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Umso verdienstvoller ist es, wenn der o.a. Verlag eine Sammlung von Kurzgeschichten „Das Feuerwerk" von Oliver Friggieri vorlegt, der als die Stimme Maltas gilt. Dabei sind diese Kurzgeschichten durchaus von einem beachtlichen Niveau. Es wundert nicht, wenn sie in diesem Jahr in einer seriösen österreichischen Zeitschrift abgedruckt werden. Dem Autor gelingt es, scheinbar alltägliche Begebenheiten hintergründig zu verdichten. Dies zeigt sich in vielen Situationen. So wird z. B. die Erfahrung der Unwiederbringlichkeit einer Chance einsichtig beschrieben, als der Sohn seiner Mutter eine scheinbar inakzeptable Bitte abschlägt, deren Grund er aber erst erkennt, als es zu spät ist. In „Der Außenseiter" erkennt man zum Schluss, welches die Gründe für die angenommene Rolle der Hauptperson sind. Interessante Facetten der Tier-Mensch-Beziehung werden in „Ein Penny für die Tauben" und auch „ Der beste Freund des Menschen" geschildert. Immer wieder sind es einfache Menschen, wie der kleine Mann, die als Hauptpersonen in den Erzählungen auftreten. Oft sind es alltägliche Begebenheiten, in denen kleine Besonderheiten das Interesse des Lesers reizen. So entsteht eine gewisse Spannung, die am Ende oft mit einer überraschenden Pointe gelöst wird. So erfährt man z. B. am Ende, warum eine bestimmte Rolle (Außenseiter) gerne angenommen wurde, wieso die Rolle stärker als die freie Selbstbestimmung des Ich werden kann. Nicht selten ist eine leise Melancholie wahrnehmbar, die allerdings nicht pessimistisch ist, sondern auf Menschlich-Allzu-Menschliches hinweist, auf menschliche Begrenztheit, auf die condition humaine. In diese Reihe der humanistisch moralistischen Schriftsteller ist Oliver Friggieri wohl einzureihen. Dabei hebt er nirgends den Zeigefinger. Das würde nicht zu seiner liebevollen Darstellung seiner Personenwelt passen. Die Titelgebende Kurzgeschichte „Das Feuerwerk" zeigt, dass bestimmte Traditionen und Haltungen zwar kurz unterbrochen, aber nicht endgültig aufgegeben werden. Das Feuerwerk wird trotz einer unbedachten Explosion, die ein Menschenleben fordert, doch alljährlich wiederholt. Auch die Natur, z. B. ihre Übermacht, spielt im Leben der Inselbewohner eine wichtige Rolle und wird immer wieder zum Thema, ob es ein Unwetter, die Kraft der Sonne oder ganz einfach die Landschaft Maltas ist. Der Autor versteht vorzüglich und anschaulich zu erzählen, den Horizont der Leser und Leserinnen so zu treffen, dass sie den Eindruck haben, bereits Ähnliches erlebt zu haben oder es sich mindestens gut vorstellen zu können. Die Leserinnen und Leser erwartet ein Lesevergnügen, das gleichzeitig zum Nachdenken anregt, da Bilder und Situationen nicht nur für sich stehen. Gleichzeitig gewinnt er einen gewissen Einblick in die Welt des neuesten Beitrittslandes der EU.
Es war der sechste Tag, und sechs Tage sind recht lang, wenn man liebt."
(Zitat: Oliver Friggieri)
Dass die Kurzgeschichten von Oliver Friggieri niemals larmoyant daherkommen, macht ihren besonderen Charme aus.
Unter allen Textsorten sind Kurzgeschichten wohl am besten geeignet, relativ unmittelbar zum Verständnis der (hier: maltesischen) Realität beizutragen. Selbst wenn es prinzipiell richtig ist, dass man sich hüten solle, Literatur als Steinbruch für Landeskunde zu benutzen, da es sich um Texte der Imagination in den verschiedensten Facettierungen handelt, so stellt sich für maltesische Schriftsteller der Gegenwart die Sachlage etwas anders dar. Als kleines Land mit einer faszinierenden Sprache - Malti - wurde und wird Malta bislang viel zu wenig wahrgenommen. Das gilt es zu ändern...
Die beste Art, ein Land kennenzulernen, ist seine Schriftsteller zu lesen", schrieb der tunesische Soziologe und Autor Albert Memmi einst in einem Vorwort zu einer Anthologie. Zum Beitritt Maltas in die EU möchten wir diesen Satz aufgreifen und Sie einladen, sich auf Malta einzulassen.
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