lustig zur Sache. Der Untertitel heißt ja "Wie ich (fast) jeden Scheiß ausprobierte, um in Form zu kommen". Und das ist wirklich wahr. Und deswegen kommen auch einige (auch skurrile) Sportarten und Alexandra Reinwarths Erfahrungen zusammen, die sie während ihres Fitnessprojekts sammelt:
Sie wird Stammgast in den Fitnesscentern ihrer Stadt, bucht alle möglichen Sportkurse, bewegt sich ... wirklich alles wird ausprobiert. Zusammen mit anderen Leidensgenoss(in)en lernt sie sich neu kennen. Dabei nimmt sie sich gerne auch ironisch aufs Korn und auf den Arm: Mit "Knubbelknien", "Bauchspeck" und "Schlabberjogginghose" bringt sie sich in Schwingung, seufzt, lästert, ächzt und stöhnt, zieht 'ne Schnute oder lacht, was das Zeug hält. Auf dem Power Plate lässt sie sich schön durchrütteln, beim Poledancing tut ihr schon das Zusehen weh, sie überwindet ihre Abneigung gegen das Walking und walkt mit anderen durch die Gegend, sie macht mit anderen Frauen geruhsame Aqua-Fitness, sie schwitzt so richtig bei Pilatesverrenkungen, sie tanzt sich beim Zumba mit caramba auf Salsa- und Merengue-Klänge ins lateinamerikanische Irgendwo, sie macht mit dem superanstrengenden Krav-Maga-Nahkampf ihre ganz eigene Bekanntschaft, sie macht die tollen und die dooven Sachen und noch viel, viel, viel, viel ... mehr.
Wat ick jut finde: Am Ende der Anekdoten fasst die Autorin dann das Wichtigste (ernsthaft) zusammen: Darin erklärt sie kurz, wie die jeweilige Sportart funktioniert, wie kostspielig sie ist, für wen sie geeignet ist, wie aufwändig es ist, sie zu betreiben, wer sie eigentlich macht (Männlein? Weiblein? Jung oder Alt? Etc.) was ihre Vor- und Nachteile sind. Damit bietet sie einen kleinen Pro-Kontra-Katalog, der für die Entscheidung, welche Sportart zu einem passt, tatsächlich von Wert ist.
Fazit: Ja, ja, Sport und (liebevoller) Spott liegen manchmal näher zusammen, als man denkt. Ich finde, dass Frau Reinwarth mit ihrem "Fitness-Projekt" mit viel Humor und Wahrheit unheimlich Lust darauf macht, Sport zu treiben ... ohne dem Fitnesswahn zu verfallen. Ich empfehle dieses Fitnessprojekt allen, die Spaß am Sport haben oder ihn bekommen wollen und noch nicht wissen, welchen Sport sie treiben oder lieber vermeiden sollten.