Cecilia Barghini und Richter Enzo Rossi kommen nicht zur Ruhe. Nachdem die beiden im zweiten Teil der Trilogie bereits ihre private Situation in bestimmte Wege geleitet haben, können sie auch diesmal viel zu wenig ruhige Stunden genießen. Inzwischen kümmert sich Cecilia um das Waisenhaus in Montecatini, indem sie Spenden sammelt und verwaltet. Als eines Tages ein Waisenkind aus dem oberen Turmfenster fällt, glauben zunächst alle an einen Unfall. Doch Cecilia guckt sich die Fakten genauer an und bittet auch Rossi um Hilfe.
Was hier wie ein klassischer Krimi mit einem Mordfall beginnt, wendet sich bald in einen Thriller mit Intrigen und Verschwörungen. Weder das Ermittlerpaar noch der Leser können glauben, dass diesmal Cecilia selbst im Focus der Täter steht. Kaum hat sie eine Gefahr von sich abgewendet, kommt schon die nächste aus unvorhergesehener Richtung auf sie zu. Die Spannung wird dadurch immer wieder neu aufgebaut. Durch die vielen Verdächtigen bleiben bis kurz vorm Ende mehrere Möglichkeiten offen und die Lösung somit unvorhersehbar. Allerdings ist die Anzahl der Tatverdächtigen für einen historischen Krimi auch am oberen Limit angelangt. Immerhin handelt es sich immer noch um das beschauliche Städtchen in der Toscana, das auch im ausgehenden 18. Jahrhundert kein Zentrum des Verbrechens darstellte.
Auch im dritten Teil der Toscana-Trilogie um Cecilia Barghini gelingt es Helga Glaesener, ein mitreißendes Buch vorzulegen. Es werden mehrere Details aus dem Familienleben angesprochen, sodass auch der Richter einen plastischeren Charakter darstellt. Die Entwicklung der Protagonisten ist zufriedenstellend gelöst, auch wenn das zu erwarten war. Sprache, gesellschaftlichen Gepflogenheiten und moralischen Grundsätze wirken authentisch. Notwendige Informationen aus den vorhergehenden Teilen werden so eingefügt, dass man dieses Buch auch separat lesen kann. Natürlich ist der Lesegenuss größer, wenn man die gesamte Geschichte der Protagonisten kennt. Das Ende bietet sogar noch Potential für eine weitere Fortsetzung, über die ich mich sehr freuen würde.